EU-Kommission will Handel im Internet vereinfachen

Mehrwertsteuer, Urheberrecht und Handel im Internet soll vereinfacht werden. EU-Kommissar Günther Oettinger will den Online-Handel über Ländergrenzen hinweg fördern. Bislang gibt es zu viuele unterschiedliche Regelungen für Telekommunikation, Urheberrecht, IT-Sicherheit und Datenschutz

Die EU-Kommission will Barrieren im Internet für Verbraucher und Unternehmen abbauen. Der zuständige Kommissionsvizepräsident Andrus Ansip plädierte am Mittwoch dafür, in der EU den grenzüberschreitenden Internet-Handel anzukurbeln, die Mehrwertsteuer-Regeln zu vereinfachen und das Urheberrecht zu modernisieren. „Die Menschen müssen sich im Netz ebenso frei über Grenzen hinweg bewegen können wie in der Wirklichkeit.“ Innovative Unternehmen müssten unterstützt werden, damit sie EU-weit wachsen könnten und nicht in ihren nationalen Märkten gefangen blieben. EU-Digitalkommissar Günther Oettinger sprach von einem Flickenteppich von jeweils 28 unterschiedlichen Regelungen für Telekommunikation, Urheberrecht, IT-Sicherheit und Datenschutz. Im Mai will die EU-Kommission Vorschläge für konkrete Maßnahmen zur Schaffung eines digitalen Binnenmarktes vorlegen.

Die EU-Kommission moniert, dass wegen der Versandkosten nur 15 Prozent der Verbraucher online in einem anderen EU-Land einkaufen. Zudem dürften viele Bürger nicht auf Online-Dienste für Musik, Videos oder Büchern in anderen Ländern zugreifen.

Die stellvertretende Vorsitze der Grünen-Fraktion im EU-Parlament, Julia Reda, kritisierte die Vorschläge Ansips zur Abschaffung der Barrieren bei Online-Angeboten als zu vage. Sie plädierte zudem für ein einheitliches Urheberrecht bei Online-Videos, bei dem Produzenten nur eine Lizenz für ihr Heimatland erwerben müssten und die Inhalte dann auch in anderen EU-Ländern vertreiben dürften.

Shoppen über Smartphones und Tablets ist weiter im Kommen: Der M-Commerce-Umsatz in Deutschland ist 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 131 Prozent gewachsen und wird sich 2015 noch mal verdoppeln. Experten erwarten, dass die M-Commerce-Einnahmen 2015 von 7,2 Milliarden Euro 2014 auf 14,6 Milliarden steigen werden, ergab eine internationale Untersuchung im Auftrag von deals.com, der Suchmaschine für digitale Gutscheine und Unternehmen von RetailMeNot, Inc.

Damit erweist sich M-Commerce weiter als das Zugpferd des Online-Handels. Der deutsche E-Commerce verzeichnete 2014 insgesamt ein Wachstum von 25 Prozent. Für 2015 wird eine weitere Steigerung von 23,1 Prozent vorausgesagt. Der Umsatz über PCs und Laptops stieg dabei um 14,4 Prozent – für 2015 werden nur noch sieben Prozent prognostiziert.

Um 130,8 Prozent wuchs das deutsche M-Commerce-Geschäft 2014 und soll in diesem Jahr um weitere 103,1 Prozent steigen – europaweit nach Polen (108,8 Prozent) das größte Wachstum. Dabei wird das Tablet-Geschäft um voraussichtlich 96,4 Prozent wachsen, für Smartphones liegt die erwartete Umsatzsteigerung bei 108 Prozent.

2014 betrug der M-Commerce-Anteil am E-Commerce-Umsatz 16,8 Prozent. Dieser Anteil Studie 2015 auf 27,7 Prozent steigen: Damit wird dieses Jahr mehr als jeder vierte Euro im Online-Geschäft über ein mobiles Endgerät umgesetzt.

Im europäischen Vergleich liegt der deutsche M-Commerce-Anteil am gesamten Onlinehandel 2015 nur knapp hinter Großbritannien (28,6 Prozent) auf Platz zwei – aber noch vor den USA (26,8 Prozent). Die geringste Verbreitung des M-Commerce findet man in Polen (13,9 Prozent) und Italien (10,1 Prozent).

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  1. Gerhard sagt:

    Das Internetfeuerwerk für kleine und mittlere Versender ist im Grunde vorbei, was den Euroraum anbelangt. Viele EU-Versender kennen die gültige Rechtslage bzgl. Steuern- und Abgaben nicht oder wollen diese lieber nicht kennen, weil sie auf gute Geschäfte verzichten müssten.

    Die aktuelle Entwicklung in der EU zeigt, dass wir immer mehr in Richtung US-amerikanischer Bundesstaatenregelung bzgl. der Umsatzsteuer tendieren. Was heißt, dass wir für jedes Versandland die dort gültige Umsatzsteuer abzuführen hätten, auch wenn es Freigrenzen noch gibt. Tatsache ist, dass der Versand in ein anderes Land der EU eigentlich nur ausnahmsweise im Einzelfalle zulässig ist. Erzeugnisse, die die Verbrauchssteuern, Enstorgungsabgaben oder andere Abgaben des Ziellandes tangieren sind im Versand verboten, auch im Einzelfall.

    Ich bezweifle sehr, dass es zu einer „geschmeidigen Lösung“ im EU-Raum zu diesem Thema kommt.

    Zukünftig werden nur große Internet-Versender die EU-Versand-Mathematik beherrschen und auch bürokratisch abwickeln können.