Maschinenbauer nutzen Indien-Boom für Absatz-Steigerung

Die Wirtschaft in Indien wird in den nächsten Jahren so stark wachsen wie in kaum einem anderen Land. Die von Ministerpräsident Narendra Modi angekündigten Wirtschaftsreformen erleichtern Mittelständlern aus Deutschland den Markteinstieg. Vor allem Maschinen werden benötigt. Doch noch fehlt die nötige Infrastruktur: Es fehlt an Straßen, Häfen, Schienen und Kraftwerken.

Folgt man der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), hat der große Wachstumsschub in Indien begonnen. Auf 7,8 Prozent im laufenden und 8,2 Prozent im nächsten Finanzjahr (bis 31. März) schätzt die multilaterale Bank den Anstieg der Wirtschaftsleistung in dem Schwellenland. Auch die US-Ratingagentur Moody’s sagte Indien ein höheres Wachstum als vergleichbaren Schwellenländern voraus.

Damit läuft Indien auch China den Rang ab. Die Hoffnung für mehr Wachstum in Indien ruhen auf dem neuen Ministerpräsidenten Narendra Modi. Die von Modi angekündigte Reform- und Modernisierungsstrategie eröffne den Herstellern große Marktchancen. Die Regierung in Neu-Delhi wolle die Industrieproduktion ausbauen und die Infrastruktur erneuern. „Wir warten und setzen darauf, dass mit Modi nun ein Aufbruch kommt“, sagte Hubert Lienhard, der Chef des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft. Indiens Wachstumsmöglichkeiten seien gigantisch. „Indien hat ein Riesenpotenzial – aber darüber sprechen wir schon seit 1991″, so Lienhard, der auch der Chef des Technologiekonzerns Voith ist. Diese Möglichkeiten seien bisher bei weitem nicht ausgeschöpft worden.

Nun jedoch, so hoffen Lienhard und die rund 1.800 deutschen Firmen in dem Land, soll alles anders werden. Deutschlands Warenaustausch mit Indien ist mit 16 Milliarden Euro noch vergleichsweise gering (siehe Grafik). Die Perspektiven für dauerhaftes Wachstum fehlten. Dafür gebe es mehrere Gründe. „Es ist eine Tatsache, dass Indien im Vergleich zu anderen Staaten unter einer sehr komplexen Bürokratie leidet.“ Hinzu komme ein erhebliches Problem durch die Besteuerung. „Das ganz große Thema ist die Infrastruktur“, so Lienhard. Es fehle an Straßen, Häfen, Schienen und Kraftwerken. „Vieles geht einfach zu langsam“, klagt der Manager.

Die deutschen Maschinenbauer hoffen auf eine Belebung des zuletzt schwächelnden Indiengeschäfts. Gemessen an der Größe und der Einwohnerzahl lasse der Absatz von Maschinen aus Deutschland dort zu wünschen übrig, sagte der Asien-Experte des Branchenverbandes VDMA, Oliver Wack, in einem Reuters-Interview. „Wir hatten seit 2012 einen Rückgang des Exportgeschäfts im zweistelligen Bereich.“ Zuletzt habe die Nachfrage aber wieder angezogen.

„Indien kann die Modernisierung des Landes auf absehbare Zeit nicht mit lokaler Produktion abdecken“, erläutert Wack. Die deutschen Hersteller seien mit rund 450 Unternehmen vor Ort. Gefragt seien alle Arten von Maschinen, etwa Antriebstechnik, Kompressoren, Werkzeug- oder Textilmaschinen.

In den vergangenen Jahren hatte der Verfall der indischen Währung den Maschinenbauern zu schaffen gemacht. Die Rupie sei teilweise um 25 bis 30 Prozent abgewertet worden, so Wack. Dadurch wurden die Maschinen aus Deutschland für Inder weniger erschwinglich. 2014 schrumpfte der Export deutscher Anlagen nach Indien um acht Prozent 2,5 Milliarden Euro. Bei Ausfuhren von insgesamt 151 Milliarden Euro liegt Indien damit bei den Exporten auf Platz 18.

Die deutschen Maschinenbauer kämpfen damit, vor Ort eine qualifizierte Belegschaft aufzubauen. „Facharbeiter zu bekommen ist ein großes Problem“, schildert Wack. Von den Schulabgängern bekämen nur rund fünf Prozent eine qualifizierte Ausbildung. Gute Leute würden zudem schnell abgeworben. Auch die Steuern, die zum Teil schlechten Transportwege, die Bürokratie und der Landerwerb stellten die Firmen vor Probleme. Land sei schwierig zu erwerben. Viele Flächen seien abgelegen oder teuer. „Der Preis kann sich innerhalb weniger Jahre verzehnfachen.“

Einen Schwung könnten die Geschäfte der Branche durch ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien bekommen. Die seit 2008 laufenden Verhandlungen seien zuletzt aber eingeschlafen. Dabei seien die Gespräche über den Teil der Maschinen betreffe, fortgeschritten. „Bei den Maschinen reden wir nur noch über eine Liste von 90 Produkten.“ 2011 war das bisher beste Jahr für deutsche Maschinenexporte nach Indien. Das Volumen belief sich auf 3,6 Milliarden Euro. „Das könnte in einigen Jahren wieder erreicht werden“, schätzt Wack.

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