Lokführer Streik schränkt Personenverkehr stark ein

Über 3.000 Lokführer streiken. In Berlin fielen neben zahlreichen Zügen im Fern- und Regionalverkehr auch ein Großteil der von der Bahn betriebenen S-Bahnen aus. Der Ausstand könnte noch bis Freitag anhalten

Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat am Mittwoch zu erheblichen Behinderungen im Personen- und Güterverkehr geführt. Nach Angaben der Deutschen Bahn lagen die Schwerpunkte der mittlerweile siebten Arbeitsniederlegung der GDL binnen eines Jahres im Großraum Berlin, Frankfurt am Main und Mannheim. Nach Angaben der GDL beteiligten sich 3.000 Lok-Führer und Zugbegleiter am Ausstand. In Berlin fielen neben zahlreichen Zügen im Fern- und Regionalverkehr auch ein Großteil der von der Bahn betriebenen S-Bahnen aus. Bahn und Gewerkschaft wiesen sich erneut gegenseitig die Schuld für den Arbeitskampf zu, der bis Freitag dauern soll. Die konkurrierende Gewerkschaft EVG drohte unterdessen mit einem eigenen Streik.

Der Arbeitskampf im Personenverkehr begann um 02.00 Uhr. Die Bahn gab einen Ersatzfahrplan aus. Danach sollte etwa ein Drittel der sonst üblichen 805 Züge im Fernverkehr fahren. Im Regionalverkehr waren nach Angaben Staatskonzerns 15 bis 60 Prozent der regulären Züge im Einsatz. Der Ersatzverkehr laufe stabil, teilte die Bahn gegen Mittag mit. In Berlin, München, Dresden und Hamburg-Altona hatte die Bahn nach eigenen Angaben Züge als Übernachtungsmöglichkeiten bereitgestellt. Im Güterverkehr sollten nach Angaben der Bahn mindestens die Hälfte der Züge fahren. Die Wirtschaft hat vor Schäden in dreistelliger Millionenhöhe gewarnt.

Hunderttausende Pendler und Reisende mussten längere Fahrzeiten in Kauf nehmen oder auf andere Verkehrsmittel ausweichen. In Berlin, wo die S-Bahn nur stark eingeschränkt fuhr, drängten sich die Passagiere in überfüllten U-Bahnen und Busse. Autofahrer standen im Stau.

Der Ausstand der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte am Dienstag um 15.00 Uhr im Güterverkehr begonnen und soll dort bis Freitag um 09.00 Uhr dauern. Der Personenverkehr soll bis Donnerstag um 21.00 Uhr bestreikt werden. Bahnreisende können sich über die kostenlose Servicenummer 08000 996633 oder im Internet unter http://www.bahn.de/p/view/home/info/streik_gdl_042015.shtml erkundigen, welchen Züge fahren.

Die deutschen Fernbus-Anbieter profitieren vom angekündigten Streik bei der Deutschen Bahn. „Der Umsatz der Branche könnte wegen des Streiks um mehrere Millionen Euro steigen“, sagte der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), Matthias Schröter, am Dienstag. „Sobald die Ankündigungen für den Ausstand kommen, spüren die Busunternehmen sofort eine sprunghafte Nachfrage auf ihren Webseiten.“ Die Firmen hätten seit längerem Erfahrung mit Streiks der Lokführergewerkschaft GDL und stellten vor allem auf den Hauptstrecken nach Berlin, Frankfurt, München oder ins Ruhrgebiet umgehend zusätzliche Kapazitäten bereit.

Insgesamt werde der Ausstand 66 Stunden dauern, teilte die GDL mit. Sie machte erneut die Bahn für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. „Wo kein Wille ist, ist kein Weg“, erklärte Gewerkschaftschef Claus Weselsky. Deshalb bleibe als letztes Mittel nur der Arbeitskampf. „Weil der DB-Vorstand beim Tarifabschluss mit der GDL streikt, müssen die GDL-Mitglieder erneut für bessere Arbeitszeiten, höheres Entgelt und Belastungssenkung in den Arbeitskampf ziehen“, erklärte Weselsky. Bislang hat die GDL sechsmal in dem Konflikt gestreikt. Im Februar begann sie einen Ausstand, der rund 100 Stunden dauern sollte, dann aber nach gut 60 Stunden abgebrochen wurde.

DB-Personalvorstand Ulrich Weber erklärte, die Streiks seien für niemanden nachzuvollziehen. Eine faire Lösung könne es nur am Verhandlungstisch geben. Eine Bahnsprecherin hatte bereits vor Bekanntgabe der Streiktermine einen Notfahrplan angekündigt. Dieser soll schon vor dem eigentlichen Streikbeginn greifen, um ihn verlässlich über den gesamten Ausstand durchzuhalten.

Die GDL hatte die Verhandlungen am Freitag für gescheitert erklärt. Die Gespräche laufen seit weit über einem Jahr. Hauptkonfliktpunkt ist nach wie vor, dass die GDL nicht nur für die rund 20.000 Lokführer, sondern auch für Zugbegleiter und Rangierführer eigene Tarifverträge abschließen will. Dies strebt aber auch die größere, konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft an. Die Bahn wiederum will unterschiedliche Abschlüsse für dieselbe Berufsgruppe vermeiden.

Unter Druck fühlt sich die GDL zudem durch das Tarifeinheitsgesetz, das die große Koalition noch vor der Sommerpause beschließen will. Es würde den Einfluss kleinerer Gewerkschaften wie der GDL einschränken.

Die deutsche Industrie hat die angekündigte Arbeitsniederlegung der Lokführergewerkschaft (GDL) scharf kritisiert und warnt vor Schäden in Millionen-Höhe. „Bei durchgängigen Streiks sind in der Industrie empfindliche Produktionsausfälle zu erwarten“, sagte Dieter Schweer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im Industrieverband BDI, am Dienstag. „Streikbedingte Schäden können von einstelligen Millionenbeträgen schnell auf bis zu 100 Millionen Euro Schaden pro Tag wachsen.“

Besonders hart betroffen seien Branchen, die mit ihrer Logistik weitgehend auf die Bahn angewiesen seien und ihre Transporte nicht auf andere Verkehrsträger verlagern könnten. „Dazu gehören beispielsweise neben Chemie-Gefahrgut-Transporten auch die Rohstoffanlieferung in der Stahlindustrie oder die Transporte der Automobilwirtschaft in die Exporthäfen.“ Die GDL treffe nicht nur die Industrie und ihre Unternehmen, „sondern nimmt das ganze Land in Beschlag“, fügte Schweer hinzu. Die Gewerkschaft handele verantwortungslos und habe „jedes Augenmaß verloren“.

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  1. Manfred Janel sagt:

    „jedes Augemaß verloren“

    Das ist nichts neues. Ich bin mir nichtmal sicher, ob die GDL jemals Augenmaß hatte.
    Im Endeffekt sieht man doch recht klar, dass es dem GDL-Chef nur darum geht seine eigene Position zu stärken. Ihm egal, was für Schäden dadurch entstehen.