Starker Franken beschert Industrie leere Bücher und Exportrückgänge

Die deutliche Aufwertung des Franken führt zu Exportrückgängen und einem regelrechten Einbruch in den Bestellbüchern. Vor allem die Exporte in die EU verringerten sich. Die Schweizer Unternehmen erwägen bereits ein Ausweichen auf andere Nachbar-Märkte.

In den ersten drei Monaten des Jahres sind die die Umsätze in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen. Vor allem die Exporte in die EU verringerten sich. In den nächsten Monaten ist kaum mit einer Erholung zu rechnen: Die Auftragseingänge sind regelrecht eingebrochen und der Druck auf die Margen wächst.

Die Stärke des Franken stellt die Schweizer Industrie vor erhebliche Schwierigkeiten. So sanken die Umsätze in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) im ersten Quartal 2015 im Vorjahresvergleich um 8,1 Prozent. Dem Branchenverband Swissmen zufolge sind davon Großunternehmen genauso betroffen wie Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU).

Neben den Umsätzen sind mit Blick auf die kommenden Monate aber vor allem die Auftragseingänge von Bedeutung. Und hier zeigt sich für die Schweizer MEM-Industrie ein noch größeres Problem. Diese gingen in den ersten drei Monaten um 17,1 Prozent zurück. Damit sank der Index bei den Bestellungseingängen auf den tiefsten Stand seit 2011.

Noch viel belastender für die Unternehmen ist Swissmen zufolge aber der massive Druck auf die Margen. „Fast zwei Drittel der Unternehmen rechnen mit Margeneinbrüchen von mindestens vier Prozentpunkten“, so der Verband. 31 Prozent der MEM-Firmen rechnen dementsprechend für 2015 mit einem operativen Verlust.

Trotz diverser Reformen zeigen die aktuellen Daten, wie stark die Schweizer MEM-Industrie von der Frankenstärke abhängt. Das nähre dem Verband zufolge  die Befürchtung, „dass die künftigen Maßnahmen der Firmen tiefgreifende, strukturelle Konsequenzen für die Schweizer MEM-Industrie haben könnten.“

Auch die Exportzahlen bestätigen diese Entwicklung. Im Vergleich zum Vorjahresquartal sanken die Exporte der MEM-Industrie um 1,4 Prozent. Das entsprach einem Warenwert von 15,9 Milliarden Euro. Zwar konnten die Exporte nach Asien (+9,7%) und in die USA (+9,5%) gesteigert werden, die Exportverluste nach Europa aber nicht ausgleichen (-4,9%).

Am stärksten gingen die Exporte im Maschinenbau zurück (-8,5%). Die Ausfuhren in der Metall- und Elektro-Branche fielen um 3,3 Prozent und 2,4 Prozent. Lediglich beim Export von Präzisionsinstrumenten gab es ein Plus von 2,6 Prozent.

„Die Unternehmen sind jetzt dabei, die nächsten Schritte zu planen und werden die notwendigen Entscheide schon bald fällen“, so der Verband. Leider gebe es bisher aber kaum Anzeichen, dass die Politik den Werkplatz Schweiz mit besseren Rahmenbedingungen unterstützen wolle.

„Falls kein verbindlicher Kurswechsel in der Politik stattfindet, dürften viele anstehende Entscheide der Unternehmen zu Ungunsten des Standortes Schweiz ausfallen – mit gravierenden langfristigen Folgen für die Industrie sowie für die Schweizer Volkswirtschaft.“

Immerhin bereits 16 Prozent der Unternehmen der MEM-Industrie erwägen, Teile ihrer Wertschöpfungskette ins Ausland zu verlagern, falls der Wechselkurs auf dem Niveau von 1,05 Franken/ Euro verbleiben sollte. Käme es zu einer Wechselkursparität würden sogar 28 Prozent einen solchen Schritt erwägen.

Die Staufen AG kommt zu einem ähnlichen Ergebnis hinsichtlich des Abdriftens Schweizer Unternehmen ins Ausland. „Bei 44 Prozent der Industrie-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Franken stehen entsprechende Maßnahmen auf der Agenda. In gleichem Maße soll auch Personal abgebaut werden. Über alle Unternehmen hinweg planen drei von zehn Verlagerungen sowie die Reduzierung der Mitarbeiterzahlen.“

Die Stärke des Frankens belastet nicht nur die MEM-Industrie. Immer mehr Unternehmen können ihre Rechnungen nicht begleichen. Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet mit einer Erhöhung der Firmenpleiten für 2015 um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

 

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.