Schweizer KMU aller Branchen senken Geschäftsprognosen

Industriebetriebe und die Tourismusbranche leiden am meisten unter der plötzlichen Aufwertung des Schweizer Franken. Doch auch im Baugewerbe und bei den Dienstleistern dürfte es mittelfristig zu Einbußen kommen.

Nach der Aufhebung der Wechselkursgrenze durch die Schweizerische Nationalbank im Januar ist die Exportstimmung bei den Schweizerischen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) so schlecht wie noch nie. Zahlreiche Branchen sind betroffen. Die Industriebetriebe sind gemäß UBS-Barometer auch deutlich betroffen. Auch das Barometer für die grossen Industrieunternehmen fiel im Februar, wobei der Einbruch jedoch weniger stark war als bei den KMU. Nicht nur die Industrie, auch die binnenorientierten Unternehmen dürften unter der Frankenaufwertung leiden.

Die Schweizerischen KMU verzeichneten weniger Bestellungseingänge und senkten ihre Produktion. „Insgesamt dürften die grösseren Unternehmen mit Blick auf die Währungen und die Produktpalette breiter diversifiziert sein als die KMU oder bereits einen Teil der Produktion ins Ausland verlagert haben“, schreibt die UBS in einer Mitteilung zum Konjunkturbarometer.

Das Baugewerbe dürfte direkt eher wenig von der Aufhebung der Währungs-Kursuntergrenze betroffen sein. Doch mittelfristig könnte sich die höhere Arbeitslosigkeit und ein geringeres Lohnwachstum negativ auf die Dynamik des Baugewerbes auswirken. Die Auftragsbestände der Grossunternehmen blieben im ersten Quartal nahezu unverändert zum Vorquartal, wohingegen sich diejenigen der KMU stark verbesserten.

Der schwache Konsum dürfte sich auch auf die Dienstleistungsunternehmen auswirken. Im ersten Quartal war aber die Nachfrage nach Dienstleistungen immer noch stabil, wobei in diesem Bereich die Grossunternehmen besser abschnitten als die KMU.

Der Tourismus gehört wohl zu denjenigen Branchen, die am stärksten unter der Frankenaufwertung leiden werden. Rund 55 Prozent der Logiernächte wird von Gästen aus dem Ausland gebucht. Der Tourismus hat bereits sehr stark unter der Frankenaufwertung im Jahr 2011 gelitten und hat sich seither nicht mehr richtig erholt.

Die Anzahl der Logiernächte lag zwar in den Jahren 2013 und 2014 leicht höher als 2011, als der Franken innerhalb eines Jahres um 22 Prozent aufwertete. Dieser Anstieg der Logiernächte wurde vor allem durch Gäste aus den Arabischen Emiraten und China getrieben. Zwischen 2011 und 2014 sind die Logiernächte von Gästen aus diesen Ländern um 70 bis 100 Prozent gestiegen. Der grösste Anteil der Logiernächte, die von ausländischen Gästen gebucht werden, fällt nach wie vor auf deutsche Gäste. Und diese blieben der Schweiz auch im Jahr 2014 immer noch fern. Die Anzahl der Logiernächte deutscher Gäste war auch im Jahr 2014 rund 16 Prozent tiefer als im Jahr 2011.

Die schwierige Lage der Tourismusbranche zeigte sich nicht nur bei der Entwicklung der Hotellogiernächte. Sie senkt auch den Ertrag sowohl bei den Grossunternehmen wie auch bei den KMU seit Jahren.

Der Schweizerische Mittelstand hält die Exporte ins Ausland stabil. Sie stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit durch gezielte Produktinnovation und Prozessoptimierung, ergibt eine Quartalsumfrage von Switzerland Global Enterprise (S-GE), bei der mehr als 200 Unternehmen befragt wurden.

Die Umfrage zeigt, dass die Margen von gut zwei Dritteln (66%) der befragten Schweizer KMU, die vor allem in den Euroraum exportieren, wegen der Frankenstärke bereits heute leiden. Obwohl die Exportperspektiven mit 46.6 Punkten unter der Wachstumsschwelle von 50 liegen, „geben nur 2 Prozent der befragten KMU an, sich aus dem Ausland zurückziehen zu wollen“, sagt Alberto Silini, Leiter Beratung bei S-GE. „20 Prozent suchen sogar nach neuen, lukrativeren Absatzmärkten.“

Die Auslandsnachfrage nach Schweizer Produkten bleibt zunächst unverändert. „Die US-Wirtschaft gewinnt stärker an Fahrt“, sagt Lukas Gehrig, Wirtschaftsforscher bei Credit Suisse. „Die Aufwertung des US-Dollars gegenüber dem Schweizer Franken macht Schweizer Exportgüter für US-Konsumenten erschwinglicher. Zudem hellen sich die Aussichten in der Eurozone auf. Spanien und Deutschland senden positive Signale. Die anziehende Konjunktur in der Eurozone dürfte die negativen Effekte der Frankenstärke etwas mildern.“

Den Mittelständlern bleibt nichts anderes übrig, als ihre Prozesse zu überarbeiten. Hauptsächlich setzen die Firmen derzeit darauf, ihr Beschaffungswesen zu optimieren (59%). Ausserdem versuchen die Befragten ihre Produktionskosten (47%) zu senken, und sie arbeiten verstärkt an Produktinnovationen (47%) sowie dem Marketing (39%), um ihre Exporte zu steigern.

Europa bleibt wie im Vorquartal mit 91 Prozent das wichtigste Absatzziel. Der Raum Asien-Pazifik verliert etwas an Bedeutung (52% gegenüber 57%), genauso wie Nordamerika (44% gegenüber 46%). Der Nahe Osten und Afrika (29%) sowie Südamerika (20%) bleiben unverändert.

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