Sieg der Pharma-Konzerne: EU genehmigt Import genetisch veränderter Pflanzen

Die Pharmalobby hat einen entscheidenden Sieg beim Import genetisch veränderter Pflanzen (GVO) erzielt. Die EU genehmigte die Einfuhr im Wirtschaftsraum, ermöglicht es einzelnen Staaten aber, ein nationales Importverbot zu verhängen. In Deutschland werden bereits in großem Umfang GVO für Futter importiert.

Die Europäische Kommission hat den Import von neuen genetisch veränderten Nutzpflanzen zugelassen. Insgesamt sei die Einfuhr von zehn Sorten Mais, Sojabohnen, Baumwolle und Rapsschoten genehmigt worden, teilte die Kommission am Freitag mit. Da Gensoja oder Genmais aber umstritten sind, hat die Kommission ihren Mitgliedsstaaten erst vor zwei Tagen nationale Einfuhrverbote vorgeschlagen.

Die nun zugelassenen genetisch veränderten Organismen (GVO) können in den nächsten zehn Jahren für Lebensmittel und Tierfutter verwendet werden. In der Praxis werden GVO-Importe, die von Monsanto, BASF und Bayer CropScience angeboten werden, aber vor allem in der Tiermast eingesetzt. Vor allem US-Konzerne wie Monsanto, Dow Chemical und Dupont machen mit GVO-Saatgut weltweit Milliarden-Umsätze. In Europa zählen BASF, Syngenta und Bayer Cropscience zu den führenden GVO-Anbietern.

Die Kommission verlängerte auch die Zulassung für sieben bereits genehmigte GVO-Pflanzen um weitere zehn Jahre. Hiervon profitieren neben Bayer auch Dupont und Dow AgroSciences. Auch zwei neue Nelkensorten von Suntory Holdings dürfen neu eingeführt werden.

Die Bundesregierung steht einem nationalen Importverbot für Gensoja oder Genmais trotz allgemeiner Ablehnung gentechnisch veränderter Nutzpflanzen skeptisch gegenüber. „Die Bundesregierung wird den Vorschlag eingehend prüfen“, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums zu einer am Mittwoch von der EU-Kommission vorgestellten Initiative. Schon jetzt lasse sich allerdings sagen, „dass negative Auswirkungen auf die Warenverkehrsfreiheit im EU-Binnenmarkt zu befürchten sind“.

„Unklar ist auch (…) wie bei dem Vorschlag die Nutzungsbeschränkungen oder Verbote in der Praxis kontrolliert werden sollen“, warnte ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums. In Deutschland werden bereits in großem Umfang GVO für Futter importiert. So brauchen etwa Schweine eiweißreiche Nahrung, um schnell wachsen zu können. Deswegen wird ihrem Futter Importsoja beigemischt, denn in Europa wird weniger als zehn Prozent des Sojabohnenverbrauchs aus eigenem Anbau gedeckt. Nach früheren Angaben der Umweltschutz-Organisation WWF stammen über 80 Prozent aller deutschen Soja-Importe von genetisch veränderten Pflanzen.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) kritisiert die Pläne der EU-Kommission scharf. „Die Pläne von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker machen den gemeinsamen europäischen Markt kaputt“, erklärte DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling. Es müsse einheitliche Zulassungsverfahren für Importe aus Drittländern geben. Greenpeace bezeichnete den Vorstoß als Mogelpackung, durch die längerfristig mehr GVO-Lebensmittel konsumiert werden würden. Nationale Importverbote seien mit erheblichen rechtlichen Problemen verbunden und könnten von der GVO-Branche angefochten werden. Nach Greenpeace-Angaben stehen in der EU 17 Gentechnik-Pflanzen vor der Importzulassung, bei weiteren 40 sei die Zulassung beantragt worden.

Kritiker sehen in den GVO-Pflanzen Risiken für Umwelt und Gesundheit. Die Befürworter verweisen dagegen auf höhere Erträge durch die gentechnisch erzeugten Eigenschaften wie Resistenzen gegen Schädlinge und Unkrautvernichtungsmittel. In Deutschland herrscht eine breite Ablehnung von Lebensmitteln aus GVO, während sie in den USA weitgehend akzeptiert sind.

Kommentare

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  1. Uwe Thomas sagt:

    Ich will, daß alle! in irgendeiner Form mit gentechnisch veränderten GVO-Pflanzen verunreinigten Lebensmitteln auf eine *sehr deutliche* Weise gekennzeichnet werden.

    Diese Kennzeichnung muß für jedermann/frau auf den ersten Blick erkennbar sein, damit jedermann/frau diese *Lebensmittel* links liegen lassen kann!

    Denn ich kann mir kaum vorstellen, daß es Menschen gibt, die diesen genmanipulierten Müll freiwillig essen…

  2. Leopold Franke sagt:

    Die Siege der Konzerne
    werden der EU irgendwann den Hals brechen. Dafür brauchen wir diese Organisation nicht und dafür werden wir auch nicht die immensen Kosten dieser Monster-Organisation zahlen!