Schwerer Systemfehler: Drei von vier Unternehmen haben kein schnelles Internet

Nur jedes vierte deutsche Unternehmen verfügt über schnelles Internet. Der Systemfehler liegt in der veralteten Infrastruktur. Deutschland liegt im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld. In Dänemark, den Niederlanden und Belgien hat fast jedes zweite Unternehmen Zugang zur Datenautobahn. Deutsche Online-Händler werden vom Rest der Welt abgehängt.

Nur eine Minderheit der deutschen Unternehmen verfügt über einen schnellen Internetanschluss. 2014 hatten lediglich 25 Prozent der Firmen mit mindestens zehn Beschäftigten einen festen Breitbandanschluss mit einer vertraglich festgelegten Datenübertragungsrate von mindestens 30 Megabit pro Sekunde.

„Deutschland liegt damit im europäischen Vergleich nur im Mittelfeld und geringfügig über dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten von 23 Prozent“, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Den Spitzenplatz in der Europäischen Union belegt demnach Dänemark, wo mehr als jedes zweite Unternehmen einen schnellen Internetanschluss hat. Auch in den Nachbarländern Niederlande und Belgien (je 43 Prozent) sowie in Schweden (41 Prozent) ist schnelles Internet weit verbreitet.

Der Upload scheitert, der Download bricht ab. Die veraltete Infrastruktur in Deutschland macht schnelles Arbeiten für Unternehmen nahezu unmöglich. „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss Deutschland in seine digitale Infrastruktur investieren“, fordert eine von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingesetzte Expertenkommission um den Berliner Ökonomen Marcel Fratzscher.

„Es müssen vorrangig Investitionen auf der Ebene der Breitbandnetze getätigt werden, da deren Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit in Deutschland im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ist und sich diese digitale Lücke zu Wettbewerbern vergrößert.“ Falls notwendig soll dieser schwere Systemfehler mit staatlichen Subventionen gefördert werden.

Der Handel (E-Commerce) im Internet leidet unter dieser Systemschwäche Deutschlands. Deutsche Firmen hinken einer Studie zufolge bei der Nutzung des Internets für ihren Export zurück. Vor allem auf bestimmten Auslandsmärkten wie in Asien, wo immer mehr Geschäft digital abgewickelt werde, schneide Deutschland im Vergleich von 39 Ländern mit Platz 28 schlecht ab, teilte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln mit.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland deutlich hinter den großen E-Commerce-Nationen: In Großbritannien wird an dem Tag doppelt so viel umgesetzt (1,56 Milliarden Euro), in den USA fünfmal so viel (4,13 Milliarden Euro), wie in Deutschland. Die Bundesrepublik wird in dem Wachstumsmarkt vom Rest der Welt abgehängt.

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  1. beccon sagt:

    Dank Mobilfunkfusion gibt es bald nur noch 3 Netzbetreiber und 12.000 Basisstationen werden abgebaut.