3D-Druck verhindert Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland

Für Unternehmen wird es durch die 3D-Druck-Technologie günstiger, die Produktion in Nähe zum Kunden anzusiedeln. Individuelle Kundenbedürfnisse stehen im Vordergrund. Das könnte zu einer Reindustrialisierung in Deutschland führen: Arbeitsplätze würden nicht mehr ins Ausland verlagert. Im gleichen Ausmaß hätten Industriezweige in China das Nachsehen.

Additive Fertigung (AF) – wie der 3D-Druck im Fachjargon genannt wird – kann die industrielle Produktion in Deutschland stärken und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland begrenzen. 3D-Druck ermöglicht die Herstellung dreidimensionaler physischer Objekte auf der Grundlage digitaler Informationen.

Das erlaubt es den Anbietern auch, stärker auf die individuellen Bedürfnisse von Kunden einzugehen. Für Unternehmen wird es attraktiver, ihre Produktion nahe an den Käufermärkten und Verbrauchern anzusiedeln. „AF kann die industrielle Produktion in Deutschland stärken und die Verlagerung von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen in andere Länder begrenzen oder sogar Wertschöpfungsprozesse wieder in Deutschland verankern“, schreibt die Expertenkommission in ihrem Gutachten zu „Forschung, Innovation und Technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands“.

Neue Produkte werden durch das schichtweise Auftragen zumeist von Metallen oder Kunststoffen gefertigt. Deutschland ist im Bereich der additiven Fertigung gut aufgestellt und Nettoexporteur von Gütern und –Dienstleistungen aus dem 3D-Drucker.

Bereits im Jahr 2010 erzielten Unternehmen in Deutschland mit dem Verkauf von AF-relevanter Hard- und -Software sowie Dienstleistungen rund 8,7 Milliarden Euro Umsatz. Bis zum Jahr 2020 könnte der Umsatz auf ein Volumen von bis zu 35 Milliarden Euro wachsen.

Zurzeit wird AF primär für die Herstellung von komplexen Einzelteilen, Prototypen und Kleinserien eingesetzt. In Zukunft ist damit zu rechnen, dass AF auch verstärkt für die Serienproduktion verwendet wird.

Für die Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung ist die additive Fertigung eine Prozessinnovation, die auch größere Freiräume bei der Entwicklung neuer Produkte eröffnet und eine größere Produktvielfalt ermöglicht. Designs müssen sich nun weniger an technischen Restriktionen orientieren, wie sie bei traditionellen Herstellungsverfahren – beispielsweise dem Gießen – gegeben sind.

Auch die US-Regierung habe das bereits erkannt. Ziel der USA sei es, durch die Förderung von AF verlorene Kapazitäten in der Industrieproduktion wieder aufzubauen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Präsident Obama hat bereits angekündigt, ein weiteres Institut für Additive Fertigung zu gründen und die Wettbewerbsfähigkeit der USA auf diesem Gebiet zu verbessern.

AF ist vor allem für China eine gefährliche Technologie. In dem Maße, in dem sie in Deutschland und den USA zu einer Reindustrialisierung führen kann, können in China Industriezweige wegfallen.

„Es gibt in China Befürchtungen, das Land könne als Produktionsstandort für den Exportmarkt an Attraktivität verlieren. Insbesondere wird die Gefahr gesehen, US-amerikanische und europäische Unternehmen könnten AF-Kapazitäten direkt in ihren jeweiligen Absatzmärkten aufbauen und somit einen Teil ihrer Produktion aus China abziehen“, schreibt die Expertenkommission.

Um die Potenziale von AF für Deutschland nutzbar zu machen, fordert die Expertenkommission, die Rahmenbedingungen des dreidimensionalen Druckverfahrens zu überprüfen. Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, sämtliche Fördermaßnahmen in Deutschland in einen stringenten Gesamtrahmen einzubetten, der Technologieanbieter und Technologieanwender gleichermaßen berücksichtigt.

Darüber hinaus empfiehlt die Expertenkommission, bislang noch offene Rechtsfragen etwa zur Haftung zeitnah zu klären. Kompetenzen für die Nutzung von AF sollten im gesamten Ausbildungssystem vermittelt werden. Dazu regt die Kommission an, AF-Technologien an Hochschulen, in der beruflichen Ausbildung sowie an Schulen intensiv einzusetzen.

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