Starker Franken setzt Schweizer Produkte unter Preisdruck

Die starke Aufwertung des Franken wird das Wachstum der Schweizer Wirtschaft deutlich senken. Der Export von Waren sowie der Tourismus in der Schweiz leiden unter der starken Währung. Schweizer Unternehmen geraten durch billige Produkte aus dem Ausland unter Preisdruck.

Der Schweiz steht nach Einschätzung ihrer Notenbank ein Jahr mit geringem Wirtschaftswachstum und deutlich sinkenden Preisen bevor. Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar erwartet die Schweizerische Nationalbank (SNB), dass die Wirtschaft des Landes dieses Jahr mit knapp einem Prozent nur noch halb so stark wächst wie 2014. Billige Produkte aus dem Ausland senken zudem die Preise in der Schweiz und setzen inländische Unternehmen unter Druck.

Die Arbeitslosigkeit dürfte leicht zunehmen und die Verbraucherpreise dürften um mehr als ein Prozent zurückgehen, wie SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag erklärte. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl nahm im Februar 2015 zum ersten Mal seit dem Frühling 2013 zu; rund 1.500 Personen mehr waren als arbeitslos gemeldet.

Zu der Aufhebung des seit drei Jahren geltenden Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken habe es Mitte Januar dennoch keine Alternative gegeben, betonte Jordan. Wegen der sich damals abzeichnenden und inzwischen ausgelösten Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) habe die SNB mit enormen zusätzlichen Geldflüssen in die Schweiz rechnen müssen. Die Verteidigung der Euro-Grenze hätte Devisenkäufe von mehreren hundert Milliarden Franken erfordert und die Bilanz der Schweizer Notenbank gesprengt. „Wir haben uns entschieden, der Realität in die Augen zu schauen“, sagte Jordan.

Nach der Abschaffung des Mindestkurses fiel der Euro zunächst auf unter einen Franken. Derzeit wird die Gemeinschaftswährung bei 1,06 Franken gehandelt. Dass die schlagartige Aufwertung der Schweizer Währung der Wirtschaft Probleme bereitet, räumte Jordan ein. Schweizer Produkte sind im Ausland ebenso teurer geworden wie Urlaube für Ausländer in der Schweiz. Güter aus dem Ausland können in der Schweiz billiger verkauft werden und verstärken den Konkurrenz- und Preisdruck für Schweizer Firmen. Im Januar und Februar 2015 belief sich der Rückgang des Konsumentenpreisindexes (im Vorjahresvergleich) auf -0,5% bzw. -0,8%. Dieses Mal liegt der Grund für die negative Inflation vor allem bei den tieferen Preisen für Erdölprodukte. Neben den tiefen Erdölpreisen wird 2015 auch der starke Franken einen deutlichen Einfluss auf die Inflationsentwicklung haben. Dass das zusammen mit sinkenden Ölpreisen in eine Abwärtsspirale bei den Preisen münden könnte, befürchtet Jordan nicht. „Eine anhaltend negative Inflation oder gar eine Deflationsspirale ist nicht zu erwarten“, sagte er. Auch 2016 dürften die Preise noch einmal leicht sinken. Ab 2017 werde die Inflation wieder im positiven Bereich liegen.

Die SNB geht davon aus, dass sich der Franken im Laufe der Zeit abschwächt und der Euro stärker wird. „Insgesamt ist der Franken immer noch deutlich überbewertet“, so Jordan. Falls doch wieder eine Geld-Welle auf die Schweiz zurollen sollte, würde die SNB auch wieder Devisen kaufen. In der Zwischenzeit sollen Strafzinsen Finanzanlagen in der Schweiz unattraktiv machen. Der ebenfalls im Januar eingeführte Negativzins, den Banken ab einer bestimmten Freigrenze für ihre Einlagen bei der Zentralbank bezahlen müssen, bleibt bei 0,75 Prozent. Er soll vor allem ausländische Investoren abschrecken aber auch Schweizer zu Anlagen im Ausland ermuntern. Dass der Zins wenn nötig tiefer in die Minuszone geschoben werden könnte, schloss Jordan nicht aus. „Wir werden das gegenwärtige Zinsniveau vorerst beibehalten“, sagte er. Damit sei die SNB bereits sehr weit gegangen. Wenn Strafzinsen zu scharf werden, müssen die Währungshüter allerdings befürchten, dass die Schweizer ihr Geld von den Banken abziehen und in Tausender-Banknoten in Tresoren bunkern. Das sei im aktuellen Umfeld nicht im Gesamtinteresse der Schweiz, warnte Jordan. Das Zielband für ihren Leitzins Dreimonats-Libor ließ die SNB unverändert bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent.

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