Lebensmittel im Netz: Einzelhandel verschläft Trend zum E-Commerce

Mittelfristig müssen sich die Einzelhändler in der Lebensmittelbranche stärker mit dem Internet auseinandersetzen, so eine aktuelle Studie. Die Konsumenten setzen immer mehr auf den Einkauf im Netz. Das Potential für Einzelhändler ist groß. Man müsse schon jetzt nach innovativen Konzepten Ausschau halten, um nicht zurück zu fallen.

Rewe, Edeka, Kaisers und noch ein paar andere Supermärkte haben mittlerweile einen Lebensmittel-Lieferservice. Online bestellen, Lieferzeit aussuchen und bis vor die Wohnungstür liefern lassen. Solche Dienste werden immer mehr vom Kunden angenommen. Doch angesichts des riesigen Umsatzes der Textilindustrie im Internet, herrscht in der Lebensmittelbranche noch immer ein enormer Nachholbedarf im Online-Bereich. Kleine Bildchen der offerierten Produkte und das ein oder andere Angebot der Woche – vielmehr bieten die meisten Lebensmittel-Einzelhändler (LEH) noch nicht.

Mit Blick auf die Entwicklung im E-Commerce muss sich demnach noch einiges tun. Dies bestätigt auch eine aktuelle Studie von Euler Hermes Rating. Ansprechende, innovative Kundenbindung im Zeitalter der Smartphones und Tablets werden immer wichtiger. Während die Textil- und Bekleidungsbranche bereits 25% des deutschen E-Commerce-Umsatzes ausmacht, ist der LEH „von digitalisierten Geschäftsmodellen bisher weitestgehend verschont geblieben“, so die Studie.

Bisher habe dies noch keine allzu großen Auswirkungen auf den Umsatz gehabt, weil sich die Kaufentscheidung bei Lebensmitteln noch grundlegend von der bei Bekleidung unterscheide. Zwar hätten die optischen und haptischen Qualitätsansprüche etwa im Frischebereich zur Folge, so dass der Stellenwert des stationären Handels auch langfristig hoch sein werde. Aber die „Digitalisierung der Gesellschaft und das zunehmende Selbstverständnis von Multioptionalität beim Einkaufen“ werden auch den LEH zukünftig vor Herausforderungen stellen. Strukturanpassungen seien notwendig.

Entscheidend für diese Entwicklung ist die rasante Verbreitung der Smart Devices. So werden bis 2020 weltweit etwa 26 Milliarden Smart Devices im Umlauf sein. Auch in Deutschland sind die bereits Bestandteil des täglichen Lebens. „Euler Hermes Rating erwartet, dass auch im Food-Segment ein erhebliches Potenzial zur Nutzung von digitalen Services liegt, welches bisher nur eingeschränkt ausgeschöpft wird.“

Der Bereich des Curated Shoppings werde zukünftig im LEH eine große Rolle spielen, so die Studie. Beispielsweise individualisierte Rezeptvorschläge, Ernährungstipps etc. sollen den Kunden stärker binden. Smarte Kühlschränke könnten dem LEH ebenfalls als Brücke zum Kunden dienen. Die Auswertung von mobilen Daten kann außerdem zu einer besseren Auswertung der Online-Seiten und auch der stationären Geschäfte genutzt  werden.

„Der digitale Wandel wird zukünftig von den LEHs hohe Investitionen erfordern, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Marktanteile zu verteidigen“, heißt es in der Studie. Vor allem vor dem Hintergrund neuer Konkurrenten wie Amazon Fresh etc. müssen die Einzelhändler handeln. Gleichzeitig sei ein hohes Maß an Investitionen in Datenschutz notwendig.

In diesem Zusammenhang zeigt auch PwC eine weitere Chance, die sich den Lebensmittel-Einzelhändlern im Online-Bereich bietet. Angesichts stetig neuer Lebensmittelskandale und zunehmender Globalisierung der Lebensmittelbranche suche der Konsument verstärkt nach Transparenz und Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche. LEHs können daher vor allem mit ihrem Online-Angebot den Konsumenten Transparenz bei ihren Produkten bieten und diese so weiter an sich binden bzw. neue Kunden für sich gewinnen.

Eine aktuelle Studie von PwC kommt diesbezüglich zu dem Schluss:

„Ein Großteil der Unternehmen (…) ist sich bewusst, dass Kunden und Gesetzgeber zunehmend eine lückenlose Rückverfolgbarkeit und Transparenz von Produkten entlang von Wertschöpfungsketten fordern und setzt bereits entsprechende Technologien ein. Digitale Lösungen sind hier besonders geeignet, da sie ein einheitliches, abgestimmtes Handeln über alle Wertschöpfungsstufen hinweg ermöglichen und sich optimal an die von den Konsumenten bereits auf breiter Basis genutzten digitalen Kanäle wie Smartphone oder Tablet anbinden lassen. Zudem lassen sich mit digitalen Lösungen Vorteile generieren, wie etwa Effizienzgewinne, bessere Vergleichbarkeit mit Wettbewerbern, höhere Produktsicherheit sowie eine Erhöhung von Reputation und Vertrauenswürdigkeit.“

Dass für die Lebensmittel-Einzelhändler eine große Chance im Online-Shopping liegt, zeigt der „Total Retail 2015“-Bericht von PwC. So ist bei Büchern, Unterhaltungselektronik und Bekleidung schon eine gewisse Sättigung zu spüren. Hier ginge es mittlerweile vor allem um die Kundenbindung und -Abwerbung.

Aber ihre Lebensmittel kaufen in Deutschland erst 12 Prozent der Konsumenten online. In „Segmenten mit einem relativ niedrigen Anteil an Online-Shoppern bestehen gute Wachstumsaussichten für Online-Händler“, so PwC. Ihre Lebensmittel und Möbel würden die Deutschen zwar weiterhin am liebsten im Laden kaufen. Die Vorliebe für Online-Shopping wachse jedoch auf bemerkenswertem Niveau von rund 28 Prozentpunkten pro Jahr, heißt  es in dem Bericht. „Konsumenten werden ihre Einkäufe auch in diesen Produktgruppen künftig verstärkt ins Internet verlagern“, sagt Gerd Bovensiepen. „Für Händler und Hersteller lohnt es sich, ihre Online-Angebote weiter kundenorientiert auszubauen und sich so Marktanteile zu sichern.“

Kommentare

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  1. tom sagt:

    Wer kauft sich den Salat und die Gurke online ohne das Er Sie real gesehen hat? Und wenn die Frischware vergammelt ist, wird Sie wieder zurückgeschickt? Und wer bezahlt den Transport, die Verpackung und die Logistik? Es ist eine riesige Umweltverschmutzung eine Gurke im Wert von 1,50 Euro oder 3 Apfelsinen für 2,5 Euro im Karton durch die Gegend zu schicken.

    • Marktbereinigung sagt:

      Die gleichen Trottel kaufen dass Zeug, die sich auch über die Abschaffung des Bargeldes freuen.
      Dumme sind viel leichter steuerbar als Kluge.
      Das allerdings wissen die Dummen nicht.

    • Gast sagt:

      am online Einkauf von Lebensmitteln ist interessiert, wer keine oder keine gute Einkaufsmöglichkeit in seiner Nähe hat.
      Der derzeitige Lebensmittel-Einzelhandel hat die ‚Tante-Emma Läden um die Ecke‘ weitgehend vernichtet und seine Kunden in die Kategorie ’notwendiges Übel‘ eingestuft. Er wird sich neu besinnen müssen, wenn online-Konkurrenz entsteht. Es verschmutzt die Umwelt nicht mehr, wenn der Anbieter die Gurke bringt, als wenn der Käufer die Gurke holt.
      Lebensmittel mit UPS zu versenden wäre natürlich die schlechteste aller Möglichkeiten.