Streik kostet deutsche Wirtschaft 500 Millionen Euro

Der angekündigte fast einwöchige Streik bei der Deutschen Bahn stößt auf Unverständnis. Der Bundesverband der Deutschen Industrie rechnet mit einem Schaden in Millionenhöhe. Der Streik schade dem Industriestandort massiv.

„Wir werden in keine Schlichtung gehen, weil wir grundgesetzlich geschützte Rechte in keine Schlichtung bringen“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Montag in Berlin. Damit bleibt es vorerst beim geplanten fast einwöchigen Streik der Lokführer.

Am Montagnachmittag soll der mittlerweile achte bundesweite Streik beginnen. Doch nicht nur aus der Politik und von Reisenden kommt Kritik am geplanten Streik. Die deutsche Industrie warnt vor einem großen Schaden für die Wirtschaft. „Die erneute Eskalation im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn schadet dem Industriestandort Deutschland massiv“, sagte Dieter Schweer vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). „Die Folge sind leere Lager, unterbrochene Wertschöpfungsketten und Produktionsausfälle in zahlreichen Industriebranchen.“

Durch den Streik könne ein Schaden von mehreren 100 Millionen Euro entstehen. Besonders betroffen seien die  Stahl- und Automobilindustrie aber auch die chemischen Industrie. „Eine solche Streikwelle ist Gift für ein hochentwickeltes Industrieland wie Deutschland“, so Schweer. Es sei falsch, auf dem Rücken der Industrie und ihrer Beschäftigten tarifpolitische Grundsatzfragen auszutragen.“

Ähnliches ist vom Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zu hören. „Alles in allem drohen Streikkosten von einer halben Milliarde Euro“, so der DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Ein Sieben-Tage-Streik im Güterverkehr treffe die Stahlindustrie als den größten Kunden von DB Schenker Rail erheblich, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. 200.000 Tonnen, die jeden Tag für die Stahlindustrie von der Bahn transportiert würden, könnten nur teilweise auf Lastwagen oder Schiffe verteilt werden. ThyssenKrupp hofft, trotzdem glimpflich davon zu kommen, berichtet Reuters. Der Konzern nutze auch alternative Transportwege und die Werksbahn, hieß es.

Die Chemiebranche mit rund einer halben Million Beschäftigten zeigte sich beunruhigt. „Störungen im Schienengüterverkehr haben weitreichende Auswirkungen auf die Branche und Kunden“, sagte eine Sprecherin des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). „Wenn so ein Streik länger dauert, muss man bei Engpässen mit der Versorgung von Rohstoffen rechnen.“

Die Bahn versucht, zeitkritische Transporte mit dem einsatzbereiten Personal vorrangig zu fahren, um Produktionsausfälle zu vermeiden. Bei den kürzeren Ausständen ist ihr das nach eigenen Angaben gelungen. Je länger ein Streik dauert, desto schwerer ist die Strategie jedoch umzusetzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine Schlichtung im Bahnstreit angeregt. Es gebe zwar die Tarifautonomie und das Streikrecht, sagte Merkel. Die Folgen des mehrtägigen Streiks der Lokführer seien jedoch für viele Menschen und Unternehmen gravierend. Deshalb müsse alles daran gesetzt werden, eine Lösung zu finden. „Hier ist der Weg einer Schlichtung ein möglicher, gangbarer Weg“, sagte Merkel.

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  1. Volker K. sagt:

    „Wir werden in keine Schlichtung gehen, weil wir grundgesetzlich geschützte Rechte in keine Schlichtung bringen“

    Richtig! Im übrigen kann ich mich an Zeiten erinnern, da waren die Bediensteten bei
    Bahn, Post und anderen öffentlichen Bereichen verbeamtet. Die Zuverlässigkeit dieser,
    die öffentliche Infrastruktur bedienenden Bereiche stand außer Frage bis zu jenem Tag, als sich unfähige und korrupte Regierungen daran machten, diese öffentliche Infrastruktur zu privatisieren.
    Im übrigen sind die Gehälter der Lokführer im Vergleich zu ihren europäischen Kollegen nicht gerade üppig.

    Und wenn durch den Streik unserer Industrie Schaden zugefügt wird – es sollte die
    amerikanische Kanzlerin nicht kratzen.