Großbritannien-Wahl: Nervosität der Anleger steigt

Am 7. Mai wird in Großbritannien ein neues Unterhaus gewählt. Umfragen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Eine Wahl, die auch über die mögliche Zukunft des Landes in oder außerhalb der EU entscheidet. Bei den Anlegern ist die Unsicherheit des Wahlausgangs zunehmend zu spüren.

Kurz vor der Parlamentswahl in Großbritannien schießen die Kosten zur Absicherung gegen starke Schwankungen beim Pfund in die Höhe. Das Barometer, das die Nervosität der Pfund-Anleger misst, kletterte am Montag auf 17,725 Punkte: Der höchste Stand seit Mai 2010. Der Ausgang der Wahlen ist noch völlig offen: Zuletzt lieferten sich die regierenden Konservativen und die oppositionelle Labour Party in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Gewählt wird am Donnerstag.

Für Ungewissheit sorgt vor allem die Frage, ob Großbritannien in der nächsten Legislaturperiode auf einen Austritt aus der EU zusteuern könnte. Premierminister David Cameron hatte jüngst bekräftigt, im Falle seiner Wiederwahl noch vor 2017 ein Referendum über den EU-Verbleib Großbritanniens anzusetzen. Das Pfund notierte mit 1,5110 Dollar leicht schwächer als im Schlussgeschäft vom Freitag. Allerdings war der Handel wegen eines Feiertags in Großbritannien dünn.

Experten rechnen Reuters zufolge mit möglichen Kursverlusten des britischen Pfunds von mehr als vier Prozent.  Das Pfund würde damit unter sein bisheriges Jahrestief von 1,4563 Dollar rutschen.

Katrin Löhken, Ökonomin bei Sal.Oppenheim, sieht im Falle eines sich anbahnenden EU-Austritts ebenfalls nichts Gutes: Die drohende Abschottung dürfte die Märkte zutiefst verunsichern. „Investitionen in Großbritannien sollten deutlich zurückgehen, wenn sich die Diskussion um einen Brexit verschärft.“ Kommt es zu einem Bündnis unter Führung der Labour-Party, dürften die Pfund-Anleger daher erleichtert reagieren, denn unter Miliband werde es wohl kaum ein EU-Referendum geben, sagt ein Händler.

Aus Sicht einiger Analysten könnte jedoch auch eine stärker links orientierte Regierung die britischen Aktienanleger verstimmen. Schließlich habe die Labour Partei andere von den Unternehmen kritisch beäugte Veränderungen vor, stellt NordLB-Analyst Gruppe fest. Dazu zählten unter anderem höhere Unternehmens- und Einkommensteuern oder die Anhebung des Mindestlohns.

Da die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Großbritannien derzeit aber recht gut sei, rechnet Gruppe lediglich mit einem kurzen Rücksetzer an der Londoner Börse, die erst am Montag ein neues Allzeithoch markiert hatte. Der jüngste Aufschwung auf der Insel hat bereits eine baldige Zinserhöhung in Großbritannien auf die Agenda rücken lassen. Zwischen Januar und März legte das BIP aber nur noch um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu. Im Vergleich zum Schlussvierteljahr 2014 halbierte sich damit das Wachstum.

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