Capital Economics: Eurozone ist ein Desaster

Für Großbritannien wäre ein Austritt aus der EU gut, rät der britische Top-Ökonom Roger Bootle. Die Folgen eines Euroaustritts seien überbewertet. Zu viele Probleme habe die EU. Neben Griechenland sieht Bootle vor allem Italien in Gefahr.

Es ist kaum eine Woche her, dass David Cameron erneut die Wahlen für sich entscheiden konnte. Und schon sind die Diskussionen über ein Referendum hinsichtlich des Verbleibs Großbritanniens in der EU wieder in vollem Gange. Camerons Partei selbst erwägt bereits, dass Referendum vorzuziehen.

Für den Ökonom Roger Bootle von Capital Economics wäre ein Austritt Großbritanniens aus der EU ein guter Schritt. Die Auswirkungen eines solchen Austritts seien überbewertet. Vielmehr könnte eine Deregulierung infolge eines Brexit die Wirtschaft ankurbeln.

Unabhängig von den wirtschaftlichen Vorteilen, die Bootle in einem Brexit sieht, kritisiert er aber vor allem die Eurozone als fehlgeschlagenes Konstrukt. Ein Konstrukt, das Dinge zusammengeführt habe, die nicht zusammen gehören.

„Ich denke, die Eurozone ist ein komplettes Desaster, und das habe ich von Anfang an gesagt“, so Bootle in einem Interview mit MoneyWeek. Es gebe zwei entscheidende Probleme. Eine Schwierigkeit ist Bootle zufolge der Süden mit Ländern wie Griechenland, Italien und Spanien. Diese seien nicht wettbewerbsfähig mit den Ländern im Norden und könnten dies nun aufgrund fehlender Wechselkurse nicht mehr ausgleichen können. „Griechenland hat in den vergangenen sechs bzw. sieben Jahren 25 Prozent seines BIPs verloren“, sagte Bootle. „Das ist schrecklich, wirklich schrecklich.“

Und andererseits würde vor allem in den Niederlanden und in Deutschland zu viel erspart. Es herrsche eine zu strenge Politik. „Die deutschen  Unternehmen verkaufen in Europa und auf der ganzen Welt all diese wunderbaren Dinge, und dann wird das, was sie einnehmen, nicht wieder vollständig ausgegeben.“ Früher hätte ein steigender Kurs der D-Mark diese Entwicklung begrenzt, mit dem Euro sei das nicht möglich, so der Bootle.

Darüber hinaus könne aber gerade „Italien kann glücklich sein, Griechenland im System (der EU) zu haben“. Denn Griechenland ziehe die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Zwar sei die Situation in Griechenland aus dem Ruder gelaufen, aber die Fundamentaldaten Italiens seien eigentlich nicht besser. Italien habe seit dem Euro eigentlich kein Wachstum generieren können. Die „Wirtschaft ist sklerotisch.“ Würde Italien aus der Eurozone austreten, würde die Lira sofort um 30 oder 40 Prozent fallen, warnt Bootle.

Kommentare

Dieser Artikel hat 5 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Andy sagt:

    die Deutschen wollten die EUdSSR und den Euro unbedingt haben, also sollen sie ihn gefälligst auch bezahlen. Angeblich bringt der Euro ja sooo viele Vorteile für Deutschland, da ist das Finanzieren der diversen Pleitiers ja ganz locker drin. Die Deutschen brauchen offenbar in jedre geberation den völligen Zusammenbruch und die Verarmung, sonst fühlen sie sich nicht wohl. Man sieht ja, wie sie sich in jeder Niederlage suhlen und sich Asche auf’s Haupt streuen. Wenn es der Mehrheit Spaß macht, soll sie es haben.

  2. Matthes sagt:

    Eurozone ist ein Desaster?
    Das steht wohl schon lange fest. Die EU hat ihre Ziele nicht umgesetzt sondern nur immer neue Mitglieds-Staaten mit einer Politik des billigen Geldes und mit Umverteilung angelockt. Versiegt die Geldquelle Deutschland spielt niemand mehr mit. Es heisst nicht „Fällt der Euro fällt Europa“ sondern „Fällt Deutschland fällt Europa“.

  3. Hans von Atzigen sagt:

    Der Schaden ist längst unübersehbar angerichtet.
    Da haben sich ganze Staaten und Volkswirtschaften im Irrglauben,
    der Euro sei eine Sichere Währung massiv Überschuldet.
    Kaum beachtet im Verlauf der Euro- Laufzeitzeit,
    wurden ganze Volkswirtschaften Umstrukturiert.
    Zb. Griechenland schon vor der Euro- Zeit mit schwacher
    Realproduktivität weiter massiv geschwächt.
    Heisst schleichend in eine erdrückend Konsumlastige
    Volkswirtschaft Umstrukturiert.
    Das dies der Brüsseler EU- Zentrale nicht längst
    aufgefallen ist sagt NUR eines aus.
    Die EU hat Wirtschaftspolitisch oberjämmerlich versagt.
    Den Kontinent Europa in ein sich immer deutlicher, sich
    anzeichnendes, Megadesaster geritten.
    Freundliche Grüsse

    • Elmar Popp sagt:

      TJA stimmt. Die Frage ist nur noch wie das Ergebnis aussieht fuer jeden einzelnen und was nach dem Desaster uebrig gleicht. Wenn so ein grosser Betrieb in Insolvenz geht? Haben Sie noch eine Idee. Griechenland und weitere stehen vor der Fuer.

  4. Leopold Franke sagt:

    Austritt ein guter Schritt?
    Nicht nur für England. Wäre auch für Deutschland gut. Die EU hat alle ihre Ziele verfehlt und eine reine EU-Transferunion brauchen wir bestimmt nicht!