Entwickeln statt kaufen: Deutsche wollen keine E-Autos fahren

Geht es um die Forschung im Bereich der Elektromobilität haben deutsche Autohersteller in den vergangenen Monaten deutlich aufgeholt. Doch auf den Straßen in Deutschland sieht man Elektro-Autos nur vereinzelt. Nicht einmal die Regierung kommt diesbezüglich ihren eigenen Vorstellungen nach.

Eine Million Elektro-Fahrzeuge sollen bis  2020 auf deutschen Straßen fahren. Ein Ziel, das die Bundesregierung anpeilte. Das aber in weite Ferne gerückt ist. 2013 lag die Zahl der neu zugelassenen Elektrofahrzeuge in Deutschland bei 6.051 Pkws. Und lediglich jedes siebente Fahrzeug wurde von Privatpersonen erworben.

Von 3,04 Millionen Neuwagen in Deutschland 2014 betrug der Anteil der Neuwagen mit alternativen Antrieben lediglich 1,7 Prozent: ein Plus von 0,1% gegenüber dem Vorjahr. Lediglich 27.435 Hybride waren unter den 3,04 Millionen Neuwagen – bei den Elektro-Autos waren es sogar nur 8.522, so das Kraftfahrtbundesamt.

Ein Blick auf Europa verdeutlicht die Zurückhaltung der deutschen Konsumenten. Die Zulassungszahlen der European Automobil Manufactures Association (ACEA) zeigen, dass in den ersten drei Monaten 2015 die größten Anstiege in Großbritannien zu finden waren. Hier stiegen die Zulassungen alternative angetriebener Fahrzeuge um 64,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, gefolgt von Frankreich (+33,9%) und Italien (+18,2%). In Deutschland war es lediglich ein Plus von 11,3 Prozent. Angesichts des geringen Anteils von Autos mit alternativem Antrieb ein geringen Plus. In Norwegen war es ein Plus von 32,7 Prozent.

„Wenn wir diese Zwischenbilanz messen an den Erwartungen, die wir aus Politik und Industrie selbst und mit der Nationalen Plattform Elektromobilität geweckt haben, dann können und dürfen wir nicht zufrieden sein“, sagte Bundesumweltministerin Hendricks Ende April. Trotzdem halte die Bundesregierung an ihrem Ziel fest:

„Wenn wir Leitmarkt werden wollen und wenn wir das 1-Million-Ziel erreichen wollen, müssen wir die Diskussion darüber führen, wie wir dies alle gemeinsam erreichen können. Dabei darf es keine Tabus geben. Wir sollten die Maßnahmen identifizieren und benennen, die effektiv sind und die den Markthochlauf initiieren. Dazu müssen wir breitere Käufergruppen erreichen. Und dazu müssen wir die bestehende Kostenlücke zu den konventionellen Fahrzeugen verringern. Das geht nur mit Geld, denn das Kernproblem ist der hohe Preis. Ich bin mir sehr bewusst, dass der Einsatz öffentlicher Mittel immer sehr gute Gründe haben muss. Vor dem Hintergrund der beschriebenen Aspekte glaube ich jedoch, dass der zeitlich begrenzte Einsatz öffentlicher Mittel zur Unterstützung einer schnellen Marktdurchdringung der Elektromobilität gerechtfertigt ist. Der langfristige Nutzen wird die Kosten solcher zeitlich befristeten Anreize im Erfolgsfall deutlich übersteigen. Darüber müssen Politik und Automobilindustrie reden, um gemeinsame Lösungen dafür zu finden, wie die großen Preisunterschiede überwunden werden können.“

Mit gutem Beispiel ist die Bundesregierung in Sachen eigenem Fuhrpark allerdings bis jetzt auch nicht vorangegangen. Ab 2013 sollten eigentlich 10 Prozent der neu gekauften oder angemieteten Dienstwagen elektrisch fahren. Lediglich vier von 17 Bundesministerien haben die selbst gesetzte Quote erreicht.

„Die Leute kaufen einfach keine Elektroautos“, beklagte sich Anfang März Vorstandschef Stefan Wolf vom Zulieferer ElringKlinger. „Sie sind zu teuer.“  Die Entscheidung der Bundesregierung, keine direkten Kaufprämien zur Förderung der E-Autos anzubieten, dürfte die Erreichbarkeit des Elektro-Ziels ebenfalls erschweren.

Kommentare

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  1. Andy sagt:

    E-Autos sind sowohl technologisch als auch preislich völllig uninteressant. Wer ist so blöde und kauft einen e-Golf für 35.000 Euro, der neben der Unsicherheit des Systems an sich (Reichweite, Wintertauglichkeit, batterielebensdauer) noch 15.000 Euro teurer als ein Benziner ist. Diese Mehrkosten können sich neimals amortisieren.
    Dazu kommt noch der Witz, daß ein Benzinmotor aus unzähligen hochpräzisen einzelteilen gefertigt ist und einen erheblichen Montageaufwand bedeutet, eine Einspritzanlage braucht usw. Ein Wlektromotoer ist völlig einfach, die Regelelektronik billiger als eine hochkomplexe Einspritzanlage mit Auspuff, Kat und Lambda-Sonde.
    Die Preise sind daher völlig überzogen, des e-Auto ist bereits tot, bevor seine angestrebte Zeit überhaupt begonnen hat.

    • biersauer sagt:

      Dieser Mehrpreis von 15.000 ist aber im ersten Jahr durch die Ersparnis wieder
      kompensiert!

      • Ganbare sagt:

        Vorausgesetzt Sie fahren über 12000 km im Jahr.
        Ein Auto mit der 150 km Reichweite kann nur in der Stadt gefahren werden, auf Kurzstrecke.
        Z.B. E-Smart.
        Monatliche Batterie-Miete:65 € incl. MwSt.
        Was heute für ca. 45 Liter Super und bei 4,5 Liter pro 100 km für ca. 1000 km reicht.
        Dabei sind die Stromkosten noch gar nicht mitberechnet.
        Da sehr viele nicht mal 5000 km pro Jahr schaffen, warum soll ich für etwas zahlen, was ich gar nicht verbrauche ?
        Und wenn ich eine Taschenlampe kaufe, bin ich nicht gezwungen die Batterien vom Lampenhersteller zu kaufen.
        Hier gibt es keine Garantie, das die Batterien noch in vier oder fünf Jahren noch gibt.

        Somit ist der Mehrpreis völlig überzogen.
        Öko hin oder her, aber wirtschaftlich sind die E-Autos völllig uninteressant.
        In diesem Punkt hat der Andy absolut Recht.

  2. eckieok sagt:

    Selbstbau ist die Devise, wenn die Industrie versagt.
    Man lasse sich aus China einen in Wien entwickelten und in Wuxi produziierten Nabenmotor und eine in China produzierte Lithiumbatterie mit dem Fedex ins Haus kommen und bastle in der Garage oder in der Kellerwerkstatt einen geeigneten Ramen.
    Teile von Fahrrädern gibts aus dem Fahrradladen oder vom Schrottplatz
    Der Erfolg ist gewiss und bereits Tausende Kilometer auf den österr. Strassen und Radwegen, sind beredtes Zeugnis daür.
    Sich nicht vom Unvermögen unserer Politiker und dem Starrsinn der Industrie entmutigen lassen !

  3. karl sagt:

    Es hatte diese Choose schon ganz verkehrt begonnen, indem mittels Abwrackprämie lediglich die ERDÖLMOTORE prolongiert wurden.
    Leider hatten die Politiker, wie allzuoft, mit dieser Weichenstellung, voll ins Leere gegriffen. Schade, denn die Chinesen haben den besseren Weg eingeschlagen und sind nun vorneweg.

  4. FoCS sagt:

    Ich finde es unmöglich, wie die Bevölkerung die Wünsche ihrer Regierung ignoriert. Da fehlt es einfach an Respekt gegenüber der Obrigkeit.

    Umso verwerflicher, da doch allgemein bekannt ist, dass durch den Umstieg auf das Elektroauto unsere Umwelt gerettet wird.

  5. Leopold Franke sagt:

    Deutsche wollen…
    Wieder so ein Medienflop. Was soll ich mit einem Auto, das ich nach 50 bis 100 km wieder für Stunden an die Sromtankstelle hängen muss? Ich kann damit tagsüber zum Bäcker fahren, aber den Ausflug am Wochenende kann ich mir schon abschminken. Für private Nutzung ist das System noch nicht ausgereift genug! Auch wenn die Automobilindustrie über ihre Lobby anders verkündet!

  6. syssiphus sagt:

    Prämien auf Steuerzahlerkosten um den Verkauf anzukurbeln, lösen die Probleme dieser Fahrzeuge nicht.Ich würde die E-Auto-Quote mit der Frauenquote verknüpfen,d.h. die müssten überwiegend von Quotenfrauen gefahren werden.Frau Merkel sollte eigentlich nur noch in solch einem PKW fahren (dürfen),schon wegen der Vorbildfunktion. Leider erinnert das an die sog. Pharisäer,also E-Mobilität predigen und einen Big-Block fahren.