Regierung und Wirtschaft schmieden Industrie 4.0-Bündnis

Die Bundesregierung will sich an einer Industrieplattform beteiligen, um Digitalisierung und Vernetzung der Produktion weiter voranzutreiben. Noch müssen allerdings Fragen der Datensicherheit geklärt werden. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden im Herbst auf dem IT-Gipfel vorgestellt.

Die Bundesregierung und die Industrie wollen die Digitalisierung und Vernetzung der Produktion gemeinsam vorantreiben. „Der Rohstoff Daten muss besser genutzt werden. Daten sind die neue Wertschöpfungsquelle“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Dienstag auf der Hannover Messe. Dieses Geschäft dürfe nicht den Konkurrenten aus den USA oder Asien überlassen werden. „Heute werden wichtige Grundlagen für den Wettlauf um die Produkte und die Märkte von morgen gelegt.“ Die Bundesregierung schmiedet daher ein Bündnis mit der Industrie, die bereits Vorarbeiten geleistet hat. An der „Plattform Industrie 4.0“ sind die Verbände des Maschinenbaus (VDMA), der Elektrotechnik (ZVEI), der Computer- und der Elektronikbranche (Bitkom) beteiligt.

Diese hatten sich bereits vor zwei Jahren zu dem Thema zusammengetan. Das Bündnis solle nun mit der Unterstützung der Bundesregierung auf eine breitere politische und gesellschaftliche Basis gestellt werden, hieß es auf der Industrieschau in Hannover. An der neuen Plattform ist auch die IG Metall beteiligt, in der über zwei Millionen Beschäftigte organisiert sind. Eingebunden sind Unternehmen wie Siemens, SAP, Bosch, die Deutsche Telekom oder ThyssenKrupp.

Das Thema sei aber nicht nur für die großen Konzerne von besonderer Bedeutung, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. „Um richtig gut zu sein, brauchen wir viele, viele Mittelständler.“ Viele Firmen hätten aber die Sorge, was mit ihren Daten geschehe. Die Hoheit über die Daten müsse bei den Firmen bleiben. Es müsse aber einen sicheren Raum geben, um diese auszutauschen.

Die Industrie verspricht sich von der Digitalisierung einen gehörigen Schub für neue Geschäfte. Zehntausende zusätzliche Arbeitsplätze könnten geschaffen werden, etwa für Ingenieure, Informatiker und Softwareentwickler. Der Maschinenbau und die Elektrotechnik gehören mit zusammen fast zwei Millionen Beschäftigten zu den größten Industriezweigen Deutschlands. Bundeswirtschaftsminister Gabriel verwies auf Aussagen von Experten, wonach bis 2020 auf der Welt 50 Milliarden Geräte vernetzt seien – Autos, Fabriken, Roboter, Waschmaschinen. Es handele sich um einen Riesenmarkt. Deutschland habe dank seiner starken Industrie eine gute Ausgangsposition. „Wir sind nach wie vor der Industrialisierer der Welt.“

Datensicherheit und Datenschutz sind nur zwei Punkte, bei denen es nach Einschätzung der Bundesregierung und der Industrie klare Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene geben muss. Die Plattform will bis zum Herbst in Arbeitsgruppen über Fragen der Standardisierung, Forschung, Sicherheit sowie Recht, Arbeit, Aus- und Weiterbildung beraten und die Ergebnisse auf einem IT-Gipfel im November vorstellen.

Bis Ende des Jahres sollen über 100 Beispiele präsentiert werden, an denen sich Firmen orientieren könnten, sagte der Vorstandschef des Maschinenbauers Festo, Eberhard Veit. Die Firmen müssten über die Chancen aufgeklärt werden.“ Niemand solle sich von US-Internetriesen wie Google & Co abschrecken lassen. „Mit Software ist noch lange kein Auto produziert. Mit Software ist noch lange keine Anlage in Betrieb genommen. Die Hardware spielt ja auch noch eine Rolle. Da sind Europa und Deutschland verdammt gut.“

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