Österreich: Unternehmens-Übergaben senken Investitionen im Betrieb

Die Bedeutung von Unternehmensübergaben steigt. In Österreich wird die Zahl aufgrund des demografischen Wandels in den nächsten Jahren noch steigen. Dabei sinken in allen zu übernehmenden Betrieben die Innovationen und Investitionen,.

Bei Übergaben von Unternehmen sinkt die Innovations- und Investitionstätigkeit im Betrieb. Fast die Hälfte der österreichischen Unternehmen hat in den letzten drei Jahren vor der Übergabe keine Innovationen oder Investitionen gesetzt, was sich auf den erzielbaren Kaufpreis auswirken kann.

Unternehmensübergaben haben in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Gemäß einer vom Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftskammer (WKÖ) beauftragten Studie der KMU-Forschung Austria ist die Zahl der Übergaben seit 2003 um 17 Prozent auf zuletzt rund 6.900 pro Jahr gestiegen. Auch für die nächsten Jahre ist unter anderem aufgrund des demographischen Wandels mit einem weiteren Anstieg zu rechnen.

Vor besonderen Herausforderungen steht die Tourismus- und Freizeitwirtschaft, innerhalb derer die Übergabeintensität am höchsten sein wird. Daher hat das Wirtschaftsministerium den als Pilotprojekt gestarteten Übernehmerfonds verlängert. Die Initiative richtet sich an Unternehmer, die einen elterlichen Betrieb übernehmen oder einen Betrieb über eine Übernahmebörse erwerben und in qualitätsverbessernde Maßnahmen investieren. Den Übernehmern wird ein zinsgünstiger Kredit mit einem Volumen zwischen 350.000 Euro und einer Million Euro eingeräumt. Bis zu 70 Prozent der Investmentkosten deckt der Kredit ab.

Zusätzlich übernehmen einige Bundesländer – Vorarlberg, Tirol, Steiermark, NÖ und OÖ – auch den Zinsendienst während der ersten zehn Jahre. In jedem Fall stellt der Bund eine Garantie, um die Finanzierungskosten weiter zu senken. Die Abwicklung übernimmt die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT).

„Erfolgreiche Übergaben sichern Wachstum, Arbeitsplätze und Wertschöpfung und gewinnen an Bedeutung für Österreichs Wirtschaft. Umso wichtiger ist die gezielte Unterstützung der vielen Übernehmer im Land“, sagen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und WKO-Präsident Christoph Leitl zur Studie „Unternehmensübergaben und -nachfolgen in Österreich“.

Frühere Studien haben neun Prozent der betroffenen Betriebe als nicht übergabetauglich eingestuft, bei der aktuellen Studie liegt die Quote nur mehr bei sechs Prozent. Der Anteil jener, die den Übergangsprozess gezielt planen ist von 28 Prozent (1996) auf 64 Prozent gestiegen.

Demnach stehen in den kommenden zehn Jahren 45.700 kleine und mittlere Arbeitgeberbetriebe vor der Herausforderung, eine geeignete Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, der ihr Unternehmen weiterführt. „Erfolgreiche Übergaben würden in diesem Zeitraum über 450.000 Arbeitsplätze sichern, das sind 30 Prozent aller in KMU Beschäftigten“, betont Mitterlehner.

38 Prozent der Unternehmer wollen nach der Übernahme die Mitarbeiteranzahl steigern, immerhin 55 Prozent halten die Zahl der Beschäftigten konstant. Weitere positive Effekte für künftige Nachfolger können durch die im April 2013 beschlossene Novelle zum Anlagenrecht hinzukommen. Sie erweitert die den Freiraum für Betriebsnachfolger und Anlagenbetreiber und reduziert den Verwaltungsaufwand.

Immer mehr Frauen übernehmen Betriebe in Österreich. „Erstmals haben gleich viele Frauen wie Männer Unternehmen übernommen – gegenüber nur 31 Prozent vor 15 Jahren“, so Mitterlehner.

Der altersbedingte Rückzug aus dem Erwerbsleben ist der häufigste  Grund für eine Unternehmensübergabe. In 66 Prozent der Fälle wird das Unternehmen mit Erreichen des pensionsfähigen Alters weitergegeben. Dabei halten sich familieninterne und -externe Übergaben inzwischen die Waage. Für die Hälfte aller kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) muss eine passende Nachfolge außerhalb der Familie gefunden werden.

Um dies mittel- und langfristig zu erleichtern, will die Wirtschaftskammer vor allem den Unternehmergeist stärken. So soll etwa die Ausbildung zu unternehmerischen Initiativen im Lehrangebot von Berufsbildenden Schulen und im universitären Bereich verstärkt berücksichtigt werden.

„Der Lehrabschluss ist nach wie vor die wichtigste Stufe am Weg in die Selbstständigkeit“, sagt Mitterlehner. Mit einem Anteil von 36 Prozent haben die meisten Nachfolger als höchste abgeschlossene Ausbildung eine Lehrabschlussprüfung.

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