Euroverfall wird zum Geschäftsrisiko für den Mittelstand

Deutsche Firmen müssen mit schwächeren Geschäften rechnen. Der niedrige Euro verbessert zwar die Exportchancen. Doch langfristige Planungen werden erschwert und der Import von Rohstoffen verteuert sich. Die DIHK warnt vor einem weltweiten Abwertungswettlauf, der die Maßnahmen der EZB verpuffen lassen könnte.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat vor Gefahren der Euro-Schwäche gewarnt. Für die Konjunktur bringe der Euro, der bei gut 1,09 Dollar notierte und damit fast ein Viertel weniger als im Mai 2014, zunächst zwar Vorteile, denn er helfe der Exportwirtschaft, so der Verband. „In der Industrie haben die Sorgen um die Wechselkursentwicklung zuletzt jedoch zugenommen.“ Inzwischen betrachteten immer mehr Betriebe den Wechselkurs der Gemeinschafswährung als Geschäftsrisiko.

Für diese Skepsis gibt es nach Darstellung des DIHK gleich mehrere Gründe. Zum einen erschwerten die massiven Kursschwankungen der vergangenen Monate die langfristige Planung und machten teure Absicherungsgeschäfte nötig. Zudem seien die meisten Betriebe in Deutschland auf den Import von Vorleistungen angewiesen. Diese verteuerten sich nun. Und die Entlastung durch gesunkene Ölpreise sei in den USA besonders stark, weil Öl in US-Dollar gehandelt werde.

„Ein niedriger Wechselkurs darf nicht die Illusion einer höheren Wettbewerbsfähigkeit erzeugen“, warnte der DIHK. Die Euro-Abwertung sei eher ein Zeichen dafür, dass Investoren der Dynamik in anderen Ländern derzeit mehr vertrauten als der in Europa.

Zudem sieht der Verband die Gefahr eines Abwertungswettlaufs. Weltweit hätten viele Zentralbanken die Leitzinsen Richtung null Prozent gesenkt, verhinderten damit eine stärkere Aufwertung der eigenen Währung. „Das zeigt: Ein Abwertungswettlauf zugunsten der eigenen Exportwirtschaft bringt nichts, weil andere Länder immer mitziehen können.“ Vielmehr drohe die Gefahr, dass bei einem solchen Wettlauf um die weichste Währung am Ende alle verlieren.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt auf eine vollständige Umsetzung ihres über eine Billion Euro schweren Anleihe-Kaufprogramms zur Ankurbelung der Wirtschaft. Wenige Tage vor dem Start der Käufe im März waren sich die Zentralbanker auf ihrer Ratssitzung in Zypern weitgehend einig, dass die große Geldschwemme für das Bankensystem gerechtfertigt und auch völlig angemessen sei, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll des Treffens hervorgeht. Es gibt allerdings unter den EZB-Ratsmitgliedern auch Zweifel, ob die riesige Geldspritze wirklich die gewünschte konjunkturelle Wirkung haben wird.

Kommentare

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  1. karl sagt:

    Seit Eu-Beitritt – ständiger Wertverfall und steigende Preise!
    Weitere betrügerische Knechtung durch TTIP in Aussicht – nein danke!
    Austrittsvolksbegehren ist dringend nötig
    http://volksbegehren-eu-austritt.at/http://volksbegehren-eu-austritt.at/

  2. Peter G. sagt:

    Seltsamer Widerspruch: …Zentralbanker (waren sich) auf ihrer Ratssitzung in Zypern weitgehend einig, dass die große Geldschwemme für das Bankensystem gerechtfertigt und auch völlig angemessen sei. Gleichzeitig wird jedoch bezweifelt, ob die riesige Geldspritze wirklich die gewünschte konjunkturelle Wirkung haben wird.
    Wenn sie diese Zweifel haben und seriös wären, dürften sie die Geldkanone nicht abfeuern.
    Fazit: Nicht legitimierte EZB-Ratsmitglieder (größter Anteilseigner hat das gleiche Stimmrecht wie der kleinste) einer demokratisch nicht legitimierten und weit außerhalb ihres Mandates handelnden EZB werfen wider besseres Wissen mit dem Geld europäischer Steuerzahler um sich.