Mittelstand: Bürokratie schadet Unternehmen und Wirtschaft

Für 92 Prozent der Unternehmen ist die Belastung durch die Bürokratie zu hoch. Der zeitliche Aufwand sei enorm und Abläufe im Unternehmen verzögerten sich, so die Mittelständler. Bei jedem Dritten scheiterten bereits neue Projekte im Unternehmen aufgrund zu hoher Bürokratie.

Deutschland gilt gemeinhin als Land der Bürokratie. Im Rahmen des Programms „Bürokratieabbau und bessere Rechtssetzung“ wollte die Bundesregierung Unternehmen deshalb entlasten. Der 2012 eingeführte Bürokratiekostenindex gibt seitdem an, wie sich die „Bürokratiekosten der Wirtschaft im Zeitablauf verändern“, heißt es in einer Definition des Statistischen Bundesamtes.

Seit Anfang des Jahres ist der Bürokratieindex im Vergleich zu den Vorjahresmonaten gesunken. Im deutschen Mittelstand sieht die Wahrnehmung der Bürokratie jedoch ganz anders aus. 92 Prozent der Unternehmen empfinden die Bürokratiebelastung als hoch bzw. sehr hoch, wie eine aktuelle Untersuchung durch TNS Emnid im Auftrag des Software-Unternehmens Sage zeigt.

Mehr als zwei Drittel der Firmen gaben sogar an, sie hätten das Gefühl, die Bürokratiebelastung sei in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. Besonders in den Bereichen Steuern, Sozialversicherung, Arbeitsschutz, Arbeits-und Sozialrecht sowie hinsichtlich der Dokumentationspflicht ist der Aufwand für die befragten Unternehmen zu groß.

Darüber hinaus ist für 96 Prozent der Befragten die Zahl der Gesetze und Verordnungen zu hoch. Die Mehrheit beanstandet zudem die stetigen Veränderungen und die schwere Verständlichkeit der Gesetze.

In Sachen Bürokratiebelastung sind vor allem Unternehmen von 50 bis 249 Mitarbeitern betroffen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass diese Unternehmen die Bürokratiebelastung in fast allen oben genannten Teilbereichen am häufigsten wahrnehmen.

Die Kleinunternehmen bis 49 Mitarbeiter geben insgesamt in den verschiedenen Bereichen eine niedrigere Belastung an als die größeren. Nichtsdestotrotz sehen auch hier 91 Prozent die Bürokratiebelastung insgesamt als zu hoch bzw. sehr hoch an.

Als besonders störend an der Bürokratie empfinden die Unternehmer den hohen zeitlichen Aufwand und die damit einhergehende Verlangsamung von Abläufen (44 %). Hohe Kosten durch den personellen Aufwand und die Praxisferne vieler Regelungen werden ebenfalls kritisiert.

Die Folgen des Bürokratieaufwandes zeigen sich auch in den Reaktionen der Unternehmen. So sind 37 Prozent der Unternehmer nach eigenen Angaben durch die Bürokratie von der Einstellung neuer Mitarbeiter abgehalten worden. Knapp ein Drittel hält sich deswegen bei Investitionen zurück.

Und immerhin sagten 30 Prozent der Befragten, dass sie sogar schon einmal ein Projekt der Firma aufgrund bürokratischer Hürden abgebrochen hätten. Allerdings geben auch 61 Prozent an, sich selbst nicht für den Bürokratieabbau einzubringen.

Was genau sich ändern müsste, um die Bürokratiebelastung zu reduzieren, ist für die Mittelständler klar. Neben einer allgemeinen Vereinfachung des Rechtssystems wünschen sich mehr als zwei Drittel eine Verkürzung der Bearbeitungszeiten in den Ämtern und Behörden. Für die Schaffung einer „zentralen Anlaufstelle für die gebündelte Abwicklung mehrerer behördlicher Verfahren“ sprachen sich 61 Prozent aus.

Die Bundesregierung hatte zuletzt im Dezember des vergangenen Jahres 21 neue Maßnahmen beschlossen. Diese sollen nach eigenen Angaben dazu beitragen, den Mittelstand in Sachen Bürokratie zu entlasten. Im Juli 2015 soll die Bürokratie-Bremse in Kraft treten.

„Die heute verabschiedeten Eckpunkte haben die mittelständische Wirtschaft fest im Blick“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei der Vorstellung der neuen Maßnahmen. „Wir wollen umfassend vereinfachen, entlasten und neue Bürokratie vermeiden.“ Das sei dringend notwendig.

„Die beschlossenen Entlastungen verbessern das Investitionsklima und steigern die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft“, so Gabriel. Für „unsere Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Deutschland“ zahle sich das in mehr Wachstum und Beschäftigung aus.

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  1. GlaubNix sagt:

    was denn bitte versteht Herr Gabriel von Wirtschaft ?
    Hat er jemals selbst etwas konstruktiv nachhaltig erwirtschaftet ?
    Alles hohle Phrasen und Hinhalte-Strategie .