Österreich: Mehrzahl der Manager hält Bilanzfälschungen für weit verbreitet

Zwei Drittel der österreichische Manager geben an, dass Unternehmen häufig ihre Bücher frisieren. Damit befindet sich Österreich beim Vergleich von 38 Ländern auf Platz drei. Nur in Serbien und Slowenien gaben mehr Manager Schönungen der Unternehmen an. Da Schweizer Manager hingegen sehen Bestechungen in einer Notlage nicht so streng.

Korruption und Bilanzfälschungen werden oft eher mit Italien oder osteuropäischen Ländern in Verbindung gebracht. Doch eine aktuelle Befragung des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young zeigt, dass auch in Österreich  nachgeholfen wird.

Geht es um die Schönung von Bilanzen beispielsweise, glauben vor allem österreichische Manager an Fälschungen im eigenen Land. Zwei Drittel der österreichischen Manager (68%) geben an, dass in österreichischen Unternehmen Zahlen auch mal aufgebessert werden. „Damit liegt Österreich im internationalen Vergleich ganz knapp hinter Serbien und Slowenien (jeweils 69%) auf dem dritten Platz und deutlich über dem Durchschnitt (37%)“, so die Umfrage.

Außerdem schätzen nur  38 Prozent der Manager in Österreich, dass negative Finanzergebnisse tatsächlich offen und transparent dargestellt würden. „Denn trotz aller Regeln ist Korruption im Geschäftsleben in Österreich nach wie vor nicht gebannt – und vor allem für Unternehmen, die im Ausland aktiv sind, immer noch ein Riesenproblem“, sagt Andreas Frohner bei EY Österreich. Jeder achte Manager in Österreich würde im Notfall für Aufträge Bargeld bezahlen.

Zudem gebe jeder zehnte Manager hierzulande an, dass es im eigenen Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten zur Untererfassung von Kosten gekommen sei. „Gerade weil diese Ergebnisse so alarmierend sind, ist es umso wichtiger, sie richtig einzuordnen“, so Frohner. Man könne daraus nicht schließen, dass in Österreich deutlich öfter Zahlen geschönt werden als in anderen Ländern. „Aber diese extremen Einschätzungen zeichnen ein Stimmungsbild, das von Verunsicherung und Misstrauen gekennzeichnet ist.“

Bei der Umfrage zeige sich eben auch eine große Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild. Während zwei Drittel das Frisieren von Finanzergebnissen in Österreich als weit verbreitet ansieht, glaubt wiederum nur ein Fünftel daran, dass das eigene Unternehmen im letzten Jahr tatsächlich Bilanzen gefälscht hat.

Es fehle demnach nicht an Moral sondern an Vertrauen in das wirtschaftliche Umfeld im eigenen Land. „Die Kombination aus fehlendem Optimismus, steigendem Leistungsdruck und einer unterentwickelten Kultur des Scheiterns ist aus Sicht vieler heimischer Führungskräfte ein Nährboden für Bilanztricks“, so EY-Partner Andreas Frohner.

Die Skepsis gegenüber dem eigenen Unternehmen ist bei den Schweizer Managern in den vergangenen Jahren gestiegen. Nur 20 Prozent der Schweizer Manager bewerten die ethischen Standards in ihrem Unternehmen als gut. Das ist weniger als der westeuropäische Durchschnitt. Sowohl in Sachen Korruption als auch in Sachen Bilanzfälschungen haben die Schweizer Manager ein schlechtes Bild von den Unternehmen des Landes.

Immerhin gab jeder zehnte Schweizer Manager an, dass es im eigenen Unternehmen in den vergangenen 12 Monaten bei Verhandlungen mit Lieferanten zu rückwirkenden Rabatten, Boni und Preisnachlässen kam. „In der Schweiz hält jedes achte befragte Unternehmen Bestechungen im Geschäftsleben hierzulande für weit verbreitet, eine leichte Steigerung gegenüber 2013“, heißt es in der aktuellen Umfrage von Ernst & Young. Und immerhin 22 Prozent der Befragten Schweizer Manager geht davon aus, dass Unternehmen in der Schweiz ihre Finanzergebnisse oftmals besser darstellen, als sie es sind.

Mit Blick auf sich selbst, sind die Schweizer Manager aber auch nicht zimperlich. So würden sich, um im Falle einer Notlage Aufträge zu erhalten, zwölf Prozent der Schweizer Manager zu Bargeldzahlungen hinreißen lassen  – mehr als der westeuropäische Durchschnitt (elf Prozent). Bei Schmiergeldern ist die Bereitschaft in der Türkei und in Griechenland allerdings mit 43 Prozent noch deutlich größer.„Große Unsicherheit aufgrund politischer Veränderungen in Zielmärkten, erlahmendes Wachstum in einst hoffnungsvollen Schwellenländern sowie Wirtschaftskrisen und militärische Konflikte bedrohen die Unternehmensentwicklung“, sagt Michael Faske von Ernst & Young zu den Schweizer Ergebnissen der Umfrage. „Die Versuchung, zu unlauteren Mitteln zu greifen, mag da groß sein.“

 

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