Industrie 4.0: Jede zweite Maschine muss ausgetauscht werden

In den nächsten zehn Jahren müssen Unternehmen fast jede zweite Maschine austauschen. Das verursacht hohe Kosten. Die Industrie 4.0 bringt einen radikalen Strukturwandel mit sich. Der Mittelstand ist auf sich allein gestellt: Das Wirtschaftsministerium betreibt zusammen mit Großkonzernen vorerst nur Orientierungsarbeit.

Unternehmen erwarten, dass in den kommenden zehn Jahren rund 40 bis 50 Prozent des Maschinenparks ausgetauscht werden müssen. Nur sechs von zehn Unternehmen in Deutschland fühlen sich auf Industrie 4.0 gut vorbereitet. Im Durchschnitt erwarten deutsche Unternehmen durch den Strukturwandel eine Produktivitätssteigerung von über 20 Prozent.

Jedes zweite Unternehmen in Deutschland geht zudem davon aus, dass branchenfremde Konkurrenz, beispielsweise aus dem IT-Sektor, das Kerngeschäft angreifen wird. In den USA hingegen erwarten dies fast alle Firmen (92 Prozent), in Japan immerhin noch 63 Prozent. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer Studie von McKinsey. Für die Studie wurden mehr als 300 Entscheider aus der Industrie in Deutschland, USA und Japan befragt.

Derzeit investieren deutsche Unternehmen nur 14 Prozent ihres jährlichen Forschungsetats für Industrie 4.0 relevante Themen. US-Unternehmen geben mehr als doppelt so viel Geld aus. Die Bundesregierung leistet Orientierungsarbeit. Ein Bündnis mit der Industrie soll Mittelständlern beim Übergang in die digitale Industrie helfen. An der „Plattform Industrie 4.0“ sind die Verbände des Maschinenbaus (VDMA), der Elektrotechnik (ZVEI), der Computer- und der Elektronikbranche (Bitkom) beteiligt. Konkrete Förderungsinstrumente gibt es noch nicht.

An der neuen Plattform ist auch die IG Metall beteiligt, in der über zwei Millionen Beschäftigte organisiert sind. Eingebunden sind Unternehmen wie Siemens, SAP, Bosch, die Deutsche Telekom oder ThyssenKrupp.

Das Thema sei aber nicht nur für die großen Konzerne von besonderer Bedeutung, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. „Um richtig gut zu sein, brauchen wir viele, viele Mittelständler.“ Viele Firmen hätten aber die Sorge, was mit ihren Daten geschehe. Die Hoheit über die Daten müsse bei den Firmen bleiben.

Bisher wird nur rund ein Prozent der in der Produktion anfallenden Daten analytisch genutzt – ein enormes Potenzial liegt damit Big Data brach. „Daten sind die neue Wertschöpfungsquelle“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Dienstag auf der Hannover Messe. Dieses Geschäft dürfe nicht den Konkurrenten aus den USA oder Asien überlassen werden. Gabriel verwies auf Aussagen von Experten, wonach bis 2020 auf der Welt 50 Milliarden Geräte vernetzt seien – Autos, Fabriken, Roboter, Waschmaschinen. Es handele sich um einen Riesenmarkt.

Als größte Hindernisse auf dem Weg zur Industrie 4.0 werden von den befragten Unternehmen das Wissen der Mitarbeiter, Datensicherheit und einheitliche Datenstandards gesehen. Gut die Hälfte (57%) aller Unternehmen würde ihre Systeme zwar outsourcen, jedoch nur innerhalb Deutschlands (81 Prozent) oder Europas (33 Prozent).

Bis Ende des Jahres will die Bundesregierung über 100 Beispiele präsentieren, an denen sich Firmen orientieren könnten, sagte der Vorstandschef des Maschinenbauers Festo, Eberhard Veit. Bis dahin bleiben Unternehmen auf sich allein gestellt.

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