OECD: Deutsche Unternehmen dürfen sich nicht auf Euro-Kurs ausruhen

Die Abschwächung des Euro hat bei einigen deutschen Unternehmen für kurzfristig bessere Unternehmenszahlen gesorgt. Vor allem die Exportbranche profitiert von der Entwicklung. Dies könnte die deutschen Unternehmen aber dazu verleiten, sich auf dem Erfolg auszuruhen, warnt die OECD.

Die anhaltende Schwäche des Euros hat bei Exportunternehmen für einen höheren Absatz gesorgt. Über die positiven Effekte bei der Umrechnung hinaus können die Konzerne Produkte außerhalb des Euro-Raums günstiger anbieten und damit den Absatz ankurbeln. Die Ausfuhren deutscher Unternehmen in die USA steigen, obwohl die dortige Wirtschaft stagniert. In den ersten beiden Monaten 2015 stiegen die US-Exporte um zwölf Prozent, während die Gesamtausfuhren nur um 1,7 Prozent zulegten, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Doch Experten warnen vor negativen Nebenwirkungen der Wunderkur Euro-Schwäche.

„Deutschlands Unternehmen dürfen nicht vergessen, dass es die Innovationskraft und die Qualität deutscher Produkte sind, die den Erfolg in Auslandsmärkten garantieren – nicht die niedrigeren Preise“, erklärt der stellvertretende Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Stefan Kapferer. Kurzfristig verbessere der niedrige Euro-Kurs für viele Unternehmen zwar die Wettbewerbsposition. Langfristig sei dies allerdings nicht ungefährlich, weil der Anreiz zur Produktivitätssteigerung und Entwicklung neuer Produkte schwinde, so der ehemalige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Vorsicht vor zu viel Komfort ist dem Experten zufolge also angebracht, auf ihrem durch die Euro-Schwäche erzielten Erfolg sollten sich die mit dem Gütesiegel „Made in Germany“ großgewordenen Unternehmen nicht ausruhen. Daimler rechnet in diesem Jahr dank der Euroschwäche mit einer Milliarde Euro zusätzlichen Gewinn. Zulieferer Bosch profitiert ebenfalls davon: Das Unternehmen im ersten Quartal 2015 mit Währungseffekten ein Umsatzplus von 13 Prozent aus, ohne sie von rund fünf Prozent.

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer wagte dank der Stärke von Dollar und chinesischem Yuan sogar eine Anhebung seiner Jahresprognose. Bayer geht von positiven Währungseffekten in Höhe von etwa neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Bisher waren diese mit drei Prozent beziffert worden. Das Unternehmen erzielt in Nordamerika und Asien rund die Hälfte seiner Umsätze.

„Ich scheue mich schon anzunehmen, dass der Dollar-Kurs auf dem derzeit hohen Niveau bleiben wird“ zitiert Reuters jedoch BASF-Vorstandschef Kurt Bock. Der Chemiekonzern macht rund 40 Prozent seines Umsatzes außerhalb Europas. Eine ganzjährige Aufwertung des Dollar um einen Cent pro Euro steigert bei sonst gleichen Bedingungen das Ergebnis der Ludwigshafener um etwa 50 Millionen Euro. Doch das jetzt kalkulierte Zusatzwachstum kann auch wieder schwinden, wenn der Euro wieder steigen sollte.

Oft verzerrt der Rückenwind durch den Euro auch die Bilanzen der Firmen, die trotz einer eigentlich schwachen Nachfrage deutliche Umsatzsprünge ausweisen. So kletterten Umsatz und Betriebsgewinn des Industriegaskonzerns Linde im ersten Quartal um neun Prozent, obwohl sich Kunden mit Aufträgen überraschend zurückhielten. „Die positiven Währungskurseffekte haben dies aber insgesamt deutlich überkompensiert“, erläuterte Linde-Chef Wolfgang Büchele. Ohne Wechselkurseffekte wären Umsatz und Ergebnis gesunken.

Auch der deutsche Softwarekonzern SAP verzeichnete nur dank der Euro-Schwäche im ersten Quartal ein Gewinnplus, während sein US-Rivale IBM unter dem Gegenteil litt: Die Dollar-Stärke drückte den IBM-Umsatz kräftig nach unten. Der europäische Flugzeugbauer Airbus profitierte vom Höhenflug der US-Währung, da durch das veränderte Währungsverhältnis die Auftragsvolumina höher bewertet werden. Der Orderbestand näherte sich zum Quartalsende am 31. März mit 955 Milliarden Euro deutlich weiter an die Billion an, ein Jahr zuvor waren es noch 858 Milliarden.

Der schwache Eurokurs kann nur Kurzfristig für ein Plus sorgen, steigt der Euro, sind die Gewinne schnell wieder verpufft. Außerdem wirkt sich der schwache Euro negativ auf deutsche Unternehmen aus, die auf den Import von Vorleistungen angewiesen sind. Im April sanken die Industrie-Aufträge das zweite Mal in Folge. Bereits im April warnte die DIHK bereits vor dem Risiko des schwachen Euros. Denn der Wechselkurs erschwere langfristige Planungen und könne somit zum Risiko für den Mittelstand werden.

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