Mittelstand fehlt professionelle Kommunikations-Strategie

Im deutschen Mittelstand ist Kommunikation meist noch immer reine Chefsache. In vielen Unternehmen fehlt es an einem eigenen Kommunikationsteam und einer durchdachten Strategie. Diese wäre jedoch für die Gewinnung neuer Mitarbeiter und einem höheren Bekanntheitsgrad sehr wichtig.

Der deutsche Mittelstand gilt gemeinhin als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Doch die Bekanntheit vieler wichtiger Betriebe lässt zu wünschen übrig. Der Mehrheit der Deutschen nehmen mittelständische Unternehmen kaum war. Ein Grund dafür ist die Unternehmenskommunikation. Die größte bisher erhobene Umfrage zum Thema Mittelstandskommunikation hat zeigt: Die Unternehmen wissen, dass Kommunikation wichtig ist, doch sie vernachlässigen diese oft. Und das kann sich auf dem ausländischen Markt und bei der Suche nach Fachpersonal rächen.

Kommunikationsverantwortliche von 310 mittelständischen Unternehmen und eine Vergleichsgruppe aus 262 Großunternehmen wurden für die Umfrage „Mittelstandskommunikation 2015“ der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit dem PR-Beratungsunternehmen Fink & Fuchs befragt. 77 Prozent der befragten Unternehmen schreiben demnach der Kommunikation eine hohe Bedeutung zu. Doch 40 Prozent der Unternehmen unterhalten weder eine eigene Kommunikationsabteilung noch ein Kommunikationsbudget. Noch immer setzt mehr als die Hälfte der Mittelständler auf den Geschäftsführer, wenn es um die Zuständigkeit der Kommunikation geht.

Eine entsprechende Professionalität in der Unternehmenskommunikation fehlt dementsprechend, so das Ergebnis der Umfrage. Nur vier von zehn Unternehmen haben ein festes Team, das sich nur mit diesem Unternehmensbereich beschäftigt. Die Zahl der Mittelständler, die externe Dienstleister für diese Aufgabe zu Rate ziehen, ist mit 25,2 Prozent sehr gering. Dementsprechend fehlt es bei vielen Mittelständlern an einer ausgeklügelten, stringenten Kommunikationsstrategie. Gerade die ist aber wichtig, um die zukünftigen Kommunikationsprozesse zu vereinfachen und gleichzeitig regelmäßig die Pflege des Unternehmensimages in der Öffentlichkeit durchzuführen. Grund für die fehlende Kommunikationsstrategie und das entsprechende Personal sind Personalmangel, ein zu geringes Budget und zu wenig Zeit.

Auffällig ist auch, dass die Unternehmenskommunikation den meisten Mittelständlern dazu dient, die Bekanntheit zu erhöhen und Beziehungen bzw. die Reputation der Marke zu pflegen. Die Kommunikationsarbeit jedoch auch für die Rekrutierung von Fachpersonal einzusetzen, ist für jeden zweiten Mittelständler hingegen noch Nebensache. Und gerade hier warten ebenso große Herausforderungen für die Unternehmen wie hinsichtlich der wachsenden Konkurrenz aus dem Ausland. Kunden und Vertriebspartner sind die mit Abstand wichtigsten Zielgroppen der Unternehmenskommunikation.

„Nur 26,1 Prozent der Mittelständler haben eine eindeutige Strategie für Employer Branding und Arbeitgeberkommunikation“, heißt es in Bericht. Rund ein Viertel der befragten Unternehmen habe nach eigener Auskunft kein klares Profil als Arbeitgeber. Vielmehr nutzt die Mehrheit der mittelständischen Unternehmen  persönliche Kontakte (91,7 Prozent), Online-Angebote auf der eigenen Website (88,6 Prozent) und Jobportale (81,7 Prozent), um neue Fachkräfte zu gewinnen. Zwei Drittel setzen immerhin auch auf Printanzeigen.

Einen weiteren Nachholbedarf in der Unternehmenskommunikation der Mittelständler zeigt sich bei der internationalen Kommunikation. „Vier von zehn international tätigen Mittelständlern betreiben außerhalb von Deutschland keine aktive Kommunikationsarbeit, obwohl diese als große Herausforderung betrachtet wird.“ Die Umfrage zeigt, dass hier vor allem die „Berücksichtigung lokaler Mentalitäten und Kulturen bei der Kommunikation“ (70,6 Prozent), die oft schwer erfassbare Medienlandschaft (66 Prozent) und öffentliche Meinungsbildung (63,3 Prozent) Schwierigkeiten bereiten.

Kritisch zeigt sich die Umfrage mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung. Die wird nur von einem Drittel der Unternehmen als Herausforderung wahrgenommen. Das erkläre, warum der Social-Media-Kommunikation eine geringere Relevanz zugesprochen wird. „Der Mittelstand könnte hier den vielfach konstatierten „blinden Fleck aufweisen“.

Der  Aufwand für eine Professionalisierung der Unternehmenskommunikation lohnt sich jedoch. Neben betriebswirtschaftlichen Erfolgen führe eine übergeordnete Strategie in der Kommunikation „insgesamt zu mehr Zufriedenheit“, heißt es in dem abschließenden Bericht. Die starke Produkt- und Vertriebsorientierung der Mittelstandskommunikation lasse große Potentiale brach liegen. „Die große Chance des Mittelstands ist: mit seinen authentischen, verantwortlich handelnden Akteuren und Unternehmerpersönlichkeiten glaubwürdige Inhalte zu vermitteln, die nachhaltig auf Reputation und Unternehmensidentität einzahlen.“

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.