Österreichs-Sportwirtschaft ist erstklassig in Europa

Jeder 17. Euro, der in Österreich erwirtschaftet wird, ist auf die Sportbranche zurückzuführen: Von der Sportkleidung über spezielle Ernährung bis hin zur Produktion von Sportartikel. Mittlerweile macht die Branche sechs Prozent des BIPs aus.

Geht es um die Wirtschaft in Österreich, geht der Blick oft in Richtung Tourismus. Doch mittlerweile gibt es auch andere Branchen, die stark zur Wirtschaftsleistung beitragen. Neben den neuen Technologien ist es vor allem die Sportbranche, die Österreich auch im europäischen Feld an die Spitze katapultiert.

Wie die aktuellen Daten des SportsEconAustria Instituts für Sportökonomie (SpEA) zeigen, entsteht allein durch die Sportwirtschaft eine jährliche Wertschöpfung in Höhe von 11,6 Milliarden Euro, indirekt sind es sogar 17,2 Milliarden Euro. Damit ist Österreich den anderen EU-Ländern voraus. Immerhin ist die österreichische Sportwirtschaft für etwa sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verantwortlich. „Mit rund 17 Milliarden ist die Sportwirtschaft größer als die Bauwirtschaft und mehr als doppelt so groß wie die Beherbergungsbetriebe“, sagte Sportminister Gerhard Klug (SPÖ) bei der Präsentation der aktuellen Daten.

Jeder 17. in Österreich erwirtschaftete Euro hat damit seinen Ursprung in der Sportwirtschaft. Und von jedem in der Sportwirtschaft erwirtschafteten Euro „werden österreichweit weitere 48 Cent Bruttowertschöpfungen in anderen Sektoren ausgelöst“, so der Bericht des Instituts, der den Deutschen Mittelstands Nachrichten vorliegt. Vor allem profitieren die Gastronomie und die Hotellerie von der Sportwirtschaft. Demnach werden fast 30 Prozent aller direkt durch Sport ausgelösten Effekte in dieser Branche erwirtschaftet: 3,342 Milliarden Euro. Der Einzelhandel erwirtschaftete 2013 etwa 1,479 Milliarden Euro.

Die große Bedeutung der Sportbranche für Österreichs Wirtschaft zeigt sich erst jetzt richtig. Die Daten für die Sportwirtschaft werden erst seit ein paar Jahren aus den Statistiken herausgelöst und eigens betrachtet. Das liegt auch daran, dass die Sportwirtschaft eine weit verzweigte Branche ist. Nicht nur die Produktion und der Verkauf von Sportgeräten und -kleidung spielen hier eine Rolle. Auch Versicherungen, spezielle Nahrungsmittel, Hotelbuchungen und Wetten sind beispielsweise Teil der Wertschöpfungskette der Sportwirtschaft.

Direkt und indirekt hängen von der Sportwirtschaft zurzeit 333.765 Arbeitsplätze ab. „Die Sportwirtschaft sichert somit eine Anzahl an Arbeitsplätzen in Österreich, die der Einwohnerzahl von Linz (Stadt und Umgebung) entspricht“, so das Institut.

In der Sportwirtschaft Österreichs ist beispielsweise der Sporttourismus ein wichtiger Faktor. Die Wirtschaftskammer spricht im Zusammenhang mit Daten des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) davon, dass die Deviseneinnahmen aus dem Sporttourismus fast ein Viertel der Deviseneinnahmen aus dem Reiseverkehr ausmachten. Das entspreche rund fünf Prozent der Fremdwährungseinnahmen aus den Gesamtexporterlösen.

Knapp 35 Prozent der Übernachtungen gingen auf den Sporttourismus zurück. Denn nicht nur ausländische Touristen nutzen das breite Sportangebot in Österreich. Tatsächlich ist der Wintersport nur unwesentlich beliebter für Inlandsreisen als der Sommersport. Die Hälfte der 2,2 Millionen Inlandsreisen wird für geplante sportliche Aktivitäten gebucht.

Bereits im April verwies Sportminister Gerald Klug auf die Bedeutung des Sportes für Österreich. Sport sei ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Er „schafft Arbeitsplätze und fördert die regionale wirtschaftliche Entwicklung“. Am 21. und 22. April hatte sich die EU-Arbeitsgruppe „Wirtschaftliche Dimensionen des Sports“ in Wien zu einer Sitzung getroffen. „Der Sportsektor ist hochinnovativ und bringt laufend neue Produkte hervor, die auch in anderen Wirtschaftsbereichen erfolgreich genutzt werden“, sagte EU-Arbeitsgruppenleiter Christian Helmenstein und Leiter des SportsEconAustria Instituts für Sportökonomie.

In Deutschland erwirtschaftet die Sportwirtschaft 2013 etwa 73 Milliarden Euro, so das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Das entspricht rund 3,3 Prozent des BIPs – fast halb so viel wie in Österreich. 1,766 Millionen Menschen arbeiten im weitesten Sinne für die deutsche Sportwirtschaft.

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