Bond-Markt in der Krise: 10-jährige Staatsanleihen werden zum Verlustgeschäft

Deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren werden spätestens im Juni negative Erträge erzielen. Investoren machen dann Verlust, wenn sie die Anleihen bis zum Abschluss der Laufzeit halten. Nicht einmal die EZB selbst würde solche Anleihen kaufen. Ein Massenverkauf findet nicht statt – aus Mangel an alternativen Geldanlagen.

Die Rendite für 10-jährige deutsche Staatsanleihen nähert sich immer mehr der Null-Prozent-Schwelle und wird Ökonomen zufolge spätestens im Juni in den negativen Bereich fallen. Das ruft neue Bedenken gegen das Anleihen-Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor.

Halter von Staatsanleihen machen bereits jetzt Verlust, denn die Rendite liegt unterhalb der Inflation. Investoren haben nach Ablauf der Anleihe de facto weniger Geld zur Verfügung. Die Erträge auf die deutschen Schuldanleihen sind am vergangenen Freitag auf 0,16 Prozent gefallen. Zu Beginn des Jahres waren es noch 0,54 Prozent.

Bereits jetzt werden 57 Prozent aller deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit ab einem Jahr mit negativen Erträgen gehandelt. Ein Drittel dieser Anleihen haben eine Rendite von unterhalb Minus 0,2 Prozent, berichtet die FT. Die Richtlinien der EZB selbst schließen einen Kauf solcher Staatsanleihen aus.

In der Schweiz sind die Erträge bereits vergangene Wochen in den negativen Bereich abgerutscht. Doch in Deutschland fürchten Finanzmarktteilnehmer deutlich größere Verwerfungen am Finanzmarkt: Staatsanleihen der größten Wirtschaft im Euro-Raum gelten nicht mehr als sichere Geldanlage.

Die Papiere müssten unter diesem Gesichtspunkt wie Waren oder Rohöl betrachtet werden, sagte Steven Major von der Londoner Großband HSBC. Ohne festen Ertrag schließe man beim Kauf eine Wette auf die künftige Preisentwicklung ab. „Das ist verrückt“, so Major, „so sollte der Bond-Markt nicht funktionieren.“

Die EZB hat im Märzt 52,5 Milliarden Euro in den Bond-Markt gepumpt. Das wird die Renditen weiter unter Druck setzen. Spätestens im Juni werde die deutsche Anleihe in den negativen Bereich rutschen, sagt Peter Goves, Stratege bei der Citigroup. Verstärkt wird dieser Trend durch Investoren aus China, die Kapital in den europäischen Bond- und Aktienmarkt anlegen.

Obwohl Investoren dann einen Verlust garantiert bekommen, trennen sich die Wertpapier-Halter nicht von ihren Anleihen. Es gibt einfach keine lukrative Alternative. Seit Juni nimmt die EZB von Banken Strafzinsen, wenn diese ihr Vermögen auf Konten parken. Diese werden von den deutschen Banken an die Kunden weiter gegeben. Sparen macht in Deutschland keinen Sinn mehr.

Einer Umfrage zufolge gab fast jeder zweite Deutsche (46 Prozent) zum Jahresende 2014 an, dass ihm seine finanzielle Situation im neuen Jahr Sorgen bereitet und er weniger ausgeben will. Doch 62 Prozent haben ihren Sparvorsatz nur teilweise oder gar nicht erfüllt.

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