Nur wenige Bewerber schaffen Aufnahme-Tests zur Piloten-Ausbildung

Vor der Ausbildung zum Lufthansa-Piloten müssen die Bewerber umfangreiche Aufnahme-Tests bestehen. Neben der körperlichen Belastbarkeit wird auch die psychische Verfassung der Bewerber getestet. Wer nicht teamfähig ist und sich in Stresssituationen nicht im Griff hat, hat keine Chance. Nur fünf von Hundert Bewerbern bestehen die Aufnahmetests.

Der offenbar absichtlich herbeigeführte Absturz eines Germanwings-Flugzeugs in den Alpen wirft ein Schlaglicht auf die Ausbildung der Piloten. Die haben einen sehr stressigen Job, weshalb auf hohe Belastbarkeit und eine stabile geistige Verfassung schon bei der Auswahl geachtet wird. Ausgesiebt wird dabei hart: Nur etwa fünf Prozent der Bewerber schaffen den Sprung auf die renommierte konzerneigene Fliegerschule in Bremen.

Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung sind neben dem Abitur sehr gute Englischkenntnisse. Ein offizielles Höchstalter für die Bewerbung gibt es nicht, doch das Durchschnittsalter in den Klassen liegt etwa bei 25 Jahren. Nur wenige Bewerber sind zu Beginn der Ausbildung Älter als 30 Jahre.

Der SPD-Innenpolitiker Burkhard Lischka fordert nach dem Absturz des Germanwings-Airbus regelmäßige psychologische Tests für Piloten. „Bei den jährlichen medizinischen Folgeuntersuchungen werden psychologische Aspekte beinahe komplett ausgeblendet“, sagte er am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. „Depressionen, eine Alkoholsucht oder andere Suchterkrankungen können sich auch nach 20 bis 25 Jahren Berufsleben noch entwickeln.“ Hilfreich könnten solche Tests auch für besondere Situationen wie etwa Notlandungen aufgrund von technischen Defekten sein. „Eine stabile Psyche ist gerade in Krisensituationen eine Lebensversicherung“, betonte Lischka. „So jemand braucht nicht nur gute Augen, sondern auch Nerven wie Drahtseile.“

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion stellte zudem infrage, ob Cockpit-Crews in so kurzen Abständen immer wieder neu zusammengewürfelt werden müssen. Er verwies auf Forderungen von Experten, wonach Besatzungsmitglieder aufeinander achten sollten. Bei ständig neuen Zusammensetzungen sei es jedoch kaum möglich festzustellen, wann sich jemand merkwürdig verhalte. „Vielleicht sollte man darüber nachdenken, ob die Cockpit-Crews nicht länger zusammenbleiben, etwa für ein Jahr“, regte er an.

Den eigentlichen Auswahlprozess für Piloten hat die Lufthansa an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgelagert. Dort müssen Bewerber zunächst eine sogenannte Berufsgrunduntersuchung bestehen, bei der etwa technisches Wissen, Rechenfähigkeit und logisches Denken geprüft werden. Wer die Tests meistert, kommt in die zweite Runde. In der sogenannten Firmenqualifikation werden Faktoren wie Teamfähigkeit und Belastbarkeit in Interviews und Rollenspielen getestet. Dabei werden die Bewerber auch von zwei Psychologen des DLR beobachtet.

Die letzte Hürde ist eine medizinische Untersuchung, bei der die körperliche und seelische Gesundheit der Kandidaten auf den Prüfstand kommt. Andreas L., der am Dienstag einen Germanwings-Jet mit 149 weiteren Menschen an Bord nach Annahme der Ermittler gezielt in einen Berg flog, bestand all diese Prüfungen.

Die Ausbildung dauert etwa zwei Jahre und ist zwischen der Schule in Bremen und Flugübungen in den USA aufgeteilt. Die Lufthansa stellt einem angehenden Piloten für die Ausbildung 70.000 Euro in Rechnung. Der Konzern räumt den Flugzeugführen dafür einen zinslosen Kredit ein. Wenn der ausgebildete Pilot bei der Lufthansa eingestellt wird, werden mindestens 300 Euro im Monat vom Lohn für die Ausbildung abgezogen.

Fast alle von der Lufthansa ausgebildeten Piloten werden auch in den Dienst übernommen. Dabei kann es auch zu Wartezeiten kommen. Der Copilot der verunglückten Germanwings-Maschine arbeitete etwa mehrere Monate lang als Flugbegleiter.

Derzeit sucht die Lufthansa keine neuen Bewerber, weil die Airline wegen des schrumpfenden Passagiergeschäfts keinen Bedarf hat. In Bremen sind aber noch 800 Schüler aus vorhergehenden Jahrgängen in der Ausbildung.

 

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