Russland: Markteinstieg für Schweizer Startups ist nicht unmöglich

Die Sanktionen gegen Russland beeinträchtigen die Wirtschaft enorm. Doch die Rahmenbedingungen für Schweizer Unternehmen in Russland sind günstig: Niedrige Steuern machen den Standort attraktiv für Firmen, die vor Ort für den russischen Markt produzieren.

Der russische Markt ist für Unternehmen in der Schweiz trotz der Wirtschaftssanktionen weiterhin attraktiv. Mittelständler und Startups brauchen dennoch Mut, um den Einstieg oder die Expansion gen Moskau zu wagen. Wer sich traut, profitiert jedoch von überraschend günstigen Rahmenbedingungen für Unternehmen.

Um diesen Mut aufbringen zu können, muss man jedoch die aktuelle Situation genau einzuschätzen wissen, Risikobereitschaft zeigen und auf bessere Zeiten hoffen. Denn Die Sanktionen des Westens haben die Importe nach Russland verteuert. Der Rubel ist so schwach wie noch nie und macht es für Unternehmen im Produzierenden Gewerbe nahezu unmöglich, aus dem russischen Ausland noch günstig an Waren zu kommen. Die starke Aufwertung des Schweizer Franken verschlimmert die Situation noch. Die Inflation in Russland liegt im zweistelligen Bereich. Banken vergeben kaum noch Kredite an Unternehmen, die Zinsen für Kredite liegen jenseits der 20 Prozent.

Sollte sich die Ukraine-Krise entschärfen und die Sanktionen gegen Russland mittelfristig aufgehoben werden, wäre die Unterbewertung des Rubel auf einmal ein Standortvorteil für Unternehmen. Chancen liegen im unterentwickelten Tourismus. Das schlechte Image Russlands verhindert bislang den Ausbau des Sektors.

Ein weiterer Standortvorteil für Unternehmen sind die niedrigen Steuern für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die Höhe der Einkommenssteuer beträgt gerade mal 13 Prozent. Korruption und Bürokratie seien überwiegend für große Unternehmen ein ernstzunehmendes Thema, sie reichten jedoch „häufig nicht bis in die Niederungen der KMU, wo es sich in der Regel ganz passabel leben lässt“, schreibt Unternehmer Walter Denz für die NZZ.

In Russland gebe es eine junge, flexible und innovative Privatwirtschaft für Güter und Dienstleistungen. Die Gewinnsteuern für KMU betragen ab 2015 für Unternehmen mit einem Umsatz bis zu einer Millionen Euro nur 7 Prozent – gute Rahmenbedingungen für Startups. Bürger und Unternehmer würden weitestgehend in Ruhe gelassen, auch Buchprüfungen würden selten stattfinden und korrekt durchgeführt.

Die Schattenwirtschaft habe abgenommen. Betriebsausgaben könnten steuerlich abgerechnet werden. „Weit abseits der staatlich gelenkten Konglomerate und der antiwestlichen Rhetorik im staatlichen Fernsehen geht der zunehmend selbstbewusste Mittelstand seinen Weg weiter, mit eigenen Ideen und Präferenzen“, so Denz.

Auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind für eine Niederlassung geeignet. Die medizinische Versorgung sei gut, der Staat unterstützt Familien mit Kindern. Wer also das Risiko abschätzen kann, für den mache der Markteintritt heute mehr Sinn als noch vor einem Jahr. Das gilt vor allem für Unternehmen die Güter vor Ort produzieren und verkaufen.

Die Stimmung gegen eine Verschärfung der Sanktionen scheint zu kippen. Obwohl die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama die Aufrechterhaltung der Sanktionen einfordern, macht sie eine Allianz von Euro-Staaten gegen eine Ausweitung der Handelsbeschränkungen stark. Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann rief vor dem EU-Gipfel dagegen zu Zurückhaltung in der Sanktionsfrage auf. „Zusätzliche Sanktionen oder eine Verschärfung der vorhandenen Sanktionen können höchstens eine Notlösung sein, aber sicher keinen Friedensplan ersetzen“, sagte er der Zeitung Die Welt.

Gegen die Sanktionen sprechen sich zudem Zypern, Griechenland, Tschechien, Italien, Spanien, Ungarn und die Slowakei aus. Auch Frankreich und Deutschland haben aufgrund des Drucks der Rüstungsindustrie ein Interesse an der Aufhebung der Sanktionen. Italiens Premier Matteo Renzi sucht ebenfalls nach Wegen, die Sanktionen zu umgehen.

Sollten Russland und die Ukraine die Vereinbarungen des Minsker Abkommens Folge leisten und sich eine stabile Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien etablieren, scheinen die Chancen für ein Aufleben der Wirtschaft wieder besser zu stehen.

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