6.000 Umweltschützer verschaffen sich gegen 15.000 Kohle-Demonstranten Gehör

Rund 15.000 Arbeiter in Kohlekraftwerken protestierten am Samstag gegen eine neue Emissions-Abgabe. Mehr als 6.000 Umweltschützer demonstrierten gleichzeitig für mehr Klimaschutz und gegen die Kohlendioxid-Belastung. Zahlreiche Kohlekraftwerke stehen aufgrund der Energiewende vor der Schließung.

Zehntausende Menschen haben am Samstag den Streit über die Braunkohle-Kraftwerke auf die Straße getragen. In Berlin folgten rund 15.000 Kumpel und Kraftwerker einem Aufruf der Gewerkschaften IG BCE und Verdi für Proteste gegen die geplante Kohle-Abgabe von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Am Tagebau Garzweiler II im Rheinland zogen zur gleichen Zeit rund 6.000 Menschen auf, um für mehr Klimaschutz und gegen die Kohlendioxid-Belastung der Kohle zu demonstrieren.

Unter dem Motto „Bis hierher und nicht weiter“ bildeten die Umweltschützer eine gut sieben Kilometer lange Menschenkette. „Wir müssen die alten Kohlekraftwerke sofort schließen. Anders sind die Klimaschutzziele nicht zu erreichen“, sagte Mitorganisator Dirk Jansen vom BUND.

Hintergrund des Streits ist, dass Deutschland sein Klimaziel einer CO2-Minderung von 40 Prozent gegenüber 1990 bis 2020 zu verfehlen droht. Gabriel will daher den Ausstoß der mehr als 20 Jahre alten Kraftwerke um 22 Millionen Tonnen drücken. Wenn diese CO2 über eine Grenze hinaus produzieren, sollen die Betreiber eine Sonderabgabe zahlen. Damit trifft der SPD-Politiker auch auf Widerstand in der Union sowie den Regierungen der Kohleländer Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Am Kanzleramt in Berlin machte IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis deutlich: „Wir erwarten, dass alles vom Tisch geräumt wird, was das Aus der Braunkohle-Förderung und Braunkohle-Verstromung in Deutschland bedeuten würde.“ Die geplante Abgabe gefährde nicht nur einige ältere Kraftwerke, sondern in einem Dominoeffekt auch die Tagebaue und damit die Branche insgesamt.

Gabriel bestritt dies: „Wir haben einen Vorschlag gemacht, von dem wir sicher sind, dass die Sorgen der Arbeitnehmer nicht eintreten werden“, sagte er im niedersächsischen Peine. Er sei offen für Gegenvorschläge, die aber bislang nicht gekommen seien. „Trotzdem bin ich sicher, wir werden ein Ergebnis finden, bei dem der Klimaschutz steht und die Arbeitsplätze nicht verlorengehen.“

Der SPD-Vorsitzende war Kritikern etwa entgegengekommen, indem er die Abgabe an der Höhe des Börsenstrompreises ausrichten will. Ist dieser niedrig, was die Branche zusätzlich belasten würde, soll auch die Abgabe kleiner ausfallen. Umgekehrt soll sie bei höheren Preisen steigen. Das Thema soll auch beim Koalitionsausschuss am Sonntag besprochen werden.

Kommentare

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  1. Werner sagt:

    Wer die riesigen Mais- und Rapsfelder genauer kennt ist entsetzt über die damit verbundenen ökologischen Wüsten. Daran stoßen sich diese selbsternannten Schützer überhaupt nicht und auch nicht an den Schäden durch Windräder. Mehr Kohlendioxid bedeutet mehr Wachstum ohne Einfluß auf das Klima. Die beste Lösung ist Kernenergie. Die Zukunft hat der wirtschaftliche Dual-Fluid-Reaktor ohne Atommüll, ohne Gau und auch in kleinen Einheiten betreibbar. Überlandleitung können stark reduziert werden.

  2. Kommunist sagt:

    Schade, das bei uns immer alles übers Knie gebrochen werden muß.
    In unserer Region hängen einfach zu viele Arbeitsplätze an der Kohle.
    Der langsame Ausstieg wäre sinnvoller.Da kann sich nur kein Minister profilieren,da ja der nächste Kollege dann im Amt ist.Dann lieber noch eine Sonderabgabe und noch eine Steuer und noch eine….
    Damit kann man dann die Minister und Abgeordneten-Bezüge wieder erhöhen….

  3. karl sagt:

    Fossilverbrennung ist einfach ein Verbrechen gegenüber der menschlichen Kultur.
    Nebst der Ressourcenverschwendung, wird einfach unbedacht zu 1 kg Kohlenstoff an die10 Kubikmeter Atemluft verbrannt und mit den Abgasen die Luft vergiftet.
    Das ist problematisch!
    Die Sonne scheint dagegen kostenlos.

    • beccon sagt:

      Ich finde fossile Energieträger auch nicht so toll- ich habe einen Atomstromtarif und würde wegen der Energiedichte und Verfügbarkeit auf Nuklear setzen.
      Aber wenn sie die Kohle nicht mehr verbrennen wollen, dann ist sie auch keine Ressource mehr und kann folglich auch nicht verschwendet werden.

      Außerdem ist der CO2 Haushalt der Erde keinesfalls statisch, wie sie behaupten. Mehr Kohlendioxid – mehr Photosynthese – mehr Pflanzen. CO2 ist der Engpaß beim Pflanzenwachstum, darum setzt man es auch in Gewächshäusern ein.

      • karl sagt:

        Fossillien sind unwiederbringlich, das ist vergleichbar, wenn man die Pyramiden zum Schottern eines privateb Parkplatzes verwenden würde.
        Es geht anders, mittels Solarenergie!
        Fahren und Heizen mit Wind und PV.