Ohne Lohnausgleich: Schweizer Arbeitgeber heben Arbeitszeit an

Die rasche Aufwertung des Franken zwingt Schweizer Arbeitgeber dazu, die Arbeitszeiten der Angestellten zu erhöhen. Anderenfalls stehen Jobs auf dem Spiel. Ein Lohnausgleich gibt es nicht. Rechnungen aus Lieferungen werden möglichst in Euro abgewickelt. Von der Politik kann der Mittelstand kurzfristig keine Entlastung erwarten.

Der Frankenschock erhöht die Ausgaben und die Kosten für Exporte Schweizer Unternehmen. Viele Firmen reagieren mit einer Anhebung der Arbeitszeit. Nach Schweizer Arbeitsrecht dürfen Firmen die Arbeitszeit in Abstimmung mit dem Betriebsrat auf bis zu 45 Stunden erhöhen. Ein Lohnausgleich findet dabei nicht statt. Das gibt den benachteiligten Unternehmen aus dem Tourismus und dem Detailhandel die Chance, international weiter mitzuhalten.

Die Schweizer Siemens-Division arbeitet bis Oktober 45 Stunden pro Woche. Danach 43. Das Management zieht mit und verzichtet Medienberichten zufolge auf zehn Tage Urlaub und auf einen Teil der Bonuszahlungen. Dadurch sollen Neueinstellungen vermieden werden. Die Regelung ist befristet auf 15 Monate und hat im April begonnen. Siemens kann so die Kosten der Produktion im Rahmen halten.

Streiks müssen Arbeitgeber deshalb nicht befürchten. Die Kündigungsschutzregeln in der Schweiz sind im internationalen Vergleich locker. Bei Streiks droht der Verlust des Arbeitsplatzes. Zahlreiche Firmen haben bereits angekündigt, Stellen streichen zu wollen oder Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern.

Die Gebäudetechnik-Firma Sauter hat zusätzlich zur Arbeitszeiterhöhung um vier Stunden pro Woche den Angestellten den Lohn um fünf Prozent gekürzt. Mitarbeiter, die diesen Änderungen nicht zustimmen, droht die Kündigung. Das ist derzeit bei 70 Angestellten der Fall. Der gesamte Konzern schreibt Gewinne. An der Tatsache zeige sich, dass der schwache Euro nur ein Vorwand der Geschäftsführung sei, um Stellen abzubauen, berichtet der SRF.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben jederzeit das Recht, einen Arbeitsvertag zu kündigen. Wichtige Gründe oder eine förmliche Kündigung sind nicht erforderlich. Die Kündigung kann auch mündlich erfolgen. Es gibt allerdings Kündigungsfristen, die beiderseits eingehalten werden müssen. Im ersten Dienstjahr beträgt die Frist einen Monat. Vom zweiten bis zum neunten Jahr sind es zwei Monate und ab zehn Jahren drei Monate.

Eine weitere Möglichkeit, sich gegen die starke Schweizer Währung abzusichern, ist, so weit wie möglich darauf zu verzichten. Die Schweizerische Textilfirma Cilander wickelt so viele Lieferverträge wie möglich in Euro ab. Je weniger der Euro-Einnahmen in Franken umgetauscht werden müssen, desto besser. Das Textilunternehmen exportiert 80 Prozent seiner Produkte und fakturiert 70 Prozent in Euro, berichtet die NZZ. Selbst Kleinstlieferanten haben Verständnis für die schwierige Situation der Schweizer Unternehmens und gewähren Cilander Währungsrabatte. Auch Energiekonzerne lassen sich manchmal auf eine Rechnungsumstellung auf Euro ein.

Lieferanten, die ihre Rechnungen selbst in Euro abwickeln, haben meist kein Problem damit, den Franken zu umgehen. In europäischen Handel findet eine Solidarität mit Geschäftspartnern statt, die aufgrund der harten Wechselkursbedingungen in Schwierigkeit geraten könnten. Wer Währungsvorteile hat, gibt diese meist weiter oder gewährt Rabatte. Mehr als jedes dritte Schweizerische Unternehmen (37%) stellt Rechnung auch im Inland auf Euro aus.

Auf schnelle Hilfe der Politik können sich die Unternehmen der Schweiz nicht verlassen. Bundesrat Johann Schneider-Ammann will bürokratische Hürden abbauen. Einem Bericht des Bundesrates zufolge kosten bürokratische Hürden Unternehmen jährlich 10 Milliarden Franken. Das entspricht 1,6 Prozent des BIP. Kostentreiber sind die Bereiche Rechnungslegung und Revisionsrecht, die Mehrwertsteuer und das Baurecht. Eine Reduktion der Bürokratie könnte die schlechten Wechselkursbedingungen der Schweizerischen Firmen wieder wettmachen. Neben der Schaffung einer unabhängigen Institution seien auch klare Berechnungsgrundlagen und Reduktionsziele verbindlich zu verankern, so die Denkfabrik Avenir Suisse. Dabei könnten auch Regulierungen wegfallen, die Schweizerische Unternehmen nutzen, um den eigenen Markt vor Konkurrenz abzuschotten. Eine Alternative zum Bürokratieabbau gibt es auch ohne die Frankenstärke nicht: Jedes Jahr kommen bis zu 7.000 Seiten Bundesrecht hinzu das sind 140 Seiten pro Woche.

Kommentare

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  1. Crisoo from Switzerland sagt:

    ….aber das Beste meiden die Medien, wie der Teufel das Weihwasser :
    Berichte über die Negativzinsen bei CHF – Krediten !
    Hundertausende Kreditnehmer zahlen bald GAR keine Zinsen mehr – schlimmer noch für die Banken – die ersten Klagen des VKI in Österreich laufen schon…..DENN…..BANKEN MÜSSEN ZINSEN DEN KREDITNEHMERN BEZAHLEN !!!!

    Wenn das keine Schlagzeile wert ist, was dann ?

    Die CHF-Kreditnehmer sehen gelassen dem bunten Treiben der SNB und EZB zu :
    Die EZB wird demnächst auch die Leitzinsen ins Negative schieben, und den Banken die schlimmsten Albträume bescheren, die man sich vorstellen kann:
    Negativzinsen von MINUS 3 oder noch viel mehr……in der Schweiz bald, in der EU etwas später……. Ps. Ganz gut stehen jetzt jene Kreditler mit enfälligen CHF-Darlehen….. kein Zinsen bezahlen, Aktienfonds explodieren dank Dragula……und die Schweizer Wirtschaft muss nur ganz langsam in sich implodieren….. dann wär die Schweiz reifgeschossen, für den EU-Beitritt……nicht lachen : einen CHF Kurs von 1,80 für 1 Euro sehen wir früher als gedacht……… Ab sofort ist ein CJHF-Kredit eine Sure-bet – das weltweite, korrupte Geld aus dem Nichts für Zins-System frisst sich selbst auf !