Österreich: Nationalbank holt Goldreserven zurück

Die Mehrheit der österreichischen Goldbestände befindet sich in Tresoren in Großbritannien. Das soll sich nun ändern. Die Nationalbank hat angekündigt, die Goldreserven wieder vermehrt direkt in Österreich lagern zu wollen.

Derzeit verfügt Österreich über Goldreserven in Höhe von 280 Tonnen mit einem Marktwert von 7,843 Milliarden Euro 8Stand Dez. 2013). Davon entfallen 218 Tonnen auf physisches Gold wie etwa Goldbarren und rund 62 Tonnen auf nicht-physische Bestände wie Forderungen aus Goldleihen. Doch das meiste Gold lagert gar nicht in Österreich. Lediglich 17 Prozent 280 Tonnen der eigenen Goldbestände werden in Österreich vorgehalten. Neben drei Prozent, die in der Schweiz lagern, befindet sich der Großteil der Goldreserven in Großbritannien: 80 Prozent. Das soll sich nun ändern.

Mit Blick auf die „Goldstrategie“ der Österreichischen Nationalbank und „ und unter Berücksichtigung der Empfehlungen des österreichischen Rechnungshofes“ sollen die Goldbestände neu verteilt werden, so die Österreichische Nationalbank. Teil des „Lagerstellenkonzepts 2020“ ist es, in den kommenden fünf Jahren 50 Prozent der Goldbestände in Österreich zu lagen. Auf London sollen ab 2020 nur noch 30 Prozent entfallen. Gleichzeitig werden aber die Goldbestände in der Schweiz aufgestockt: auf 20 Prozent.

Der nationale Rechnungshof hatte im Februar die bisherige Lagerstrategie der Nationalbank deutlich kritisiert. Die hohen Bestände in London bezeichnete der Rechnungshof als hohes Konzentrationsrisiko. „Ein Vergleich mit vier anderen europäischen Zentralbanken zeigte, dass die OeNB durch die Lagerung von rund 82 Prozent ihrer Bestände bei einer Lagerstelle in England, auch im internationalen Vergleich einem erhöhten Konzentrationsrisiko ausgesetzt war“, heißt es in dem Bericht.

Die Österreichische Nationalbank hatte diesem Kritikpunkt widersprochen. In einer Erklärung hieß es, dass „die Lagerung von Gold dort sinnvoll ist, wo Gold im Bedarfsfall gehandelt wird und daher den Zweck einer Reserve erfüllen kann“ Das sei vor allem der internationale Handelsplatz London.

Außerdem warf der Rechnungshof der Nationalbank vor, dass es eine „mangelhafte Ausgestaltung des Goldlagerstellen­vertrags mit der Lagerstelle in England sowie fehlende Revisionsmaßnahmen bei den im Ausland gelagerten Goldbeständen“ gebe. Der Österreichischen Nationalbank zufolge habe es aber in den vergangenen Jahren immer wieder Evaluierungen gegeben. Und „den Vorwurf der angeblich mangelnden vertraglichen Ausgestaltung der Lagerung in England weist die OeNB jedenfalls zurück.“ Darüber hinaus bestünden für Goldreserven von Zentralbanken Sonderbestimmungen im Rang des Völkerrechts sowie zum Teil auch durch bi- und multilaterale völkerrecht­liche Abkommen. Zusätzliche völkervertragliche Regelungen seien daher nicht notwendig.

Mit dem neuen Lagerkonzept schließt sich Österreich aber auch einem generellen Trend unter den Nationalbanken an. Neben Deutschland haben sich auch die Niederlanden in der Vergangenheit für eine Umlagerung ihrer Goldreserven entschieden. Von den Schweizer Goldreserven im Umfang von 1040 Tonnen lagern hingegen 70 Prozent in der Schweiz. Etwa 20 Prozent befinden sich in London und 10 Prozent bei der Zentralbank in Kanada, so die Schweizer Nationalbank.

Erst im Dezember des vergangenen Jahres hatten die Schweizer die in der so genannten Goldinitiative geforderte Goldquote abgelehnt. Diese hätte die Schweizerische Nationalbank (SNB) dazu verpflichtet, einen größeren Teil ihrer bisher überwiegend aus Euro und Dollar bestehenden Reserven aus Sicherheitsgründen in Gold zu halten.

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