Erste Schweizer Bank vermittelt Kredite über die Crowd

In der Schweiz können Startups Kredite über die Crowd beziehen. Ähnlich wie beim Crowdfunding sind die Geldgeber Privatpersonen. Doch das Kapital muss samt Zinsen zurückgezahlt werden. Der zu vergebende Kredit wird an die Anbieter mit dem günstigsten Zins versteigert.

Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) bietet als erste Bank in der Schweiz Crowdlending – die Vermittlung von Krediten über Privatpersonen – an. Anstoß gab die starke Verbreitung von Crowdfunding. Dabei können Unternehmer für einen bestimmten Zweck oder eine Geschäftsidee Geldbeträge über das Internet einsammeln. Wer dieses Projekt unterstützen möchte, zahlt einen Beitrag. Auf diese Weise können Startups ohne Umwege über einen Kredit an Startkapital gelangen.

Aber anders als beim Crowdfunding gibt es bei der BLKB keine Geschenke. Sie vermittelt nur Kredite, die verzinst und zurückgezahlt werden müssen. Doch das Prinzip funktioniert gleich: „Wer Geld braucht, platziert sein Projekt auf der Internetseite der Bank. Er gibt an, wie viel er braucht und welchen Zins er maximal zu bezahlen bereit ist. Dann startet eine Versteigerung um den Zins. Nach Ablauf eines Monats werden die Geldgeber mit den tiefsten Zinsofferten berücksichtigt. Als Kreditnehmer seien nur Firmen zugelassen, keine Privatpersonen“, sagt Christoph Loeb, Sprecher bei der BLKB.

Als Kreditgeber kommen nur Privatpersonen mit Wohnsitz in der Schweiz in Frage. Die Obergrenze für einen Kredit liegt bei 100.000 Schweizer Franken, berichtet das Online-Magazin Schweiz am Sonntag. Dabei können bis zu 20 Kreditgeber ein Projekt finanzieren.

Die Bank vermittelt nur und stellt keine Garantien bereit. Sie stellt auch keinerlei Bonitätsprüfung des Kreditnehmers bereit. Bei dem Konzept des Crowdlending geht es einzig und allein um das zu finanzierende Projekt.

Für die privaten Kreditgeber ist Crowdlending eine gute Möglichkeit, noch an einen hohen Zins für verliehenes Geld zu kommen. Die meisten Finanzprodukte haben ihren Zinssatz gesenkt, so dass mit Sparguthaben kaum noch eine Rendite erzielt werden kann. Allerdings steigt der Zins analog zum Risiko. „Wir betreiben das nicht als Marketing-Aktion, sondern weil wir an diesem neuen Markt teilnehmen und mittelfristig damit Geld verdienen wollen“, sagt Bank-Sprecher Loeb. Kreditnehmer müssen eine Vermittlungsgebühr bezahlen.

In England ist das Konzept des Crowdlending bereits weit verbreitet. Einer Studie von Ernst & Young zufolge sind dort 2014 schon umgerechnet über 2,3 Milliarden Euro über solche Vermittlungsplattformen geflossen.

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