Österreichs Maschinenbauer setzen zu sehr auf den Export

Der österreichische Fachverband der Maschinen & Metallwaren Industrie (FMMI) warnt vor einer falschen Ausrichtung der Maschinenbauer. Der Inlandsmarkt verliere für die Industrie immer stärker an Bedeutung.

2014 ging die Produktion in der Maschinen- und Metallindustrie im Vergleich zum Vorjahresquartal „heftig“ um 3,5 Prozent zurück. Die Auftragseingänge schrumpften um 3,3 Prozent, teilte der österreichische Fachverband der Maschinen & Metallwaren Industrie (FMMI) mit.

Insgesamt habe die Maschinen- und Metallindustrie im Vorjahr dennoch 33,4 Milliarden Euro erwirtschaftet, so der Fachverband. Lediglich die Nachfrage aus dem Ausland konnte die Maschinenbauer dem Verband zufolge vor größeren Einbrüchen in der Produktion bewahren. „Höhere Auslandsumsätze gepaart mit geringeren Inlandsinvestitionen bedeuten, dass das Vertrauen in den heimischen Wirtschaftsstandort sinkt“, sagte Christian Knoll vom FMMI.

In den vergangenen Monaten haben zunehmend mehr österreichische Mittelständler die schlechten Standortbedingungen im eigenen Land beklagt. So liegen beispielsweise die Arbeitskosten bei etwa 50 Prozent des Bruttolohns – der dritthöchste Wert unter den OECD-Staaten. Strenge Regulierungen auch bei den Arbeitszeiten und schlechte Finanzierungsmöglichkeiten für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sorgen ebenfalls für Unmut.

„Einmal mehr rettet uns eine positive Exportbilanz vor einem noch größeren Absturz.“ Die Exporte stiegen um 1,4 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro. Vor allem aus Deutschland und den USA wurden die österreichischen Produkte nachgefragt.

In den vergangenen zehn Jahren sind die Exporte zwei- bis dreimal so schnell gewachsen wie die Produktion der Maschinenbauer. Die Exportquote lag im vergangenen Jahr bei 66 Prozent. Die Lieferungen ins Ausland machten dementsprechend fast zwei Drittel des Gesamtumsatzes der Maschinenbauer aus.

Sollte die Nachfrage aus dem Ausland abnehmen, könnte dies extreme Auswirkungen auf die Branche haben. „Wir können nicht weiter zusehen, wie uns der Heimmarkt wegbricht“, so Knoll. Die österreichische Politik müsse sich deshalb endlich zum Industriestandort Österreich bekennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen, und zwar „lieber heute als morgen“.

Schließlich seien die Maschinenbauer und die Metallindustrie mit 1.200 Unternehmen und 120.000 Arbeitsplätzen in der Branche „der wichtigste Arbeitgeber in der heimischen Industrie“.

Mit Blick auf die gewachsene Abhängigkeit vom Export spricht sich der Verband für das Handelsabkommen mit den USA aus. „Ohne den TTIP-Bonus werden unsere Exporte in die USA durch asiatische Exporte ersetzt“, zitiert das Industriemagazin den Fachverband. Das würde das Exportvolumen bis 2020 um drei Milliarden Euro verringern.

In der Metallwarenherstellung zeigten sich im aktuellen FMMI-Konjunkturtest von April 2015 bereits sinkende Auslandsaufträge. Im Maschinenbau waren sie noch konstant.

China ist für die Maschinenbauer ebenfalls weiterhin ein attraktives Ziel. Maschinen und Fahrzeuge sind die beliebtesten Exporte aus Österreich. Insgesamt lag das Handelsvolumen mit China 2014 das erste Mal bei mehr als zehn Milliarden Euro, so die Online-Ausgabe der Wochenzeitschrift Format. Die Exporte waren um 7,8 Prozent gestiegen.

Hier zeigt sich, dass neben den Maschinenbauern inzwischen viele andere Branchen in Österreich ebenfalls auf den Export setzen. Der aktuelle Einkaufsmanager-Index der Bank Austria vom April lag bei 50,1 Punkten und markierte damit das erste Mal seit acht Monaten keinen Rückgang der Industrie. „Die steigende Nachfrage aus den USA und aus Europa bescherten der heimischen Industrie im April höhere Auftragseingänge“, so die Bank Austria.

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