Preiskampf droht: Deutsche Exporte werden 2015 langsamer wachsen

Die schwache Weltwirtschaft wird die Warenauslieferungen deutscher Firmen in 2015 drosseln. Weniger Wachstum gibt es beim Export nach Russland, China und Brasilien. Die sinkenden Produktionskosten in der Welt könnten einen internationalen Preiskampf auslösen. Aufgrund der steigenden Löhne hätten deutsche Exporteure dann das Nachsehen.

Das Exportwachstum der Bundesrepublik ist im Vergleich zu 2014 rückläufig: Im vergangenen Jahr stand noch ein Zuwachs von 3,6 Prozent oder 45 Milliarden Euro zu Buche. Euler Hermes schätzt für 2015 ein Wachstum von 2,7 Prozent oder 36 Milliarden Euro. Der schwache Euro trägt dazu 5 Milliarden Euro bei und stützt so die Exporte, allerdings in überschaubarem Maß.

Die Russland-Krise, das sich verlangsamende Wachstum in China, die Rezession in Brasilien sowie die Revision der Investitionspläne in ölfördernden Staaten wie beispielsweise Saudi-Arabien gefährden deutsche Exporte in Milliardenhöhe. Die Exporte nach Russland werden in 2015 um 25 Prozent einbrechen.

Zwar exportieren nur 10 Prozent aller deutschen Firmen nach Russland und die Ausfuhren machen lediglich rund 3 Prozent aller deutschen Exporte aus. Für 3 Prozent der Unternehmen machen die Russland-Geschäfte jedoch mehr als ein Viertel aller Ausfuhren aus. Insbesondere Maschinen- (22%) und Autobauer (21%) sowie Chemieunternehmen (9%) sind besonders betroffen, diese drei Sparten sind für mehr als die Hälfte aller deutschen Exporte nach Russland verantwortlich. Während Russland für die deutsche Gesamtwirtschaft auf Rang 12 der wichtigsten Handelspartner landet, ist er für die deutschen Maschinenbauer der viertwichtigste Markt, für die Autobauer der fünftwichtigste.

„Deutsche Produkte haben eine geringe Preiselastizität“, sagte Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe. „Der schwache Euro hilft hier also nur bedingt – zumal sich Unternehmensmargen auf einem Zehnjahrestief befinden. Viele Firmen tendieren deshalb vermutlich eher dazu, Verkaufspreise zu erhöhen als den verbilligenden Effekt des Euros zu nutzen. Zudem entfallen 40 Prozent aller deutschen Exporte auf Länder der Eurozone. 60 Prozent der Ausfuhren gehen in Staaten außerhalb der Währungsunion. In vielen aufstrebenden Wachstumsmärkten haben jedoch die Währungen – wie auch der Euro – stark an Wert verloren, so dass sich hier oft kein großer Effekt ergibt. Die Vorteile sehen wir daher vor allem im Handel mit den USA.“

Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in China sind zwischen 2009 und 2013 um 123 Prozent gestiegen, Osteuropa  verzeichnete immerhin einen Zuwachs von 19 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Belegschaft deutscher Firmen: Zwischen 2000 und 2012 ist der Anteil der ausländischen Angestellten um fast 45 Prozent gestiegen, der Fokus lag dabei auf Niederlassungen in Asien (+141%) und Europa außerhalb der EU (+91%). Die Internationalisierung der Wertschöpfungskette spielt für deutsche Exportunternehmen eine entscheidende Rolle.

Qualität aus Deutschland spielt nach wie vor eine große Rolle beim Erfolg der deutschen Exporteure. Sie sichern ihre Position und Reputation durch Investitionen in Forschung- und Entwicklung – allerdings schläft die Konkurrenz nicht: Südkorea, Japan und die USA produzieren zum Teil in ähnlicher Qualität. Dies bringt das Risiko eines Preiskampfs mit sich – zumal die Stundenlöhne in den letzten vier Jahren in Deutschland rund 5 Prozentpunkte stärker gestiegen sind als in Japan und den USA, die zum Teil noch mehr in Forschung investieren.

Deutsche Unternehmen haben sich nach der Wirtschaftskrise in den Jahren 2008/2009 zunehmend der Internationalisierung und der Erschließung neuer Absatzmärkte verschrieben – unter den führenden globalen Wirtschaftsmächten haben sie sich so den Titel gesichert. Seit 2011 sind die Ausfuhren auf den amerikanischen Kontinent um fast ein Viertel gewachsen (+23%), vor allem getrieben durch die USA. Es folgt Asien mit einem Zuwachs von 14 Prozent.

Gewinner bei den Ausfuhren sind vor allem die Branchen mit hoher Wertschöpfung: Auf die Maschinenbauer (+9,3 Mrd. Euro), Chemiebranche (+7,8 Mrd. Euro) und Fahrzeughersteller (+7,4 Mrd. Euro) entfallen rund 68 Prozent der zusätzlichen Exportgewinne.

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