Trotz Euro-Schwäche: Rückgang der Industrie-Aufträge hält an

Die Industrie-Aufträge sinken den zweiten Monat in Folge. Der niedrige Euro wirkt sich nicht positiv auf die Exporte aus. Im Gegenteil: Auch südeuropäische Länder profitieren von der schwachen Währung und werden wettbewerbsfähiger. Die Importe werden teurer und erschweren eine langfristige Planung.

Die deutsche Industrie hat im Februar den zweiten Monat in Folge überraschend weniger Aufträge erhalten. Die Bestellungen sanken um 0,9 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen mit plus 1,5 Prozent gerechnet. Das Ministerium sprach von einem schwachen Start ins Jahr, betonte aber, in der Industrie dürfte es tendenziell nach oben gehen.

Bereits im Januar hatten die Unternehmen einen Orderrückgang von 2,6 Prozent verbucht – wie nun im Februar gab es weniger Großaufträge als sonst. Dies kommt eher überraschend, denn die Stimmung der Firmen in Deutschland hatte sich zuletzt fünfmal in Folge verbessert, wie aus der Ifo-Umfrage unter rund 7.000 Managern hervorgeht.

Deshalb würden klassische deutsche Exportgüter – wie Maschinen und Anlagen – derzeit anders als Konsumgüter nicht mehr so stark nachgefragt. Zunächst werde der private Konsum die heimische Wirtschaft im ersten Quartal spürbar anschieben. „Danach wird die deutsche Konjunktur erst einmal einen Gang zurückschalten“, sagte Scheuerle.

Die Bestellungen aus dem Ausland sanken im Februar um 1,6 Prozent und damit erstmals seit rund einem Jahr in zwei Monaten hintereinander. Die Inlandsaufträge stagnierten. Commerzbank-Fachmann Solveen sieht dies als Beleg, dass die Firmen ihre Investitionen allenfalls leicht steigern. Die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen fiel um 1,1 Prozent, die nach Vorleistungen wie Chemikalien um 1,2 Prozent. Nur bei Konsumgütern gab es ein Plus von 2,9 Prozent.

Die Industriezahlen zeigen, dass die Geldflut der EZB und der in der Folge schwache Euro nicht dazu führen, das Exportunternehmen und Industrie nachhaltig profitieren. Die Geldflut der EZB kann nur kurzfristig einen positiven Effekt auf die Wirtschaft im Euro-Raum haben, warnt die Deutsche Industrie- und Handelskammer. Der Euro schwächt die Betriebe, die auf den Import von Vorleistungen angewiesen sind. Viele Unternehmen sehen in dem Wechselkurs mittlerweile sogar ein Risiko.

In den vergangenen Monaten hat sich der Euro gegenüber dem Dollar weiter abgeschwächt. Am Dienstagmorgen lag er zwischenzeitlich bei 1,086 Dollar. Anfang April letzten Jahres lag er noch bei einem Kurs von 1,388 Dollar. Mit Blick auf den außereuropäischen Markt hat dies zwar zurzeit positive Auswirkungen auf die Exportwirtschaft.

„Für die Konjunktur bringt die Euro-Schwäche zunächst Vorteile: Sie hilft gerade der deutschen Exportwirtschaft, die weltweit aufgestellt ist. Aber auch südeuropäische Länder profitieren, weil sie häufig preissensible Güter wie Bekleidung anbieten oder mit günstigeren Preisen Urlauber in ihre Tourismusregionen locken können“, schreibt die DIHK in einer Mitteilung:

„In der Industrie haben die Sorgen um die Wechselkursentwicklung zuletzt jedoch zugenommen. In der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage nennen mittlerweile 18 Prozent der Betriebe den Wechselkurs als Geschäftsrisiko – im Herbst 2014 waren es noch elf Prozent. Grund: Die starken Kursbewegungen in den letzten Monaten erschweren eine langfristige Planung und machen notwendige Absicherungsgeschäfte teurer.

Die meisten Betriebe hierzulande sind auf den Import von Vorleistungen angewiesen. Diese Güter verteuern sich durch den schwachen Euro zusehends. Zwar müssen die deutschen Betriebe derzeit ein Drittel weniger für Erdöl zahlen als noch vor einem halben Jahr, aber der schwächere Euro-Kurs hebt einen Teil wieder auf. Denn der Weltmarktpreis für Öl wird in US-Dollar gezahlt. Hiervon profitieren jetzt vor allem US-Unternehmen, die momentan nur noch die Hälfte ausgeben. Für die Verbraucher ist die Euro-Schwäche hingegen noch gut verkraftbar. Zwar steigen beispielsweise auch die Preise für Medikamente aus den USA oder Autos aus Japan, allerdings ist das Preisniveau zu Beginn des Jahres unter dem Strich sogar leicht gesunken, sodass die Kaufkraft stabil bleibt.

 Ein niedriger Wechselkurs darf nicht die Illusion einer höheren Wettbewerbsfähigkeit erzeugen. Eine schwache Währung entspricht meist einer schwächeren Wirtschaft. Die Euro-Abwertung ist deshalb auch ein Zeichen dafür, dass Investoren derzeit der Dynamik in anderen Ländern mehr Vertrauen schenken – insbesondere in den USA. Zwar erholen sich ehemalige „Krisenländer“ wie Spanien, Irland und Portugal immer besser, die Euro-Schwergewichte Frankreich und Italien kommen jedoch nicht recht vom Fleck.

In den letzten Monaten haben die Zentralbanken in etlichen Ländern die Leitzinsen gesenkt. Dadurch verhindern sie eine stärkere Aufwertung der eigenen Währung und verlängern zugleich die Niedrigzinsphase. Das zeigt: Ein Abwertungswettlauf zugunsten der eigenen Exportwirtschaft bringt nichts, weil andere Länder immer mitziehen können. Im Gegenteil: In einem solchen Wettlauf um die weichste Währung würden am Ende alle verlieren. Deshalb darf es auch in Zukunft nicht Ziel der Zentralbanken sein, vermeintliche Wettbewerbsfähigkeit durch Währungsmanipulation zu schaffen. Zwar hat die Europäische Zentralbank in Anbetracht der äußerst niedrigen Inflationsraten ein verständliches Interesse an höheren Importpreisen durch einen schwächeren Euro. Aber auch das kann schon der Einstieg in eine Spirale von Gegenreaktionen sein. Die Notenbank sollte hier vorsichtig agieren und bei einer Normalisierung der Preisentwicklung rasch aus der Niedrigzinspolitik aussteigen.“

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