Indien: Deutsche Unternehmen kommen nicht an öffentliche Aufträge

Die Bedingungen für deutsche Firmen auf dem indischen Markt müssen Angela Merkel zufolge verbessert werden. Deutsche Unternehmen werden benachteiligt. Der Zugang zu öffentlichen Aufträgen und Lizenzen ist mühselig. Doch Indiens Regierung wehrt sich gegen ein schnelles Freihandelsabkommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bessere Rahmenbedingungen für deutsche Firmen in Indien angemahnt. Sie habe der indischen Regierung deutlich gemacht, was deutschen Unternehmen und der Politik wichtig sei: „Das ist die Gleichbehandlung mit der jeweils heimischen Industrie. Das bedeutet den gleichen Zugang zu öffentlichen Aufträgen, die Vergabe von Lizenzen, die gleichen rechtlichen Rahmenbedingungen“, sagte Merkel auf einem deutsch-indischen Wirtschaftsdialog am Montag auf der Hannover-Messe, deren Partnerland Indien in diesem Jahr ist. Zugleich begrüßte sie die vom neuen Ministerpräsidenten Narendra Modi begonnenen Reformen. Deutschland sei nicht nur an mehr Investitionen in Indien, sondern auch an mehr indischen Firmen in Deutschland interessiert. Die Bundesregierung werde sich bemühen, Hürden für diese Entwicklung zu beseitigen.

Der seit elf Monaten regierende Modi versprach wie schon bei der Eröffnung der Industrie-Messe am Sonntagabend umfassende und wirtschaftsfreundliche Reformen und verwies auf Wachstumsraten von mehr als sieben Prozent. Seine Regierung wolle nicht nur verlässliche Investitionsbedingungen schaffen, sondern plane auch riesige Infrastrukturprojekte. So sollen etwa in 50 indischen Städten Straßenbahnen gebaut werden, geplant seien zudem Verbindungen mit Hochgeschwindigkeitszügen. „Die Wirtschaftsbeziehungen sind noch lange nicht ausgeschöpft“, sagte er angesichts der Tatsache, dass Deutschland nur achtgrößter Investor in Indien sei. Liberalisierungen gebe es auch im Versicherungs- und Bankensektor.

Merkel und Modi hatten sich bereits am Sonntagabend mit deutschen und indischen Unternehmensvertretern getroffen. Dabei war nach Angaben von Teilnehmern einhellige Meinung, dass das bilaterale Handelsvolumen von 16 Milliarden Euro 2014 vergleichsweise niedrig sei – zumal die Zahl seit 2012 sogar jährlich rückläufig war. Merkel machte sich daher für die Wiederbelebung der seit 2013 stockenden Verhandlungen über ein EU-Indien-Freihandelsabkommen stark. Die indische Regierung will aber nach Angaben von Teilnehmern statt eines umfassenden Abkommens eher eine schrittweise Liberalisierung der Handelsbeziehungen. Die deutschen Exporte nach Indien waren in den letzten Jahren leicht rückläufig.

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  1. Syssiphus sagt:

    Kein Wunder,dass die BRICS-Staaten zuerst mal ihre Interessen bedienen,da kann Frau Merkel fordern so viel sie will und liefern können die Partner im Verbund der BRICS fast alles.Die 2014 gegründete eigene Entwicklungsbank und der zugehörige Entwicklungsfond,stehen als Alternative zum IWF und der Weltbank,die überwiegend die Interessen der USA und Europas vertreten.