Deutscher Mittelstand nutzt Digitalisierung nur zaghaft

Mehr als die Hälfte der Mittelständler sieht in der zunehmenden Digitalisierung große Chancen. Ein Großteil der Unternehmen hat das Thema bisher jedoch eher vernachlässigt. Hoher Kostenaufwand, Schnelllebigkeit und die Komplexität schrecken viele Unternehmer noch ab.

Zwar erkennen die deutschen Mittelständler die Möglichkeiten der Digitalisierung, jedoch nutzen sie diese bisher noch viel zu wenig. So sehen 86 Prozent der Unternehmer und Manager in der Digitalisierung eine „große Chance“ für den Industriestandort Deutschland. Allerdings gaben mehr als die Hälfte (63 %) an, dass der Mittelstand das Thema Digitalisierung bisher eher vernachlässige, so eine Commerzbank–Studie.

Nur jedes sechste Unternehmen zählt in Deutschland zu den digitalen Vorreitern, so die von TNS Infratest durchgeführte Studie. Dies seien Unternehmen, die überdurchschnittlich stark und erfolgreich auf neue Trends der Digitalisierung setzen.

Viele Mittelständler gaben an, derzeit eher auf Kostenreduktion und Produktivitätssteigerung setzen zu müssen. Die Erschließung neuer Vertriebswege (32 %) und Entwicklung von Produkt- und Dienstleistungsinnovationen (37 %) sind für viele Mittelständler nicht ganz so entscheidend, so die Studie.

„Der Fokus auf Kosten und Effizienzsteigerung ist sicher nie falsch, aber es erscheint sinnvoll, Digitalisierung nicht in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der Kosteneffizienz zu betrachten“, sagt  Stefan Groß-Selbeck, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der XING AG und heute Partner und Geschäftsführer des Berliner Büros bei BCG Digital Ventures. „Traditionelle Unternehmen können hier von Start-ups lernen, indem sie neue Technologien nicht nur einsetzen, um Produktivitätsfortschritte zu erzielen, sondern auch ganz neue Wege ausprobieren, um neue Kundengruppen und Vertriebswege zu erschließen und neue Angebote zu schaffen.“

Besonders im Bereich der Big Data und des Cloud Computings halten sich die Mittelständler noch zurück, so die Studie. Die Komplexität und Geschwindigkeit der technischen Entwicklung (52 Prozent), der hohe Investitionsbedarf (50 Prozent), die Datenschutzfragen (49 Prozent) und das Fehlen verlässlicher Standards (42 Prozent) seien die größten Herausforderungen für die Unternehmen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.