Registrierkassen: Österreicher müssen Kaufbelege künftig aufheben

Alle Österreicher müssen künftig ihre Bareinkäufe mit Kassenbelegen nachweisen können. Einzelhändler und Betriebe müssen all ihre Transaktionen detailliert nachweisen. Österreichs Regierung hofft durch die Reform auf jährliche Mehreinnahmen von 900 Millionen Euro. Die Wirtschaftskammer spricht von Generalverdacht gegenüber Unternehmen.

Im Rahmen der Steuerreform 2015 soll in Österreich die Registrierkassenpflicht eingeführt werden. Diese beinhaltet eine Belegpflicht bei allen Barverkäufen. Diese unterteilt sich in eine Belegerteilungspflicht für die Unternehmen und eine Belegannahmepflicht für die Kunden, berichtet der ORF. Im Zusammenhang mit der Belegpflicht werden Italien, Griechenland und Ungarn von der Regierung in Wien als Beispiele herangezogen.

Das heißt: Künftig muss jeder Österreicher für jeden Barkauf einen Beleg vorweisen können. Die Belegpflicht umfasst auch alltägliche Anschaffungen wie Brötchen- oder Kuchenkäufe.

 

Bisher mussten österreichische Betriebe mit einem Jahresumsatz von weniger als 150.000 Euro gemäß der Barbewegungs-Verordnung ihre Einnahmen nicht einzeln auflisten. Die Zählung wurde per Kassensturz vorgenommen.

Die neue Regelung sieht nun vor, dass alle Unternehmen mit einem Mindestjahresumsatz von 15.000 Euro eine Registrierkasse verwenden müssen. Betriebe wie Maronibrater und Schirmbars sind weiter eine Ausnahme. Sie müssen bis zu einem Umsatz von 30.000 Euro im Jahr keine Belege ausstellen.

Der österreichische Fiskus erhofft sich durch die neue Regelung jährliche Mehreinnahmen in Höhe von 900 Millionen Euro. Die österreichische Bundesregierung wird am 16. Juni einen endgültigen Beschluss zur Steuerreform festlegen.

Bundeskanzler Faymann zufolge seien die Registrierkassenpflicht und die Kontoeinsicht für Finanzbehörden notwendig, um die Steuerreform umsetzen zu können. „Wir haben einen relativ hohen Betrag an Einnahmen zur Finanzierung der Steuerentlastung aus der Betrugsbekämpfung eingestellt, es ist nun unsere Verpflichtung hier Konsequenz zu zeigen.“

Die Wirtschaftskammer Österreich hatte zur Einführung der Registrierkassen bereits im Herbst vergangenen Jahre eindeutig Stellung bezogen. „Wenn die SPÖ  glaubt, durch eine Registrierkassenpflicht 500 Millionen bis eine Milliarde Euro an Steuern hereinholen zu können, so entbehrt diese Schätzung jeglicher seriöser Grundlage und grenzt an Kaffeesudleserei.“

Die Einführung der Registrierkassen auch für kleinere Unternehmen sei eine „Brüskierung aller österreichischen Unternehmen“. Denn „er unterstellt, dass die Betriebe den geschätzten Steuerausfall bewusst verursachen würden“, so die Wirtschaftskammer. „Damit wird die heimische Wirtschaft unter den Generalverdacht der Steuerhinterziehung gestellt und verunglimpft.“

Um allgemeinen Beleg-Manipulationen präventiv vorzugreifen, sollen „Integrierte Sicherheitslösungen für messwertverarbeitende Kassensysteme“ (INSIKA) eingeführt werden, so der Der Standard. Beim INSIKA-System wird durch Einsatz einer Smartcard für jede finanzielle Transaktion ein elektronischer Verschlüsselungs-Code erstellt, der fälschungssicher sein soll.

Die Registrierkasse muss den Code gemeinsam mit dem Originalbeleg abspeichern, damit nachträgliche Manipulationen erkannt werden können. Fehlende Belege können identifiziert werden, weil das INSIKA-System durchgehende Nummer vergibt. Die Transaktionen werden im technischen Idealfall durchgehend auf den Server des Finanzministeriums weitergeleitet.

Das System der Registrierkassen hat jedoch Schwachstellen. Eine Manipulation kann nicht ausgeschlossen werden. „Kein technisches Verfahren kann alle Möglichkeiten der Manipulation elektronischer Kassen- und Buchführungsdaten unterbinden“, räumte  jüngst auch die deutsche Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen ein. Demnach schätzt das Finanzministerium Nordrhein-Westfalen den bundesweiten Steuerausfall aus Kassenmanipulationen auf insgesamt fünf bis zehn Milliarden Euro.

Kommentare

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  1. biersauer sagt:

    Für Steuergeld-Verschwendung wird kein „Verantwortlicher“ verantwortlich gemacht

  2. biersauer sagt:

    das wird manche Gewerbetreibende in den Ruin treiben und zu Sozialfällen machen.

  3. Hans von Atzigen sagt:

    Dem erlauchten Kreis der ,,Obersten,, Etage beginnt zu
    Dämmern das die Wirtschaftspolitik der letzten 30 Jahre
    die Wirtschaft an den Rand eines Megadesasters geritten hat.
    Die Möglichen Gefahren wurden zu lange übersehen und viel
    zu spät erkannt.
    Das Kern-Ziel ist nicht der Überwachungsstatt sondern
    die Extrem verfahrene Lage ,,irgendwie,, zu Korrigieren.
    So halbgarer Aktionismus drückt nur noch eines aus.
    Ratlosigkeit bis Panik.
    Das solcher, kaum durchdachter Aktionismus, zielführend ist,
    ist denn doch mehr als fraglich.
    Das Lehrt die Wirtschaftsgeschichte bis zurück ins Altertum.
    Wehr zu spät erkennt und handelt den bestraft die
    Elende Desaströse Realität.
    Tja (Entschuldigung) Scheisse.
    Freundliche Grüsse.

  4. hugin sagt:

    STEUER-REFORM — REFORMLÜGE VON POLIT-GAUKLERN
    Für die „Steuerreform“ 2016 müssen 5 Milliarden Einnahmen erzielt werden. 40% mit 1,9 Milliarden sollen durch Bekämpfung von Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und Registrierkassenpflicht eingenommen werden. Fachleute bezweifeln das.
    Die Österreicher werden damit pauschal als Schwarzarbeiter und Steuerhinterzieher verdächtigt. Wie bankrott muss der Staat sein, dass diese Polit-Amateure jeden Cent nachjagen !

  5. hugin sagt:

    DIE „STEUERREFORM“ IST EINE REFORM-LÜGE……POLIT-GAUKLER AM WERK
    Die „Steuerreform“ 2016 soll mit etwa 5 Milliarden Mehreinnahmen finanziert werden. Davon sollen 40%! (1,9 Milliarden) durch Bekämpfung von Steuerbetrug, Schwarzarbeit und Registrierkassen-Pflicht erzielt werden. Fachleute bezeichnen den Betrag als unrealistisch. Zu anderen skurrilen Ideen, soll auch das Deputatbier bei Brauereien, Nachlässe beim Kauf über 10% und Anderes versteuert werden. Wie Pleite muss die Refgierung sein, um bereits jeden Cent nachzulaufen und die Österreicher pauschal als Steuer-Hinterzieher zu beschuldigen.

  6. Doc sagt:

    Und die Menschen lassen sich das gefallen und jagen ihre korrupte „Regierung“ nicht zum Teufel……
    Armselig geht die Welt zugrunde…..
    Natürlich nicht nur in Österreich …..

  7. gfb sagt:

    Besser: Vermeidung von Steuerverschwendung durch Regierungen und Kommunen durch Verfolgung und lebenslange Haftstrafen! Bürger wacht auf!