Milliarden-Deal in der Chipbranche: Intel kauft Altera

Marktführer Intel will den Rivalen Altera kaufen. In sechs bis neun Monaten soll das Geschäft abgeschlossen sein. Damit erweitert Intel sein Spektrum. In der Branche ist es mittlerweile die dritte große Übernahme in diesem Jahr.

Die nächste milliardenschwere Übernahme in der Chipbranchesteht bevor: Marktführer Intel will für 16,7 Milliarden Dollar den kleineren Rivalen Altera kaufen. Wie Intel am Montag mitteilte, werden je Altera-Aktie 54 Dollar in bar geboten. Das entspricht einem Aufschlag von 10,5 Prozent auf den Schlusskurs von Freitagabend. Einem Insider zufolge hat Altera im April eine Intel-Offerte genau in dieser Größenordnung abgelehnt. Intel betonte, nun seien aber die Managements beider Firmen für den Deal. Die Transaktion soll in sechs bis neun Monaten über die Bühne gehen.

Mit der Akquisition reagiert Intel auf die schwächere Nachfrage von PC-Produzenten. Altera soll dem Halbleiter-Primus helfen, im gewinnträchtigeren Geschäft mit Datenzentren erfolgreich zu sein. Programmierbare Altera-Chips werden unter anderem genutzt, um Suchanfragen im Internet zu beschleunigen.

Der Deal ist bereits die dritte Groß-Übernahme in der zersplitterten Branche in diesem Jahr. Erst vergangene Woche kündigte Avago an, Broadcom für 37 Milliarden Dollar kaufen zu wollen. Dies ist die größte Akquisition in der Geschichte der Branche. Der fusionierte Konzern soll zunächst auf einen Jahresumsatz von 15 Milliarden Dollar kommen und an der Börse 77 Milliarden Dollar wert sein.

Die Chipfirmen stehen unter wachsendem Druck, sich zusammenzuschließen. Denn zum einen werden die von ihnen hergestellten Bauteile aufgrund des Wettbewerbs immer günstiger. Zum anderen müssen die Anbieter ihre Kräfte bündeln, um bei Neuentwicklungen, beispielsweise für mobile Geräte wie Smartphones und Tablets, nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Gerade in der Automobilbranche gilt es jetzt, sich seine Anteile und künftige Kooperationen zu sichern. In den kommenden Jahren werden die Umsätze der Chip-Hersteller mit der Autoindustrie einer Studie zufolge um rund zwölf Milliarden Dollar wachsen. 2020 würden Erlöse von rund 42 Milliarden Dollar erwartet, derzeit beliefen sie sich auf knapp 30 Milliarden, berichtete die „Automobilwoche“ unter Berufung auf eine Studie von Strategy Analytics. Das sei eine Verdoppelung im Vergleich zu 2010. Grund für das wachsende Geschäft sei die zunehmende Vernetzung von Fahrzeugen.

Bereits jetzt ist die Autoindustrie ein wichtiges Standbein für die Halbleiterbranche. Der Automobilvorstand des niederländischen Chipanbieters NXP, Kurt Sievers, sagte der Zeitung, die Automobilindustrie sei „eines der beiden wichtigsten strategischen Wachstumsfelder für unser Unternehmen“. Seit 2009 habe sich der Umsatz der Autosparte in etwa verdoppelt. Auch für den deutschen Branchenvertreter Infineon sind die Autokonzerne inzwischen unverzichtbar geworden. Infineon steigerte den Umsatzanteil der Autosparte phasenweise von 40 auf 45 Prozent, wie der Leiter des zuständigen Geschäftsbereichs Jochen Hanebeck der „Automobilwoche“ sagte.

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