Bundesbank: Mindestlohn erhöht Verbraucherpreise

Der zum Jahresbeginn eingeführt Mindestlohn hat bereits für erste Preiserhöhungen gesorgt. Unternehmen gaben die Mehrkosten an den Konsumenten weiter. Im Taxi-Bereich etwa stiegen die Preise um bis zu zehn Prozent. Gleichzeitig ging die Zahl der Billigarbeiter zurück.

8,50 Euro die Stunde sieht der seit Januar 2015 geltende, gesetzliche Mindestlohn vor. Ein Lohn, der in etlichen Branchen zuvor nicht einmal annähernd gezahlt wurde. Vor allem im Dienstleistungsbereich gab es in Deutschland eine umfangreiche Anpassung an den Mindestlohn. So beispielsweise im Friseurhandwerk und im Gastgewerbe. Hier machen die Arbeitskosten einen hohen Anteil der Gesamtkosten eines Betriebes aus.

Viel wurde im Vorfeld vor möglichen unternehmerischen Konsequenzen und Preiserhöhungen gewarnt. Nun legt der aktuelle Monatsbericht der Bundesbank erste Zahlen vor. „Der neue allgemeine Mindestlohn hatte in vielen Branchen einen kräftigen Anstieg der Stundenlöhne in den unteren Entgeltgruppen zur Folge“, heißt es in dem Bericht.

So sind die Gehälter im Taxigewerbe zum 1. Januar 2015 von 6 bis 6,50 Euro die Stunde in Westdeutschland und „deutlich niedrigeren Beträgen in Ostdeutschland“ auf 8,50 Euro angehoben worden, so die Bundesbank. „Dabei ist zu beachten, dass die Vergütung im Taxigewerbe bisher häufig über Umsatzbeteiligungen erfolgte und ein Stundenlohn nur typisierend angegeben werden kann.“

Nichtsdestotrotz könne der „kräftig kostensteigernde Effekt“ des allgemeinen Mindestlohns als gesichert gelten. So sind die Taxifahrten im Bundesdurchschnitt zu Jahresbeginn „schlagartig“ um 5,2 Prozent teurer geworden. In den darauffolgenden Monaten kam es zu weiteren Preisanstiegen. Insgesamt steigen die Preise seit Jahresbeginn um zehn Prozent. „Ein wesentlicher Grund für die zeitlich konzentrierte Überwälzung des mindestlohnbedingten Kostenschubs auf die Preise dürfte die kommunale Genehmigungspflicht sein, der Taxitarife unterliegen.“

So gab es im Friseurhandwerk seit November 2013 einen allgemeinen branchenspezifischen Mindestlohn von 7,50 Euro die Stunde in Westdeutschland und 6,50 Euro die Stunde in Ostdeutschland. Nach einer Erhöhung auf 8,00 Euro pro Stunde und 7,50 Euro die Stunde im August 2014 wird ab August 2015 der gesetzliche Mindestlohn auf 8,50 Euro erhöht. „Zuvor hatte der tarifliche Stundenlohn laut WSI-Tarifarchiv in den niedrigsten Entgeltgruppen in Westdeutschland zwischen 5 Euro und 8 Euro betragen, während er in Ostdeutschland in einigen Ländern nicht viel mehr als 3 Euro erreichte.“

Insgesamt sind seit Dezember 2012 die Preise für Friseurdienstleistungen in Deutschland bisher um mehr als acht Prozent angehoben worden. In den zehn Jahren Zuvor waren die Preise nur um gut 1 Prozent pro Jahr gestiegen. Durch die schrittweise Erhöhung des Lohnes verteilte sich der Preisanstieg über mehrere Jahre. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns wird demnach aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer weiteren leichten Anhebung.

Die Bundesbank geht dennoch davon aus, dass nur etwa ein Drittel der im Verbraucherpreisindex gelisteten Dienstleistungen vom Mindestlohn betroffen sind. „Der Preisanpassungsprozess ist aber wohl noch nicht abgeschlossen, insbesondere in den Branchen, in denen die Übergangsfristen des Mindestlohngesetzes genutzt werden.“

Auswirkungen des Mindestlohns waren dann auch auf dem Arbeitsmarkt zu spüren. Zwar ging die Arbeitslosigkeit statistisch seit Januar gesehen zurück, die Erwerbstätigkeit wuchs in den ersten Monaten des Jahres jedoch kaum. Der Arbeitsverwaltung zufolge ist eine „kräftige Abnahme der geringfügigen Beschäftigung dafür verantwortlich.

„Diese Stellen sind vom allgemeinen Mindestlohn besonders betroffen, da schätzungsweise nahezu die Hälfte der Minijobber zuvor Stundenlöhne unterhalb der jetzt gültigen Lohnuntergrenze erhielten.“ Vielfach dürften Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen umgewandelt oder zu solchen zusammengefasst worden sein, ist im Monatsbericht der Bundesbank zu lesen.

So ist die Zahl der Minijobber in Deutschland im ersten Quartal um 3,5 Prozent zurückgegangen. Das geht aus dem aktuellen Bericht der Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See zurück. Vor allem in Sachsen-Anhalt (-7,7%) und Thüringen (-6,6%) waren die stärksten Rückgänge im Vergleich zum Vorquartal verzeichnet worden.

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  1. hugo sagt:

    Bundesbank: Mindestlohn erhöht Verbraucherpreise
    ich: Zins erhöht Verbraucherpreise