China und Smartwatches: Schweizer Uhrmacher geraten unter Druck

Chinas wachsende Uhrenindustrie und die boomenden Smartwatches könnten die Schweizer Unternehmen wichtige Marktanteile kosten. Nur langsam reagiert die Branche auf die neuen Konkurrenten: Teils mit Ignoranz, teils mit leisem Fortschritt.

Die Schweizer Uhrmacher sind bekannt für ihre Qualität und die ausgewiesene Handarbeit. Doch die Schwierigkeiten, denen sich die Industrie gegenübersieht, nehmen zu. Die Exportzahlen schwanken derzeit. 2014 habe sich das Exportwachstum verlangsamt, teilte der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie mit. In den ersten sechs Monaten wuchs der Exportwert um 3,1 Prozent, im zweiten Halbjahr nur mehr um 0,8 Prozent. Im März konnte im Vergleich zum Vorjahresmonat wieder kurzfristig ein Wachstum verzeichnet werden.

Insgesamt exportierte die Schweizer Uhrenindustrie 2014 Produkte im Wert von 22,2 Milliarden Franken und „erzielte damit dasselbe Wachstum wie 2013, nämlich ein Prozent“, so der Verband. „In Europa waren die Trends der Schweizer Uhren je nach Markt unterschiedlich. Der deutsche Markt büßte 6,4 % ein“, der französische 6,1 Prozent.

Ein Großteil der Exporte entfiel im vergangenen Jahr auf den asiatischen Markt. Und genau aus dieser Region kommt auch die Konkurrenz. 2014 exportierte China als volumenmäßig führender Hersteller 669 Millionen Uhren. Damit erreichte das Wachstum 5,5 Prozent.

An der Baselworld im März nahmen in diesem Jahr 20 chinesische Uhrmacher teil, sagte Wang Mengjin der China Daily. Wang Mengjin arbeitet für den Uhrenverband China Horologe Association. Ihm zufolge hatten es drei sogar in die Ausstellungshalle 1 geschafft. Es seien goldene Zeiten für die chinesischen Uhrenhersteller angebrochen, so Wang Mengjin.

„Ich denke, die Schweizer Uhrmacher haben vielleicht schon bemerkt, dass wir in einigen Bereichen bereits eine Top-Qualität erreicht haben.“ Man liege zwar noch etwas hinter der Schweiz, aber die Lücke sei nicht unüberwindbar. „Einige Schweizer High-End-Uhrenmarken haben dieses Mal bei der Baselworld unsere Ziffernblätter für viel Geld bestellt“, betonte Mengjin.

Mittlerweile wird die chinesische Uhren-Industrie auch auf staatlicher Ebene gefördert. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hatte im Januar Richtlinien herausgegeben, mit denen bis 2020 fünf chinesische Uhrenhersteller auf dem weltweiten Markt etabliert werden sollen.

Doch nicht nur Hersteller aus anderen Ländern drohen die Umsätze der Schweizer Uhrenhersteller zu verringern, sondern auch neue Technologien. Eine aktuelle Untersuchung der Smartwatch Group, ein Forschungsinstitut in der Schweiz, schreibt dem Markt für Smartwatches immenses Wachstumspotential zu. So soll die Smartwatch-Industrie von 1,3 Milliarden Dollar 2014 bis 2020 auf 117 Milliarden Dollar anwachsen. Allein 300 Unternehmen gelten als Top-Marken im Smartwatch-Bereich.

Im März prophezeite der Swatch-Miterfinder Elmar Mock bereits, dass Apple und die anderen Hersteller von Smartwatches die Schweizer Uhrenindustrie erheblich unter Druck setzen werden. „Alles zwischen einer Preisspanne von 500 bis 1.000 Franken ist wirklich in Gefahr“, so Mock auf der Baselworld. „Da kommt eine Eiszeit auf uns zu.“ Man habe gerade in der Schweizer Uhrenindustrie in den vergangenen Jahren viel Arroganz gesehen. Die aktuellen Entwicklungen seien nur die Rechnung dafür, dass die Schweizer Uhrmacher die Smartwatch nicht ernst genommen hätten.

Mittlerweile haben ein paar Schweizer Uhrenhersteller wie Tissot, TAG Heuer und Montblanc reagiert und beginnen, mögliche Verschmelzungen mit ihrem traditionellem Handwerk und der Digitalisierung zu erkunden.

Und der Schweizer Uhrenhersteller IWC präsentierte vor Kurzem die neue Armbanduhr Connect. „Mit dem intelligenten Tool, das in das Armband mechanischer IWC-Uhren integriert ist, kann der Träger Geräte bedienen, die mit dem sogenannten Internet of Things (IoT) verbunden sind“, so der Hersteller. Darüber hinaus ließen sich damit die verschiedensten Aktivitäten aufzeichnen und auswerten.

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