China: Automarkt für Kompaktwagen wächst rasant

Deutsche Autobauer setzen in China auf kleine und kompakte Modelle. VW plant die Einführung eines günstigen Geländewagens. Die Absatzchancen sind gut: In China kommen derzeit 52 Pkw auf 1.000 Einwohner, in Deutschland sind es gut 540.

Nach einer Fülle von Problemen im einstigen Traummarkt China versucht die Autobranche den Absatz dort mit kleineren und kompakten Modellen zu steigern. Die Nachfrage verlagere sich von großen Fahrzeugen hin zu kleineren, sagte Audi-Landeschef Dietmar Voggenreiter am Montag auf der Automesse in Shanghai. Mittelklasse- und Kompaktwagen seien „die am schnellsten wachsenden Segmente“. Denn die aufstrebende Mittelschicht setze auf bezahlbaren Luxus.

Die Audi-Mutter VW prüft die Entwicklung günstiger Geländewagen und Mehrzweckfahrzeuge, die bislang nicht im Angebot sind, wie China-Vorstand Jochem Heizmann sagte. Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroen und sein lokaler Partner Dongfeng wollen 200 Millionen Euro in die Entwicklung einer Kleinwagen-Plattform investieren.

Die sich herausbildende Mittelschicht in China werde immer mehr zur Zielgruppe der Hersteller, erläuterte Matthias Wissmann, Chef des Verbands der Automobilindustrie (VDA). „Die Nachfrage nach Autos ist in diesem riesigen Land strukturell noch längst nicht gedeckt, insbesondere in mittelgroßen Städten und im Westen des Landes.“ In China kommen laut Wissmann derzeit 52 Pkw auf 1.000 Einwohner, in Deutschland sind es gut 540. Auch wenn sich die Zuwachsraten in der Volksrepublik künftig „eher im einstelligen Bereich“ bewegten, bleibe China weltweit der wichtigste Absatzmarkt.

2014 wurden dort VDA-Angaben zufolge 18,4 Millionen Pkw verkauft. Für 2015 rechnete Wissmann mit 19,5 Millionen Neuwagen – mit einem Plus von rund sechs Prozent wäre die Zuwachsrate deutlich kleiner als in früheren Jahren, als hohe zweistellige Werte an der Tagesordnung waren. Weil lange vor allem große Fahrzeuge mit teurer Sonderausstattung gefragt waren, strichen die Autobauer traumhafte Renditen ein. Doch dann kühlte das Wachstum deutlich ab, die Preise gerieten wegen des harten Konkurrenzkampfes kräftig unter Druck. Die Händler beschwerten sich bei der Regierung über zu hohe Verkaufsziele – und bekamen Geld von den Herstellern. Zudem wuchs der Druck von Seiten der Regierung. Die chinesischen Kartellbehörden ermittelten gegen zahlreiche Konzerne wegen angeblich überhöhter Preise für Autos, Ersatzteile oder Service und verhängten Strafzahlungen. Der Kampf gegen Korruption schreckte Kunden wie Konzerne auf.

Trotz der Konjunkturabkühlung halten die Autobauer wegen der langfristig großen Wachstumschancen an ihren Investitionsplänen fest, wie etwa die Marktführer VW und GM in Shanghai betonten. Der Chef von Renault -Nissan, Carlos Ghosn sagte, China sei nach wie vor einer der Märkte „mit dem größten Wachstum weltweit“. Deshalb werde man dort weiter investieren. Experten zufolge floss mehr als die Hälfte des Geldes, das die Autobranche im vergangenen Jahr in Aufbau und Erweiterung von Kapazitäten steckte, nach China.

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