Stahlproduktion sinkt: Industrie startet schwach ins Frühjahr

Die Industrie schätzt die Aussichten für die deutsche Wirtschaft inzwischen optimistischer ein als noch zu Jahresanfang. Der BDI erwartet ein BIP-Wachstum von rund zwei Prozent. Der niedrige Ölpreis, der schwache Euro und der starke private Konsum trieben die Konjunktur an.

Die deutsche Stahlindustrie mit ihren Branchengrößen wie ThyssenKrupp und Salzgitter hat im Auftaktquartal weniger Stahl produziert als vor Jahresfrist. Die Rohstahlerzeugung sank in den ersten drei Monaten um zwei Prozent auf 11,1 Millionen Tonnen, wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl am Montag mitteilte. Unverändert befinde sich die Kapazitätsauslastung in Deutschland aber mit knapp 90 Prozent auf einem hohen Niveau. 2014 betrug die Auslastung den Angaben zufolge in der Europäischen Union 77 Prozent.

Die europäische Stahlindustrie schwankt seit Jahren zwischen Hoffen und Bangen. Der Schwerindustrie machen der Preisdruck, Überkapazitäten und Billig-Importe aus China und Russland zu schaffen. Der deutsche Stahlverband rechnet in diesem Jahr mit einer Steigerung der Produktion um gerade mal ein Prozent im Vergleich zu 2014. Der europäische Verband Eurofer erwartet eine langsame Erholung der Nachfrage um 1,9 Prozent in diesem und 2,6 Prozent im kommenden Jahr.

Auch der schwache Euro hilft Industriebetrieben nicht zu mehr Aufträgen. Die deutsche Industrie hat im Februar den zweiten Monat in Folge weniger Aufträge erhalten. Die Bestellungen sanken um 0,9 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte.

Dennoch schätzt die Industrie die Aussichten für die deutsche Wirtschaft inzwischen optimistischer ein als noch zu Jahresanfang. „Wir erwarten in diesem Jahr einen Zuwachs des Bruttoinlandproduktes von rund zwei Prozent“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, dem Handelsblatt. Der niedrige Ölpreis, der schwache Euro und der starke private Konsum trieben die Konjunktur an. Im Januar hatte der BDI ein Wachstum von 1,5 prognostiziert. Etliche Experten haben bereits ihre Prognosen für Europas größte Volkswirtschaft merklich angehoben und halten ein Plus von bis zu zwei Prozent für möglich. Die Bundesregierung rechnet bislang mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent. 2014 war die Wirtschaft nach einem kräftigen Endspurt um 1,6 Prozent gewachsen.

„Weltweit gehen wir von einem wirtschaftlichen Wachstum von gut 3,5 Prozent aus. Für das nächste Jahr rechnen wir mit einer weiteren Belebung im gleichen Umfang“, sagte Grillo zum Auftakt der Hannover-Messe dem Blatt weiter. Mit Sorge blickt der BDI auf die wirtschaftliche Entwicklung in Russland oder Brasilien. Gut laufe es dagegen auch im diesjährigen Messe-Partnerland Indien, in den USA, sowie in Spanien und Großbritannien. Europas Erholung festige sich. „Europa profitiert momentan von dem Stimulus niedriger Zinsen, auf Dauer aber bedarf es vor allem Strukturreformen“, sagte Grillo. Die Politik müsse die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sichern. Ein wichtiger Wachstumstreiber sei die Vernetzung und Digitalisierung von Fabriken.

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