Russland wird zum Risiko für deutsche Maschinenbauer

Mittlerweile sind fast alle deutschen Maschinenbauer, die in Russland tätig sind, von den Folgen der Sanktionen und der Wirtschaftskrise in Russland betroffen. Teilweise gibt es Konjunkturrückgänge von bis zu 66 Prozent. Experten rechnen zudem mit einer Zunahme bei Insolvenzen russischer Unternehmen um 30 Prozent. Auftragsrückgänge, Zahlungsausfälle und einbrechende Exporte belasten die deutschen Maschinenbauer massiv.

Seit Beginn der Sanktionen ist die russische Wirtschaft auch aufgrund fallender Ölpreise und zunehmender Kapitalflucht stark angeschlagen. Das belastet die deutschen Maschinenbauer extrem. „Mittlerweile sind fast alle in Russland tätigen Unternehmen von der Krise betroffen“, sagt Monika Hollacher vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Einer VDMA-Umfrage zufolge wurden 2014 für 6,48 Milliarden Euro Maschinen und Anlagen aus Deutschland nach Russland geliefert, 17 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Im ersten Quartal dieses Jahres gingen die Exporte um 28,4 Prozent zurück. 83 Prozent der Unternehmer gaben an, dass sie unter Auftragsrückgängen leiden. Auch gibt es Probleme bei den Finanzierungen. So sind westliche Banken bei Russlandgeschäften aufgrund der Krise sehr zurückhalten. Das schränkt die Investitionsmöglichkeiten deutscher Maschinenbauer ein. Zusätzlich dazu sind Kredite von russischen Banken für russische Kreditnehmer aufgrund hoher Zinsen und Finanzsanktionen oft zu teuer. 20 Prozent der Befragten gab an, Auftragsstornierungen zu erhalten und 14 Prozent mussten sich bereits mit Zahlungsausfällen auseinander setzen.

„Betroffen sind nahezu alle Branchen“, so Hollacher zu den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Auch, wenn die Rückgänge sehr unterschiedlich ausfallen würden: Die Bauwirtschaft etwa leide stark unter Konjunktureinbrüchen, was sich sofort bei den Bau- und Baustoffmaschinen niederschlage. „Hier haben wir sehr hohe Rückgänge zu verzeichnen, nämlich 66 Prozent.“ Es gibt aber Branchen,  die bei den Exporten noch relativ gut abschneiden. „Das ist zum Teil auf die Auslieferung von Altaufträgen zurückzuführen“, so Hollacher vom VDMA. „Da aber der Auftragseingang in Russland stark zurückgeht, gehen wir davon aus, dass die Talsohle für den Maschinenbau noch nicht erreicht ist.“

Ob eher große oder kleinere Unternehmen von der Krise in Russland betroffen seien, wisse der Verband Hollacher zufolge nicht. Der Verband führe darüber keine Statistik. „Die Betroffenheit ist eher davon abhängig, wie hoch der Anteil des Russlandgeschäfts am Gesamtumsatz des Unternehmens ist, und wie viele Märkte neben dem russischen Markt bearbeitet werden.“ Deshalb habe man sich als Verband mit Blick „wiederholt zum Primat der Politik bekannt“ und daran habe sich nichts geändert. „Unsere Forderungen an die Politik, die Sanktionen klar und handhabbar zu gestalten, sind Anfang Dezember 2014 mit der Korrektur der Sanktionstexte durch die EU weitgehend umgesetzt worden.“

Wie auch vom VDMA bemerkt, wird Russland für die deutschen Maschinenbauer auch in den kommenden Monaten ein hohes Risiko bleiben. Die Kreditversicherungs-AG Euler Hermes rechnet mit einem Rückgang des russischen BIPs für dieses Jahr um 5,5 Prozent gerechnet. Für das kommende Jahr rechnen die Ökonomen immerhin noch mit einem Schrumpfen um vier Prozent. „Das Euler Hermes Basisszenario (70% Wahrscheinlichkeit) sagt für 2015 eine Fortsetzung der Zahlungsbilanzkrise mit einer schweren Rezession (Abnahme des realen BIP um 5,5% und eine stark steigende Zahl von Insolvenzen +30%) voraus.“ Ein Staatsbankrott sei in diesem Jahr allerdings unwahrscheinlich, da die aktuellen Reserven immer noch viel höher als 1998 sind.

Den Wissenschaftler der Studie zufolge könnten eine Eskalation der Sanktionen gegenüber Russland, vollwertige Kapitalverkehrskontrollen oder ein Ölpreis von unter 50 USD/Barrel über einen längeren Zeitraum das schlimmste Szenario auslösen. Für diesen schlimmsten Fall wird immerhin schon eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent angegeben: Dies würde einen wirtschaftlichen Zusammenbruch auslösen mit einer Abnahme des realen BIP um bis zu 15 Prozent im Jahr 2015. Ein Anstieg der Insolvenzen um bis zu 80 Prozent wäre ebenfalls die Folge. „Auf der anderen Seite schätzen wir die Wahrscheinlichkeit einer Aufwärtsbewegung mit einer nur milden Rezession (-1%) und einem moderaten Anstieg der Insolvenzen (+ 10%) auf lediglich 5 Prozent ein.“

Tatsächlich führten die Sanktionen und die starke Rubelabwertung in den vergangenen Tagen zum Anstieg der Preise für importierte Waren. Das beeinträchtigte die Rentabilität der russischen Unternehmen. „Russland hat derzeit keine Branchen mit niedrigen Risiken, auch staatlich geschützten Branchen wie Chemikalien und Maschinen haben sich hierbei nicht als immun erwiesen“, so die Studie.

 

Kommentare

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  1. Wie dumm kann man sein ?? sagt:

    Ist das denn schlimm ?
    Warum haben diese Feiglinge still gehalten, als Brüssel und Berlin großmäulig
    Sanktionen wegen völlig aus der Luft gegriffener Vorwürfe an Russland zu
    misbrauchten ?
    Sollen sie ihren Mist an die Amis verhökern.
    Es müssten 60 % von diesen pleite gehen.