Bundesbank: Deutsche Immobilien sind bis zu 20 Prozent überbewertet

Die Immobilienpreise in Deutschland werden weiter steigen. Die Bundesbank geht von einer Überbewertung von bis zu 20 Prozent aus. Da es kaum noch sichere Anlagemöglichkeiten für Kapital gibt, wird sich dieser Trend weiter fortsetzen. Profiteure sind Banken und Immobiliengesellschaften.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt vor deutlich aus dem Ruder laufenden Immobilien-Preisen in deutschen Großstädten. „Wir gehen davon aus, dass die Preise zwischen zehn und 20 Prozent über den Werten liegen, die fundamental zu rechtfertigen wären“, sagte Weidmann am Mittwoch auf einer Veranstaltung in der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Für Deutschland als Ganzes sei allerdings nach wie vor keine substanzielle Überbewertung von Wohneigentum zu sehen.

Laut dem im Februar veröffentlichten vierteljährlichen Barometer des Verbands Deutscher Pfandbriefbanken (vdp) haben sich Wohnimmobilien in Deutschland 2014 so stark verteuert wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Die Preise kletterten um fünf Prozent, was der fünfte Anstieg in Folge und der größte seit Beginn der Datenerhebung 2003 war. Anleger und private Häuslebauer investieren derzeit wegen der niedrigen Zinsen verstärkt in Immobilien und treiben damit die Preise.

Da sich die Übertreibungen Weidmann zufolge vor allem auf Städte konzentrieren, will der Bundesbank-Chef nicht von einer gefährlichen Immobilienblase sprechen. „Eine Immobilienblase, die die Stabilität des gesamten Finanzsystems gefährdet, ist derzeit aber nicht zu beobachten“, sagte Weidmann. Wachsamkeit sei daher durchaus angebracht – Alarmismus dagegen fehl am Platze.

Das boomende Immobiliengeschäft verleiht der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) Rückenwind. Da Investoren angesichts niedriger Zinsen viel Geld in Bürogebäude und Einkaufzentren stecken, baute das Institut seinen Gewinn in der Sparte im vergangenen Jahr kräftig aus. Auf Konzernebene kletterte das Vorsteuerergebnis um gut ein Viertel auf den Rekordstand von 607 Millionen Euro. Im laufenden Jahr rechnet die viertgrößte deutsche Landesbank mit einem Gewinnrückgang um sieben bis acht Prozent, unter anderem wegen steigender Kosten zur Erfüllung strengerer Aufsichtsregeln. Die Bankenabgabe, die sich in den vergangenen Jahren auf rund 40 Millionen Euro belief, könnte sich künftig nahezu verdoppeln, sagte Helaba-Chef Hans-Dieter Brenner am Mittwoch in Frankfurt.

In der gewerblichen Immobilienfinanzierung zählt die Helaba mit einem Geschäftsvolumen von gut 34 Milliarden Euro zu den größten Anbietern in Deutschland. Nach einem mittel- und langfristigen Neugeschäft von knapp zehn Milliarden Euro im vergangen Jahr will das Institut 2015 allerdings einen Gang zurückschalten. „Wir wollen unser Risikoniveau halten und nicht unter dem Druck stehen, jeder Transaktion hinterherlaufen zu müssen, um Volumenziele zu erfüllen“, sagte der zuständige Vorstand Jürgen Fenk.

Die Helaba will laut Vorstandschef Brenner keine Immobilienbank werden und auch in anderen Geschäftsbereichen weiter zulegen. Vorantreiben möchte das Institut unter anderem den Aufbau eines gemeinsamen PayPal-Konkurrenten der deutschen Banken. An der dafür zuständigen Gesellschaft für Internet und mobile Bezahlungen (GIMP) werde sie sich neben dem Sparkassenverlag und der LBBW beteiligen. Die deutschen Banken basteln seit langem an einem Konkurrenten für die Ebay -Tochter PayPal. Ende 2015 soll es erste Pilotprojekte geben. Die Sparkassen-Finanzgruppe hat sich lange geziert, ob sie bei der GIMP mitarbeiten will. Eine entsprechende Grundsatzentscheidung sei aber inzwischen gefallen, es müssten nur noch technische Details geklärt werden, sagte Brenner. „Der Zug ist aus dem Bahnhof raus und er läuft in die richtige Richtung.“

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  1. McBain sagt:

    Das ist doch gut wenn es so kommt. Ich habe im Jahr 2005 für 56000 Euro in Hamburg eine 3 Zimmer ETW gekauft, Zeitwert ( auf qm in der Gegend ) jetzt bei 360000 Euro. Ich spare derzeit gegenüber der Durchschnittsmiete 526 Euro im Monat und 120 Euro für den Parkplatz im billigsten Parkhaus weil einer zu der Wohnung gehört. Unter den niedrigen Zinsen leide ich auch, aber bei Aktiengewinnen von 150000 Euro nach Abzug der Kapitalertragssteuer in den letzten 3 Jahren ist mir es egal, 0,6 % Zinsen + Wertentwicklung der Wohnung. Wenn es nur ein Zusammenbruch der Preise von 20% in der nächsten Krise kommt, so ist das doch sehr positiv. Besser als 2/3 der Wertes wie in vielen anderen Ländern der Welt wo die Blase platzte. Man muss es so sehen, Kauft einer für 400000 Euro eine Wohnung, und der Wert fällt um 80000 Euro ist es ein Verlust von 20%, aber man kann sagen derjenige war nicht so Dumm die 400000 Euro die dann 320000 Euro wurden zu für 0,6 % anzulegt zu haben, gilt auch für den nächsten Börsencrash. In diesem Fall habe ich das Problem das ich nicht weis wohin mit dem Geld, andere die viel verlieren nicht.