Starker Franken lässt Schweizer Wirtschaft schrumpfen

Das Schweizer Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal so stark gesunken wie seit 2011 nicht mehr. Damit steht die Schweizer Wirtschaft kurz vor einer Rezession. Aus Kanada und den USA wurden ebenfalls schlechte Wirtschaftsdaten bekannt.

Die Abkoppelung vom Euro und die massive Aufwertung des Franken haben das Wachstum in der Schweiz deutlich geschmälert. Nachdem bereits aus einigen Branchen schlechte Zahlen zu vernehmen waren, zeigt nun das BIP die gesamte Tragweite. So sank das BIP im ersten Quartal 2015 gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Freitag mit.

Damit schrumpfte die Wirtschaftsleistung des Landes erstmals seit dem dritten Quartal 2011. Die Entwicklung ist ein Rückschlag für die Schweiz, 2014 legte das BIP noch um 2,0 Prozent zu. Die Warenexporte gingen in den ersten drei Monaten des Jahres um 2,3 Prozent zurück. Praktisch alle Sektoren hätten zum Rückgang beigetragen, so das Staatssekretariat.

„Negative Impulse kamen insbesondere von der Handelsbilanz mit Waren und Dienstleistungen“, so das Staatssekretariat. In der Produktion schwächte sich das Wachstum in vielen Branchen deutlich ab, insbesondere Handel und Gastgewerbe entwickelten sich rückläufig. Nun droht der Schweiz möglicherweise eine Rezession. „Wir gehen davon aus, dass das BIP im zweiten Quartal noch stärker zurückgeht als im ersten und die Schweiz damit in eine Rezession fällt“, sagte Karsten Junius, Volkswirt bei der Privatbank J.Safra Sarasin. Von einer Rezession spricht man, wenn an zwei aufeinanderfolgenden Quartalen die Wirtschaft schrumpft.

Andere Ökonomen zeigten sich nicht so pessimistisch. Ipek Ozkardeskaya, Analystin bei der London Capital Group, geht von einer Erholung im zweiten Quartal aus. Die margenstarke Schweizer Exportwirtschaft dürfte in der Lage sein, den Franken-Schock überstehen. Eine Erholung sei unterwegs und dürfte sich ab dem dritten Quartal verstärken, sagte Ozkardeskaya.

Auch in Kanada und den USA ist die wirtschaftliche Lage wieder etwas angespannter geworden. In den USA schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Januar bis März auf das Jahr hochgerechnet um 0,7 Prozent, wie das Handelsministerium mitteilte. Auch hier waren Währungskurse Mitursache des Rückgangs. Der Dollar hatte in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt und die exportierten Waren verteuert.

Die US-Exporte gingen zu Jahresbeginn um 7,6 Prozent zurück und damit noch stärker als zunächst geschätzt. Zugleich zogen die Importe mit 5,6 Prozent weit kräftiger an als erwartet. Der private Konsum fiel mit einem Zuwachs von 1,8 Prozent relativ schwach aus. Noch Ende 2014 lag das Plus bei weit mehr als vier Prozent. Die US-Notenbank Federal Reserve hat angesichts der eintrübten Konjunkturlage signalisiert, dass sie die für dieses Jahr angepeilte Zinswende wohl noch nicht im Juni vollziehen wird. Sie hält den Leitzins seit Ende 2008 bei null bis 0,25 Prozent, um die Konjunktur anzukurbeln.

Kanadas Wirtschaft ist zu Jahresanfang so stark geschrumpft wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt sank zwischen Januar und März auf das Jahr hochgerechnet um 0,6 Prozent, wie das nationale Statistikamt am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten einen Anstieg von 0,3 Prozent erwartet, nachdem es Ende 2014 noch plus 2,2 Prozent waren.

Die kanadische Zentralbank hatte jüngst bereits angekündigt, dass das erste Quartal „grauenhaft“ ausfallen dürfte, hatte selbst aber nur mit einer Stagnation gerechnet. Kanada leidet als Ölexporteur unter dem starken Ölpreis-Verfall. So sanken die Investitionen der Firmen mit einer Jahresrate von knapp zehn Prozent.

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