Eric Olsen soll fusionierten Zementkonzern LafargeHolcim anführen

Eric Olsen, Länderchef bei Lafarge, soll den neuen Großkonzern nach der Fusion von Holcim und Lafarge anführen. Der Erfolg des Megadeals hängt davon ab, ob die Holcim-Aktionäre besänftigt werden können. Die bessere Geschäftslage des Schweizer Zementkonzerns führt zu einem Ungleichgewicht bei der Aktienbewertung der beiden Zementriesen.

Nach wochenlangem Ringen haben sich die Schweizer Holcim und die französische Lafarge auf einen Chef für den fusionierten Zementkonzern verständigt. Auf dem Chefsessel des Branchenriesen LafargeHolcim solle Lafarge-Länderchef Eric Olsen platznehmen, teilte Holcim am Donnerstag mit und bestätige damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom Vorabend. „Mit seiner vielfältigen internationalen Erfahrung und seinem Wissen um die Kernmärkte ist er bestens gerüstet, das fusionierte Unternehmen zum Wohle von Mitarbeitern, Aktionären und Kunden zu führen“, erklärte Holcim-Präsident Wolfgang Reitzle. Bevor die Firmenehe tatsächlich vollzogen werden kann, muss Reitzle aber versuchen, die gegen den Deal aufbegehrenden Aktionäre von Olsen und dem Sinn des Zusammenschlusses zu überzeugen.

Olsen soll sein Amt nach dem Vollzug der 40 Milliarden Euro schweren Firmenehe aufnehmen. Der französisch-amerikanische Staatsbürger ist bei Lafarge gegenwärtig für die wichtigen Länder Frankreich, USA, Brasilien und Ägypten verantwortlich. Olsen heuerte 1999 bei Lafarge an und arbeitete sich über verschiedene Stationen im Konzern hoch. Seit 2007 sitzt er in der Geschäftsleitung. Sein Gesellenstück lieferte der 51jährige mit der Integration der ägyptischen Orascom mit ihren Geschäften in Afrika, dem Nahen Osten und Asien ab.

Fusionserfahrung ist für die Großaktionäre ein entscheidendes Kriterium für den neuen Chef. So hat der amerikanische Fonds Harris Associates seine Zustimmung zur Transaktion von der Person des Konzernchefs abhängig gemacht.

Spricht sich Harris gegen die Transaktion aus, dürfte es eng werden, denn die Hürden sind hoch. Auf der Generalversammlung am achten Mai müssen sich zwei Drittel der Aktionäre für das Zusammengehen aussprechen. Der mit einem Anteil von über zehn Prozent zweitgrößte Aktionär Eurocement hat sich bereits ablehnend geäußert, wenn es beim gegenwärtigen Preis bleibt. Dazu kommen weitere kleinere Fonds, die Holcim alleine besser aufgestellt sehen.

Monatelang schien die vor einem Jahr eingefädelte Fusion unbestritten. Im März machte die Schweizer Seite dann aber einen Rückzieher. Auf Druck der eigenen Aktionäre setzte Holcim angesichts der zuletzt besseren Geschäftslage Nachbesserungen beim Preis durch. Zudem verhinderten die Schweizer, dass Lafarge-Lenker Bruno Lafont wie ursprünglich geplant Chef des fusionierten Konzerns wird. Die beiden Zementriesen einigten sich darauf, dass Lafarge einen Vorschlag machen kann, dem Holcim allerdings zustimmen muss.

Auch die Russland-Sanktionen gefährden den Megadeal. Der russische Milliardär Filaret Galchev – Holcim Aktionär und Inhaber von Konkurrent Eurocement – will aufgrund der Sanktionen gegen Russland den maximalen Preis für seinen Holcim-Anteil herausholen. Experten mutmaßen, dass der wirtschaftliche Abschwung in Russland wegen der westlichen Sanktionen im Zuge des Ukraine-Konflikts und des Ölpreis-Verfalls Galchev zusetzt. Sein Unternehmen – Eurocement, die größte Zement-Firma in Russland – musste zuletzt einen Umsatzrückgang von 30 Prozent verschmerzen, weil die Zementpreise fallen. Die Zustimmung Galchevs gilt ebenfalls als zentral für ein Gelingen der Fusion der beiden Zementriesen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.