Streiks rücken näher: Post-Angestellte fordern mehr Geld für weniger Arbeit

Die Gewerkschaft Verdi fordert 5,5 Prozent mehr Lohn für die Angestellten der Post. Dem Unternehmen entstünden dadurch Mehrkosten von 600 Millionen Euro. Unbefristete Streiks scheinen unvermeidlich.

Der Deutschen Post könnte bald ein Arbeitskampf ins Haus stehen. Die Gewerkschaft Verdi verschärfte am Freitag ihren Kurs. Sie fordert für die 140.000 Tarifbeschäftigten bei dem Konzern neben kürzeren Arbeitszeiten auch deutlich mehr Geld. Die Löhne sollten bei einer Laufzeit von zwölf Monaten um 5,5 Prozent angehoben werden, sagte ein Verdi-Sprecher am Freitag. Zudem solle die Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich sinken.

Die Post wies die Forderungen entschieden zurück: Diese gingen „an der Wirklichkeit vorbei“, betonte Personalchefin Melanie Kreis am Rande der Gespräche mit Verdi in Berlin. Der Post drohten Mehrkosten von 600 Millionen Euro, wenn sie die Wunschliste von Verdi erfülle.

Eskaliert der seit Monaten andauernde Tarifstreit weiter, droht der Post ein unbefristeter Streik. Die Verbraucher stünden dann vor leeren Briefkästen. Verdi fordert eine Verkürzung der Wochen-Arbeitszeit auf 36 von 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die Gewerkschaft reagierte damit auf die Strategie des Post-Vorstands, neue Brief- und Paketzusteller in Deutschland unbefristet für weniger Lohn in neu gegründeten Gesellschaften arbeiten zu lassen. Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis hatte dies als „sozialpolitischen Skandal ersten Ranges“ bezeichnet. Verdi hatte dies mit mehreren bundesweiten Warnstreikswellen unterstrichen. „Das bleibt auf dem Tisch“, sagte der Sprecher.

Drei Verhandlungsrunden mit der Post zur Arbeitszeit waren ohne greifbares Ergebnis geblieben. Die Post hatte dabei ein Modell für neue Arbeitszeiten auf den Tisch gelegt, das einen Lohnausgleich ausgeklammert hatte. Der Konzern argumentiert, die Frage nach einem Lohnausgleich könne nur im Zusammenhang mit der anstehenden Lohnrunde beantwortet werden. Diese ist mit der Verdi-Forderung nun eröffnet worden – die Karten liegen auf dem Tisch.

Post-Personalchefin Kreis unterstrich, das Verdi-Paket sei „schlicht nicht finanzierbar“. Es würde den „bestehenden enormen Personalkostennachteil gegenüber unseren Wettbewerbern erheblich verschärfen“. Die Post hatte immer wieder beklagt, dass ihre Lohnkosten des Konzerns in Deutschland deutlich über denen von Wettbewerbern wie UPS, TNT oder DPD lägen. Verdi hatte in der vorangegangenen Lohnrunde mit der Post einen Tarifvertrag ausgehandelt, der Lohnerhöhungen in zwei Stufen von 3,1 und 2,6 Prozent vorsah. Dieser läuft Ende Mai aus.

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