Zehnjährige Staatsanleihen der Schweiz werfen negative Rendite ab

Die Renditen von Staatsanleihen rutschen tiefer in den negativen Bereich. Die Schweiz verdient sogar an 10-jährigen Bundesanleihen. In Deutschland zahlen Anleger bei zweijährigen Schuldscheinen 0,28 Prozent drauf. Grund sind die Geldflut der EZB und die hohen Kapitalzuflüsse aus Asien.

Die Schweiz hat erstmals mit der Ausgabe einer zehnjährigen Anleihe Geld verdient. Bei der Aufstockung der im Jahr 2025 fälligen und mit einem Coupon von 1,5 Prozent ausgestatteten Bundesanleihe am Mittwoch waren die Anleger bereit, mehr zu bezahlen, als sie bei der Tilgung zurückerhalten werden. Die Anleihe hat nach Angaben der Finanzverwaltung eine Rendite von minus 0,055 Prozent. Vor gut einem Jahr warfen zehnjährige Anleihen noch ein Prozent Rendite ab.

Mit Bonds kürzerer Laufzeit verdient die Eidgenossenschaft schon länger Geld. Für dreimonatige Geldmarktpapiere nehmen Anleger seit August 2011 eine negative Rendite in Kauf.

Die Nachfrage nach der neuen Tranche der 2025er-Anleihe hielt sich in Grenzen. Anleger zeichneten insgesamt 410,5 Millionen Franken. Die Finanzverwaltung teilte 232,5 Millionen Franken zu einem Kurs von 116,0 Prozent zu.

Anleihen der Eidgenossenschaft sind seit dem Ausbruch der Finanz- und Schuldenkrise stark gefragt, weil sie als sehr sichere Anlage gelten. Zudem versuchen Anleger mit dem Kauf von leicht negativ rentierenden Bundesanleihen den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Notenbank von den Banken erhebt, wenn sie Guthaben bei der SNB parken.

Kurz nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) Mitte Januar rutschte die Rendite der bereits gehandelten zehnjährigen Anleihen erstmals ins Minus. Das Rekordtief erreicht wurde am 28. Januar mit minus 0,284 Prozent erreicht.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verdient beim Schuldenmachen ebenfalls so gut wie nie zuvor. Bei der Emission von Anleihen mit zweijähriger Laufzeit sank die durchschnittliche Rendite am Mittwoch auf das Rekordtief von minus 0,28 Prozent, wie eine Sprecherin der für das Schuldenmanagement zuständigen Finanzagentur sagte. Die Anleger bekommen damit anders als üblich keine Zinsen, sondern zahlen stattdessen etwas drauf. Dennoch waren die Papiere gefragt, der Staat hätte gut das Doppelte absetzen können. Die Auktion der Bundesschatzanweisung spülte 3,29 Milliarden Euro in die Kasse.

Grund für die Entwicklung ist die Debatte an den Finanzmärkten, ob Griechenland seine Schuldenprobleme in den Griff bekommt oder aus der Euro-Zone ausscheidet. Dies treibt viele Anleger in „sichere Häfen“ wie deutsche Staatsanleihen. Auch Spanien hat bei Versteigerung von kurzlaufenden Staatspapieren jüngst erstmals Geld verdient. Hier sorgt vor allem die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank mit ihrem Kaufprogramm von Staatsanleihen dafür, dass sich Euro-Länder spürbar günstiger refinanzieren können.

Auch der Finanzstrom aus Asien senkt die Renditen am Anleihenmarkt. Unternehmen mit Hauptsitz in China haben dieses Jahr bereits 2,7 Milliarden Euro an Anleihen an den Börsen Europas ausgegeben, fast so viel wie im gesamten Jahr 2014. Sie tun dies, um sich günstig zu refinanzieren oder weitere Deals auf dem europäischen Finanzmarkt abzuschließen. Der Finanzmarkt in China leidet indes unter dieser Entwicklung.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.