Post: Verhandlungen abgebrochen, Streik angekündigt

Verdi brach am Samstag die Verhandlungen über kürzere Arbeitszeiten mit der Deutschen Post ab. Die Gewerkschaft kündigte einen Arbeitskampf ab nächster Woche an. Der Post drohen nach eigenen Angaben Mehrkosten von 600 Millionen Euro, wenn sie die Wunschliste von Verdi erfülle.

Deutschland muss sich auf leere Briefkästen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi brach am Samstag die Verhandlungen über kürzere Arbeitszeiten mit der Deutschen Post ab und kündigte einen Arbeitskampf an. „Die Zeichen stehen auf Sturm“, sagte Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis in Berlin. In der kommenden Woche werde es „bundesweite Streikmaßnahmen“ geben. Die Ausstände könnten auch mehrere Tage dauern. „Das Vorgehen der Gewerkschaft ist nur sehr schwer verständlich“, sagte ein Post-Sprecher. Der Konzern habe unter anderem eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis 2018 angeboten, Verdi reagiere darauf mit einem Aufruf zum Arbeitskampf.

Das Klima zwischen Post und Verdi ist bereits seit Monaten vergiftet. Der Bonner Konzern hatte angekündigt, Tausende neue Stellen schaffen zu wollen – dies geschieht aber in 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne als im Konzern gelten. Verdi sieht darin einen Bruch geltender Verträge und läuft dagegen Sturm. Kocsis hatte mit der Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten reagiert und dies mit Warnstreiks unterstrichen. Die 140.000 Tarifbeschäftigten des Konzerns sollen nach ihrem Willen künftig 36 statt 38,5 Stunden in der Woche arbeiten – bei vollem Lohnausgleich. Verdi hatte am Freitag dann noch 5,5 Prozent mehr Lohn gefordert.

Das Verdi-Paket gehe „an der Wirklichkeit vorbei“, hatte Post-Personalchefin Melanie Kreis am Rande der vierten Gesprächsrunde mit Verdi in Berlin gesagt. Der Post drohten Mehrkosten von 600 Millionen Euro, wenn sie die Wunschliste von Verdi erfülle. In der Gesprächsrunde hatte Kreis der Post zufolge angeboten, den Ende des Jahres auslaufenden Kündigungsschutz bei der Post um drei Jahre bis Ende 2018 zu verlängern. Zugleich legte sie ein Maßnahmenbündel auf den Tisch, das auf eine „spürbare Verkürzung“ der Arbeitszeit um rund eine Stunde pro Woche ohne einen Lohnverzicht hinauslaufe. „Mit diesem Angebot gehen wir angesichts unseres bestehenden Wettbewerbsnachteils bei den Lohnkosten an die Grenzen des Möglichen“, betonte Kreis.

Verdi schmetterte die Offerte ab. Die Post sei nicht bereit, die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich auf 36 Stunden zu verkürzen, unterstrich Kocsis. Mit ihrem Angebot verschärfe die Post den Tarifkonflikt. „Das werden die Beschäftigten nicht hinnehmen“, kündigte sie an.

Die Post hatte immer wieder beklagt, ihre Lohnkosten lägen in Deutschland deutlich über denen von Wettbewerbern wie UPS, TNT oder DPD. Dies müsse sich ändern. Verdi hatte in der vorangegangenen Lohnrunde mit der Post einen Tarifvertrag ausgehandelt, der Lohnerhöhungen in zwei Stufen von 3,1 und 2,6 Prozent vorsah. Dieser läuft Ende Mai aus – für ihre Lohnforderung kann die Gewerkschaft noch nicht streiken.

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