Sanktionen: Exporte nach Russland brechen um 35 Prozent ein

Die Warenausfuhren nach Russland haben im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent abgenommen. Durch die Sanktionen infolge der Ukraine-Krise wird sich der Export nach Russland voraussichtlich bis 2016 nicht erholen.

Die deutschen Exporte nach Russland brechen wegen der westlichen Sanktionen immer stärker ein. Die Warenausfuhren summierten sich im Januar auf nur noch 1,44 Milliarden Euro – das sind gut eine Milliarde Euro oder 35,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorlagen. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Oktober 2009, als die weltweite Finanzkrise die Ausfuhren drosselte. „Damit schlägt die politische Krise infolge des Ukraine-Konflikts nunmehr voll auf die Wirtschaft und die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen durch“, sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes.

Er forderte angesichts des „rekordverdächtigen Rückgangs“ verstärkte diplomatische Anstrengungen, damit der Ukraine-Konflikt entschärft werde. „Eine zunehmende wirtschaftliche Entflechtung Russlands von Deutschland und der EU kann nicht in unserem Interesse liegen“, sagte Cordes. „Alte Aufträge sind abgearbeitet, neue Handelsgeschäfte werden durch die Rubel-Schwäche infolge des niedrigen Ölpreises und durch die Wirtschaftssanktionen erschwert.“ Russische Unternehmen kämen nur noch schwer an Kredite, deutsche Firmen hielten sich mit Investitionen zurück.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet bislang ein Minus von maximal 15 Prozent, nachdem die Ausfuhren 2014 um mehr als 18 Prozent auf 29,3 Milliarden Euro gefallen waren. Deutschland liefert vor allem Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte nach Russland.

Die Europäische Union hatte nach der Krim-Annexion Sanktionen gegen Russland verhängt, die wegen des Kampfes prorussischer Separatisten in der Ostukraine mehrfach verschärft wurden. Russland steckt zudem in der Rezession, während die heimische Währung Rubel kräftig abgewertet hat. Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher, die ebenfalls die Nachfrage nach deutschen Waren drückt.

Deutschen exportiert nicht nur weniger nach Russland, sondern importiert auch weniger aus dem Schwellenland. Die Einfuhren brachen im Januar ebenfalls um gut ein Drittel auf knapp 2,5 Milliarden Euro ein.

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  1. Peter G. sagt:

    Nicht nur, dass Frau Merkel sich ohne Not an die Spitze der Sanktionisten stellte, während die Vertreter anderer Länder sich im Hintergrund hielten, haben auch die Sprecher der dt. Industrie – jedenfalls am Anfang – die Sanktionen befürwortet. Jetzt erhalten sie alle, sowie natürlich die Steuerzahler, die Quittung. Inzwischen reiben sich die USA die Hände, denn sie haben ihrer Konkurrenz auf dem Weltmarkt (D.) geschwächt und selbst gleichzeitig ihre Handelsbeziehungen zu Russland ausgebaut. Ich bezweifle, dass angesichts der russischen Mentalität die Beziehungen jemals wieder so werden können, wie vor dem Putsch auf dem Maidan.