Nahles: Digitales Zeitalter erfordert flexible Arbeitszeit

Das Arbeitsministerium sieht Bedarf für die Anpassung der Arbeitszeit-Grenzen an die digitalen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Feste Arbeitszeiten werden durch Emails und Smartphones aufgeweicht. Neue Erwerbsformen entstehen: So könnten Crowdworker bald rentenversicherungspflichtig werden.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles will starre Vorschriften zur Arbeitszeit an die Digitalisierung der Wirtschaft anpassen. „Flexiblere Arbeitszeiten und die Orientierung am Ergebnis, nicht an der Präsenz im Büro können auch den Beschäftigten zugutekommen“, sagte die SPD-Politikerin der Nachrichtenagentur Reuters. „Nicht alles muss so bleiben wie bisher, aber es muss auch künftig einen wirksamen Rahmen geben.“ Wenn ein Arbeitnehmer früher gehe, um bei den Kindern zu sein, und abends auf dem Handy schnell noch eine dienstliche Email erledige, dürfe er nach dem Arbeitszeitgesetz eigentlich nicht frühmorgens ins Büro kommen. Aus Sicht eines Arbeitgebers sei das ein Hemmschuh. „Ich meine: Da hat er durchaus recht“, sagte Nahles.

Mit einer eintägigen Konferenz am Mittwoch in Berlin unter dem Motto „Arbeiten 4.0″ will die Ministerin eine breite Debatte über die Arbeitswelt im digitalen Zeitalter einläuten. Nahles stellt dort ein sogenanntes Grünbuch vor, das auf 90 Seiten einen Dialog mit Unternehmen, Beschäftigten und Sozialpartnern über einen „neuen sozialen Kompromiss“ in Gang setzen soll. Auf einem Zwischenkongress Anfang 2016 soll eine Zwischenbilanz gezogen werden. Die Ergebnisse werden gegen Ende nächsten Jahres in einem „Weißbuch“ vorgestellt.

Nahles hat dabei auch die soziale Absicherung neuer Erwerbsformen wie etwa von Crowdworkern im Blick, die über digitale Plattformen Teilaufträge eines größeren Projekts übernehmen. Crowdworker werden von Unternehmen im Internet beschäftigt, die Prozesse an eine Gruppe Freiwilliger auslagern – auch Crowdsourcing genannt. Die Prozesse sind meist einfache gestaltet, zeitlich begrenzt und werden geringfügig entlohnt. Bei den Aufgaben kann es darum gehen, im Internet Inhalte zu verbreiten und in Foren Beiträge zu posten. Die Aufgaben werden überwiegend von Selbstständigen übernommen.

„Solo-Selbständige etwa arbeiten in einem Bereich und auf eine Weise, die von den althergebrachten Systemen nicht abgesichert ist“, sagte die Ministerin. „Viele wollen das so. Aber neben selbstbewussten Freiberuflern gibt es dort auch digitale Tagelöhner.“ Ihre Altersvorsorge müsse gesichert sein. „Ob wir ein neues berufsständisches Versorgungswerk für Crowdworker schaffen werden, oder ob wir die gute, alte Rentenversicherung für Solo-Selbständige öffnen – das ist noch nicht entschieden“, sagte Nahles.

Die Arbeitsministerin zeigte sich überzeugt, dass auch mit der fortschreitenden Digitalisierung die Arbeit nicht ausgehen werde. „Die Technik hat auf längere Sicht immer neue Arbeit gebracht“, sagte Nahles. „Gerade angesichts des demografischen Wandels kann Technik einen entscheidenden Beitrag leisten, dass es nicht zu einer Fachkräftelücke kommt.“ Qualifizierung werde immer wichtiger. Nahles schließt auch eine Aufgabenerweiterung der Bundesagentur für Arbeit nicht aus. „Ich könnte mir eine Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung vorstellen, die nicht erst ins Spiel kommt, wenn Arbeitslosigkeit eintritt oder unmittelbar bevorsteht“, sagte die Ministerin.

Kommentare

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  1. fishman sagt:

    So sind die Sozies. An der Macht klüngeln sie mit der Wirtschaft und lassen diese es richten. Der Mensch, die Familie folgt erst an weiterer Stelle. Die Arbeitszeit muss sich an die Menschen anpassen und deren Bedürfnisse so weit wie möglich. Es muss dann auch mal auf das eine oder andere Geschäft verzichtet werden. Und wo sowieso so vieles auf Kredit in den Export geht, ist es nicht schade um das eine oder andere ausbleibende Geschäft wenn´s denn dem Wohle der Menschen dient. Qualifzierung werde nicht wichtiger sondern war schon immer wichtig gne´Frau damit man sich nicht zum Crowdworker degradiert. Pfui Teufel, was für ein Begriff.

  2. kollege sagt:

    Frage mich wirklich wer diese SPD noch wählt ???

    Ähh… keine Frage, CDU, Grüne, FDP sind natürlich noch schlimmer…

  3. beccon sagt:

    Die „gute alte Rentenversicherung“ war ein Grund ein „digitaler Tagelöhner“ zu werden – allerdings mit dem doppelten Einkommen wie früher.

    In die BfA könnten wir freiwillig schon jetzt – ich glaube hier geht es darum, gutverdienende zu Sklaven eines scheiternden Systems zu machen.

    Schaue ich mir die weitgehend antriebslose bzw. falsch positionierte Nachwuchsgeneration an, die den Sozialstaat als Einkommensoption sieht, dann weiß ich, daß wir am Ende wohl alle das Gleiche haben werden – nix.

  4. Bernhard sagt:

    Vielen Dank, Frau Nahles! Nicht nur, dass die SPD unter Schröder und der Großindustrie HARTZ IV Sklaven schuf, nun setzen Sie noch ein Sahnehäubchen oben drauf: die arbeitende Bevölkerung hat 24/7 zur Verfügung zu stehen!

    Wissen Sie, unabhängig von der juristischen Bewertung, was ich Ihnen und Ihrer Partei wünsche: top-down to 15 %.

    Die SPD hat sich von ihrer Wählerschaft verabschiedet.

    • beccon sagt:

      Naja – die SPD ist keine „Arbeiterpartei“ mehr – wenn sie das je gewesen ist. Sie ist die Partei der öffentlich bediensteten Gewerkschaftler und des sozialindustriellen Komplexes. Die Harz Gesetze haben die weitverbreitete Schnorrerei ein wenig zurückgefahren (und auch der Klientel ein paar neue Aufträge verschafft). Aber der Sozialstaat ist nach wie vor für leistungsfähige Leute (und nur um die geht es – die anderen beziehen Sozialhilfe) eine Alternative zum kapialistisch – unzumutbaren Malochen. Schlimm schlimm. Vor der Totalpleite wird sich das auch nicht ändern.